Analyse

Nebeneffekt der Corona-Maßnahmen– Diese Krankheiten sind 2020 zurückgegangen

Das RKI vermeldet deutlich weniger Erkrankungen im Jahr 2020 als noch in den Vorjahren. Ein wesentlicher Faktor waren wohl die Corona-Maßnahmen.

  • 2020 erkrankten deutlich weniger Menschen an Infektionskrankheiten.
  • Die Corona*-Maßnahmen haben offenbar eine große Rolle gespielt.
  • Rund 35 Prozent weniger Deutsche erkrankten im vergangene Jahr an der Grippe.

Kassel - Bereits seit knapp einem Jahr beschäftigt sich die ganze Welt mit dem Coronavirus. Um die Pandemie einzudämmen, wurden bereits Regelungen wie Kontaktbeschränkungen und die Maskenpflicht verordnet. Scheinbar tragen die Corona-Maßnahmen auch bei der Vorbeugung anderer Krankheiten Früchte, denn wie Studien nun zeigen, waren die Deutschen im vergangenen Jahr weniger krank als üblich.

Wissenschaftler konnten nun nämlich erste Bilanzen aus dem Jahr 2020 ziehen. Mittlerweile steht fest: Lediglich eine Krankheit übersteigt die Werte der letzten Jahre. An der Grippe erkrankten in Deutschland aber beispielsweise rund 35 Prozent weniger Menschen als noch in den Vorjahren.

Corona: RKI untersucht meldepflichtige Krankheiten und entdeckt weniger Grippe-Fälle

„Die Fallzahlen von vielen anderen Infektionskrankheiten sind während der Covid-19-Pandemie im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen“, so Sonia Boender vom Fachgebiet Surveillance am Robert Koch-Institut (RKI) gegenüber Focus Online.

Um mögliche Effekte der Pandemie zu untersuchen, stellen die Experten des RKI eine Analyse zu meldepflichtigen Krankheiten an, wie etwa von Tuberkulose, Hepatitis E oder auch der Grippe. Demnach wurden zwischen März und August 2020 knapp 140.000 solcher Nicht-Corona-Fälle gemeldet. Anhand der Werte der Vorjahre war hier ein Rückgang von etwa 35 Prozent zu verzeichnen.

Auch die Corona-Maßnahmen, wie etwa die Maskenpflicht, haben für weniger Krankheiten und Grippe-Erkrankungen im Jahr 2020 gesorgt. (Symbolfoto)

Weniger Grippe-Fälle auch dank Corona-Maßnahmen

Laut der Analyse waren Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen besonders stark rückläufig. Sexuell übertragbare Infektion hingegen gingen weniger stark zurück. Einen bestimmten Grund für das Sinken der Zahlen gibt es laut den Forschern jedoch nicht. Dies sei vielmehr von mehreren Faktoren abhängig und nicht allein mit einer Datenanalyse zu erklären.

Feststeht laut Boender allerdings, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie einen Einfluss gehabt haben. So hätten Schließungen, Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen, Handhygiene und das Arbeiten im Homeoffice insbesondere die Übertragung von Erregern verhindert, was sich in weniger Grippe-Fällen sowie Atemwegs- und Magen-Darm-Krankheiten zeige.

Erster Corona-Lockdown vereitelte mögliche Grippe-Infektionswelle

Zudem macht sich laut Expertin Sonia Boender ebenfalls bemerkbar, dass die Deutschen im Jahr 2020 aufgrund der Coronavirus-Pandemie deutlich weniger in die Ferne reisen konnten. Dadurch seien Erkrankungen wie Denguefieber und Malaria beobachtet worden, die sonst häufiger bei Reiserückkehrern diagnostiziert werden.

Bereits im Frühjahr 2020 hatte sich gezeigt, dass schon der erste Corona-Lockdown einer möglichen Grippe-Infektionswelle ein verfrühtes Ende bereitete. Auch im Herbst und Winter 2020 sind Erkältungen und Influenza nach bislang verfügbaren Daten seltener aufgetreten als in den Jahren zuvor.

Corona in Deutschland: Grippe-Infektionen sinken, FSME-Erkranken nehmen zu

Doch nicht bei jeder Krankheit läuft es wie bei der Grippe: In der Analyse des Robert-Koch-Instituts, zeigt sich bei einer der betrachteten Erkrankungen eine Steigerung: bei der Hirnhautentzündung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die von Zecken übertragen wird.

Tatsächlich könnte für den Anstieg ebenfalls die Corona-Pandemie verantwortlich sein, da es viele Menschen ins Grüne gelockt hat, um größeren Menschenmengen zu entgehen. Zudem warnte das Rote Kreuz, dass es wegen des milden Winters mehr Zecken gebe und die Saison bereits im März 2020 begonnen habe. (Nail Akkoyun) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

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