Änderungen im Verpackungsgesetz

Diese Änderung bei Aldi, Lidl & Co. könnte Ekel-Debatte auslösen

Zum Jahreswechsel stehen regelmäßig bundesweite Gesetzesänderungen an - so auch zum Januar 2022. Eine Neuerung betrifft Plastikverpackungen und Recycling – und ist umstritten.

Zwei große Themen beherrschen in den deutschen Medien nun schon seit Jahren die Schlagzeilen - zum einen die Coronapandemie mit ihren Regeln, Verordnungen und Auswirkungen, zum anderen der Klimaschutz. Fridays For Future hat erst kürzlich wieder einen weltweiten Klimastreik veranstaltet* und auch bei der Regierungsbildung der neuen Koalition im Bundestag spielen Umweltschutzmaßnahmen eine große Rolle. Kein Wunder also, dass immer mehr Regelungen im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit verändert und optimiert werden.

Wie echo24.de* jetzt berichtet, trifft die neue Regelung, die laut Bundesregierung 2022 in Kraft treten soll, die Pfandpflicht. Bereits seit vielen Jahren sind Glas- und Plastikflaschen sowie Dosen, die Getränke wie Wasser, Erfrischungsgetränke, Saftschorlen oder Bier beinhalten, mit einem kleinen Aufschlag belegt, der dem Verbraucher erstattet wird, sobald die Flasche oder Dose wieder im Markt zurückgegeben wird. Die zurückgebrachten Behältnisse werden dann recycelt und wieder zu neuen robusten Verpackungen gemacht. Doch die Regel war bis jetzt nicht ganz schlüssig.

Änderung im Verpackungsgesetz: Auf diese Produkte wird künftig Pfand erhoben - zwei Stufen geplant

Denn ob auf eine Verpackung Pfand entfiel oder nicht, das hing nicht vom Material der Flasche oder Dose ab, sondern vielmehr von deren Inhalt. Während eben Wasser-, Cola- oder Limoverpackungen mit einem Pfand belegt waren, fielen die Gebühren für Smoothies oder Apfelwein bisher nicht an. Das hat sich nun wohl bereits Mitte des Jahres 2021 geändert. Denn wie die Tagesschau schreibt, wird seit dem 3. Juli nun „auf deutlich mehr Getränkeverpackungen Pfand erhoben“. Für Kunden fällt damit auf Produkte dieser Art Pfand in Höhe von 25 Cent an - das soll Verbraucher dazu bringen, öfter auf Mehrwegflaschen aus Glas zurückzugreifen.

Konkret entfällt nun Pfand auf Säfte in Plastikflaschen, Gemüse-Shots, Smoothies in kleinen Plastikflaschen und Dosen mit Energydrinks sowie alkoholische Mischgetränke wie Smirnoff Ice oder prickelnde Sektvarianten. Doch die neue Pfandregelung war eigentlich erst für den ersten Januar 2022 geplant - die Bundesregierung spricht immer noch von einer Erweiterung der Pfandpflicht ab dem kommenden Jahr, während die echo24.de*-Redaktion mittlerweile darauf aufmerksam gemacht wurde, dass bereits Energydrink-Chargen mit Pfand im Umlauf sind. Inwieweit diese Regelung flächendeckend umgesetzt wurde, hat echo24.de* bei der Verbraucherzentrale angefragt. Eine Antwort steht noch aus.

Doch auch wenn ein Teil des neuen Verpackungsgesetzes wohl bereits umgesetzt ist - eine Erweiterung der Regelung soll in einem zweiten Schritt erst in zwei Jahren in Kraft treten. Ab 2024 soll es laut Bundesumweltministerium in deutschen Läden überhaupt keine Plastikflaschen mehr ohne Pfand geben. Außerdem kommt 2024 zusätzlich eine Neuerung im Pfandsystem, die bei Verbrauchern einen gewissen Ekel auslösen könnte.

Pfandsystem wird angepasst: Eine Änderung könnte Hygieneprobleme verursachen

Die Rede ist von Verpackungen für Milchprodukte. Etwa Sahnefläschchen oder Buttermilchverpackungen sollen in zwei Jahren mit einem Pfand belegt werden. 25 Cent entfallen dann auch auf alle Plastikverpackungen dieser Art. Doch Eckhard Heuser, der Hauptgeschäftsführer im Milchindustrie-Verband, ist skeptisch und äußerte gegenüber der Lebensmittel Zeitung Kritik an diesem Plan. „Plastikflaschen für Milch gehören in den gelben Sack und nicht in die Rücknahmeautomaten“, schimpfte Heuser.

Ab 2022 gibt es Änderungen im Pfandsystem. (Symbolfoto)

Doch während der Milchindustrie-Verbandschef mit seinen Einwänden vermutlich eher auf die Preise für Milchprodukte anspielt, die durch die Pfandregelung wohl massiv ansteigen würden, ohne dass die Milchbauern etwas von dem Geld sehen, könnten die gesammelten Pfandflaschen auch hygienische Probleme verursachen. Durch die Lagerung der unausgespülten Milchflaschen können sich laut infranken.de Keime, Schimmel und übler Gestank bilden, sobald die Produkte längere Zeit ungeöffnet und ungekühlt im Pfandbehälter lagern - das kann auch beim Recycling zu Problemen führen.

Pfandsystem wird bis 2024 schrittweise angepasst: Alle Änderungen im Überblick

Dennoch - der Prozess ist vermutlich nicht mehr aufzuhalten und so bleibt Verbrauchern wohl künftig nur, ihre leeren Milchflaschen auszuspülen, um den Ekelfaktor zu vermeiden. Es kann laut nordbayern.de sogar sein, dass die Kunden effektiv dazu aufgefordert werden, ihre leeren Flaschen vor der Pfandabgabe grob zu säubern. Doch diese mutmaßliche Auflage ist bisher nicht in der Novelle zum Verpackungsgesetz verankert. Welche Änderungen im Zusammenhang mit Plastikverpackungen in den nächsten Jahren konkret anstehen, ist hier zusammengefasst:

  • Ab 2022 / seit Juli 2021: Verpackungen von Frucht- und Gemüsesäften, Smoothies, alkoholischen Mischgetränken, Energydrinks, Cider und Apfelwein werden mit 25 Cent Pfand belegt.
  • Ab 2023: Caterer und Restaurants werden dazu verpflichtet, als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen auch Mehrwegbehälter anzubieten. Diese Änderung soll dann EU-weit gelten.
  • Ab 2024: Auf Verpackungen von Milchprodukten wird ebenfalls ein Pfand von 25 Cent erhoben.
  • Ab 2025: PET-Einweg-Getränkeflaschen müssen mindestens 25 Prozent Recycling-Plastik enthalten.

Generell legen die Bundesregierung und die EU gefühlt immer mehr Fokus auf den Klimaschutz. Das zeigt sich auch an der CO2-Steuer und den Auflagen für die Industrie. Deutsche Autobauer beispielsweise ziehen dabei auch aktiv mit. So hat unter anderem Audi-Chef Markus Duesmann bereits verkündet, ab 2026 keine neuen Verbrenner mehr auf den Markt* bringen zu wollen und auch Daimler hat angekündigt, den Fokus künftig auf Elektroautos* legen zu wollen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Lukas Schulze/dpa

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