Trauer nach Tod des Kindes

Wenn nichts mehr trägt: Was kann trauernden Eltern helfen?

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Wie Eltern um ihr totes Kind trauern, ist höchst individuell. Ein allgemeines Rezept gibt es nicht. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn

Es ist der absolute Ausnahmezustand: Das eigene Kind ist tot. Eltern sind in diesem Moment auf sich selbst zurückgeworfen, jeder Halt bricht weg. Ein Interview über die unterschiedlichen Wege, wie sie mit der Trauer umgehen können.

München (dpa/tmn) - Das Buch, das Silia Wiebe und Silke Baumgarten geschrieben haben, hätten sie sich selbst gewünscht. Beide haben Kinder in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens verloren.

In ihrem Buch haben sie mit Eltern gesprochen, deren Kind ebenfalls gestorben ist. Die Interviews zeichnen die individuellen Wege auf, mit der Trauer umzugehen. Ein Gespräch mit Autorin Silke Baumgarten darüber, was Eltern in dieser schweren Zeit brauchen und was Außenstehende für sie tun können.

Frage: Gab es in den Gesprächen mit den Eltern etwas, das immer wiederkehrend genannt wurde, weil es im Trauerprozess geholfen hat?

Antwort: Tatsächlich ist das, was den Eltern hilft, sehr unterschiedlich. Aber alle empfinden es als wohltuend, wenn über ihr verstorbenes Kind gesprochen wird. Einfach, dass sie erzählen können und ihnen geduldig zugehört wird. Aber auch, dass Freunde und Verwandte schildern, was sie mit dem Kind erlebt haben, wie sie es wahrgenommen haben, was sie besonders an ihm liebten - all das ist Trost für trauernde Eltern.

Frage: Gab es Dinge, die Sie beide überrascht haben bei der Recherche?

Antwort: Ja. Wir wussten zwar vorher: Trauer hat viele Gesichter. Aber uns hat dann doch überrascht, wie viele verschiedene Wege die Eltern gegangen sind, um mit der Trauer zu leben und um wieder ins Leben zurück zu finden. Da gibt es die Mutter, die sofort wieder arbeiten ging, weil sie eine feste Struktur brauchte und sagte: "Sonst wäre ich verrückt geworden." Da gibt es den Vater, der sich erstmal zurückgezogen hat, weil ihm der Trubel und die Geschäftigkeit absurd vorkamen.

Eine Mutter machte gleich nach dem Tod ihres Sohnes eine Clownausbildung, eine andere kämpfte jahrelang für eine Ampel an der Stelle, an der ihr Kind tödlich verunglückte. Durch all diese Schilderungen bin ich zu der Überzeugung gelangt: Es gibt wohl kein Gefühl, das individueller ist als Trauer. Und wer den Mut hat, sich nicht mit anderen zu vergleichen, sondern auf seine ganz eigene Art trauert, der findet den richtigen Weg. Wobei Trauer nie ganz verschwindet, auch das erzählen alle Eltern. Der Schmerz bleibt. Er verändert sich nur.

Frage: Wie können Angehörige und Freunde helfen?

Antwort: Weil Trauer so ein ausgesprochen individuelles Gefühl ist, gibt es keine Liste, die man abarbeiten kann. Aber was allen hilft, ist das, was ich vorhin schon angedeutet habe: zuhören, mitfühlen, da sein. Immer wieder. Selbstlos und geduldig. Das ist das Wichtigste. Und zwar nicht nur in den ersten Wochen. Sondern auch noch am ersten Todestag – und am besten noch an allen weiteren Todestagen.

Frage: Mit dem Partner gemeinsam trauern: Wie kann das funktionieren? Kann man sich überhaupt gegenseitig helfen, wenn das Kind stirbt?

Antwort: Die Trauer um ein Kind gemeinsam auszuhalten, ist schwer. Das zehrt an der Partnerschaft, einige Paare erzählen davon in unserem Buch. Manche hat dieser Schicksalsschlag auch auseinandergerissen. Ich habe aus den Gesprächen mitgenommen, dass in der Trauer um ein Kind all das gilt, was auch sonst für eine funktionierende Partnerschaften gilt. Nur braucht man von allem eine viel größere Portion. Um es mit einem schlichten Beispiel zu erklären: Der eine kann nur noch Mozart hören - der andere nur Musik von Queen aushalten. Da gibt es kein Richtig und kein Falsch, und keinen Kompromiss.

Das Einzige, was hilft, ist Respekt. Und notfalls der erforderliche Abstand, damit keiner von der Musik des anderen gestört wird – um in dem Bild zu bleiben. Und gleichzeitig sollten die Paare auch die Nähe zueinander suchen und reden, reden, reden. Auch über das, was man vielleicht kaum zu denken wagt. Bloß nicht schweigen. Sich nicht zurückziehen und denken: Das kann ich dem anderen nicht zumuten. Denn auch das Unausgesprochene wirkt.

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