Discounter weist Vorwürfe zurück

Lidl-Mitarbeiterin klagt über erschreckende Corona-Fehler - „Vielleicht muss erst einer sterben“

Die Arbeitsbedingungen in US-Discountern in der Corona-Krise geraten in die Kritik. Lidl-Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe.

  • Lidl-Mitarbeiter in den USA machen auf miserable Arbeitsbedingungen aufmerksam.
  • Besonders in der Corona*-Krise wird schlecht mit ihnen umgegangen.
  • Das Unternehmen selbst weist die Vorwürfe zurück.

New York - Die deutsche Discounter*-Kette Lidl gerät in den USA zunehmend in die Kritik. Grund dafür sind angeblich verheerenden Arbeitsbedingungen, von denen Mitarbeiter öffentlich sprechen. Gerade jetzt während der Corona-Krise fühlen sie sich von dem Unternehmen im Stich gelassen und was noch schwerer wiegt: nicht genügend vor dem Virus und seinen Gefahren geschützt. 

Corona: Lidl in den USA - Mitarbeiter vernachlässigt? „Vielleicht muss erst einer sterben“

Jeden Tag gehe sie zur Arbeit und setze ihr Leben aufs Spiel. Das erklärte Marian Meszaros, die bei der von Lidl geführten Supermarkt-Kette Best Market arbeitet, dem New Yorker Radiosender WNYC. Denn erst Wochen nachdem ein Kollege an Covid-19 erkrankt war, habe das Unternehmen die Angestellten informiert. „Ich habe das Gefühl, dass ich ihnen wirklich egal bin. Sie benutzen uns nur, damit sie ihr Geld mit uns machen können.“ 

Zwei Filialen seien erst geschlossen und gereinigt worden, nachdem dort mehrere Mitarbeiter am Coronavirus gestorben seien. Meszaros hegt deshalb eine schlimme Vermutung: „Vielleicht muss auch bei uns erst einer sterben“, sagt sie, „bis die Filiale mal gereinigt wird“.

Coronavirus in den USA: Discounter-Kette Lidl mit Anschuldigungen konfrontiert

Nicht nur an einer notwendigen hygienischen Reinigung der Filialen mangelt es der Mitarbeiterin zufolge. Die Einhaltung der Abstandsregeln werde vonseiten des Unternehmens genauso wenig sichergestellt. Zudem würden zu viele Kunden werden gleichzeitig in die Märkte gelassen, berichtet Meszaro. 

Auch nehme der Lidl-Ableger den vom Bundesstaat New York angeordneten bezahlten Krankheitsurlaub nicht ernst. Ihr seien fünf statt der gesetzlich festgesetzten 14 Tage genehmigt worden und auch das nur unbezahlt. Eine Kollegin berichtete, nach dem Todesfall einer Kollegin habe sie 14 Tage Urlaub erhalten, aber kein Geld für diese Zeit.

Lidl in den USA wegen Corona-Maßnahmen in der Kritik: Unternehmen weist Vorwürfe zurück

Laut dw.com weist Lidl diese Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen tue alles, um die Sicherheit seiner Mitarbeiter und Kunden zu gewährleisten. Von der angeblichen Verweigerung der zweiwöchigen bezahlten Quarantäne*-Zeit will Lidl nichts wissen. Auch um besorgte Anrufe von mehr als 2000 Mitarbeitern habe man sich gekümmert. Meszaro habe angesichts der 14-tägigen Inkubationszeit von Covid19 und neun Tagen seit dem letzten Kontakt zum Infizierten fünf Tage Urlaub erhalten - bezahlt.

Nach Angaben der Gewerkschaft United Food and Commercial Workers International Union (UFCW) sind beinahe drei Millionen US-Bürger im amerikanischen Lebensmittel-Einzelhandel tätig. Mehr als 100.000 Supermarkt-Angestellte seien mit Corona infiziert gewesen, 68 davon sind bereits gestorben. 

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

jbr

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Gretel Johnston

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