Im Discounter geht es rund

Aldi-Mitarbeiterin über Stress in Corona-Zeit: „Es ist wie Weihnachts- und Ostergeschäft gleichzeitig“

Die Mitarbeiter von Discountern sind derzeit überlastet. Jetzt kommen auch noch die Einkäufe der Osterfeiertage hinzu. Eine Mitarbeiterin berichtet aus ihrem Alltag.

Karlsruhe - Es ist der Beginn der Epidemie, der den Angestellten der Discounter Sorgen bereitet hat. Zu viele Menschen kauften zu viele Produkte gleichzeitig ein. „Es ist wie Weihnachts- und Ostergeschäft gleichzeitig, ein Zustand, den ich in meinem Beruf noch nie erlebt habe“, schildert eine Mitarbeiterin von Aldi der „Badischen Neuen Nachrichten“ vor drei Wochen. Mitte März wendete sie sich per E-Mail an die Zeitung, um ihre Lage zu schildern. Jetzt meldet sie sich erneut.

Die Lage habe sich nun verbessert, sagt sie. Sicherheitsvorkehrungen und ein abflachender Ansturm der Kunden wirken. Doch trotzdem fühlt sich Frau nicht sicher. Ihr Mann ist Risikopatient - ständig habe sie Angst, den Virus von der Arbeit mit nach Hause zu bringen. Zur Osterzeit wird ein neuer Ansturm auf die Discounter erwartet.

Aldi: Die Lage hat sich derzeit etwas verbessert

„Das Wachpersonal draußen achtet darauf, dass nicht zu viele Leute auf einmal hineindrängen. Wir haben Abstandsstreifen auf den Boden geklebt, und die Kunden halten sich in der Regel daran“, erzählt die Frau, die seit 30 Jahren für Discounter arbeitet. Jetzt für eine Aldi-Filiale* nähe Karlsruhe. Sie möchte zu ihrem eigenen Schutz lieber anonym bleiben. 

Trotzdem müsse sie sich über manche Kunden ärgern. Weil die Ausgangsbeschränkung bis 19. April nach wie vor gilt, sehen einige Familien ihren Gang zum Discounter als Freizeitbeschäftigung. Manche Kinder toben sogar durch den Laden, schildert die Aldi-Mitarbeiterin. „Und wenn man dann vorsichtig etwas sagt, schauen solche Leute uns nur verständnislos an.“

Aldi-Mitarbeiterin: Manche Familien sehen das Einkaufen als Freizeitbeschäftigung

Viele Kunden würden auch den Sicherheitsabstand* von mindestens 1,5 Metern nicht sehr genau nehmen. „Manche Menschen vergessen noch den Abstand, wenn sie nach etwas suchen und mich fragen, während ich die Regale einräume.“

Auch das Bargeld an der Kasse mache ihr Sorgen. Supermärkte und Discounter, die ihre Läden nicht ausreichend schützen nennt sie „Corona-Brutstätten“. Es sei bislang ein Problem, dass nicht alle Supermärkte eine einheitliche Linie fahren. Sie wünscht sich Regelungen der Regierung*, etwa eine Begrenzung der Personenanzahl. „Jede Person mehr ist eine Gefahrenquelle mehr.“

Und trotzdem - sie ist dankbar: „Die Leute schenken uns Süßigkeiten, sie schreiben Dankesbriefe. Schön!“

Zur Osterzeit erwarten die Discounter besonders viele Kunden. Doch ein Osterprodukt verärgerte nun die Kunden - es ist eine Mogelpackung.

Aldi Süd führt in der Corona-Krise wohl ein neues Kamerasystem ein.

mak

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Christian Charisius

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