Urteil

Eigentümer haftet nicht für herabfallende Walnüsse

+
Das Amtsgericht Frankfurt entschied kürzlich über einen Schadensersatzanspruch durch herabfallenden Walnüsse. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Grundstücksbesitzer haften für Schäden, die durch ihr Eigentum entstehen. Allerdings hat diese Verkehrssicherungspflicht auch Grenzen. Und zwar dann, wenn die Natur selbst eine Rolle spielt.

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Eigentümer haften nicht in jedem Fall für Schäden durch herabfallende Walnüsse von einem Baum auf ihrem Grundstück. Besitzer haben grundsätzlich eine Verkehrssicherungspflicht und müssen Vorkehrungen dafür treffen, dass niemand durch ihr Eigentum geschädigt wird.

Die Anforderungen dürfen aber nicht zu hoch sein, befand das Amtsgericht Frankfurt am Main (Az.: 32 C 365/17 (72)). Herabfallende Walnüsse von einem Baum seien ein natürliches Ereignis. Insofern müsse ein Eigentümer auch nicht für Schäden aufkommen, die durch einen sogenannten Fruchtfall entstehen.

In dem verhandelten Fall hatte die Klägerin ihr Auto auf einem Privatparkplatz abgestellt. Auf dem angrenzenden Grundstück stand ein Walnussbaum, dessen Äste 1,5 Meter auf die Parkflächen herüberragten. Der Beklagte hatte diesen Walnussbaum allerdings regelmäßig zurückgeschnitten. Die Klägerin behauptete nun, dass durch starke Winde mehrere mit Walnüssen behangene Äste von dem Baum auf das Fahrzeug gefallen seien. Dabei sei ein Sachschaden von etwa 3000 Euro entstanden, den der Nachbar ersetzen sollte.

Die Klage hatte keinen Erfolg. Das Amtsgericht Frankfurt entschied, dass im Herbst bei einem Walnussbaum mit dem Herabfallen von Nüssen gerechnet werden musste, denn dies ist eine natürliche Gegebenheit. Nach Auffassung des Gerichts hat es auch keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass der Baum krank gewesen ist. Wer unter einem Nussbaum parke, trage das allgemeine natürliche Lebensrisiko.

Um eine Gefährdung durch herabfallende Früchte gänzlich auszuschließen, bliebe in der Konsequenz nur die Möglichkeit, entsprechende Früchte tragende Bäume ganz zurückzuschneiden oder mit Fangnetzen zu umhüllen. Dies sei jedoch unzumutbar.

Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Mann erkundet Hinterhof des Hauses - und entdeckt mysteriöse Metallluke

Im Hinterhof seines neuen Grundstücks entdeckt ein Mann eine seltsame Metallluke. Neugierig geworden, forscht er nach - der Weg führt ihn fast fünf Meter tief in die …
Mann erkundet Hinterhof des Hauses - und entdeckt mysteriöse Metallluke

Was kommt alles in die Kochwäsche?

Immer wieder ist von Kochwäsche die Rede - doch was ist das eigentlich genau und woher stammt der Begriff? Wir klären auf, was in die Kochwäsche gehört.
Was kommt alles in die Kochwäsche?

Hausbewohner reißt Tapete ab - und findet dahinter eine 20 Jahre alte Botschaft

Wer ein neues Heim bezieht, ist oft überrascht, was von den vorherigen Bewohnern noch so zu finden ist. In einem Fall in London war es eine Nachricht von 1997.
Hausbewohner reißt Tapete ab - und findet dahinter eine 20 Jahre alte Botschaft

Altbauwohnung für 650 Euro kalt? - "Kannste vergessen"

München, Berlin, Hamburg: In deutschen Großstädten weht ein rauer Wind, was Mietpreise angeht. Doch wie dieser Zettel zeigt, stirbt die Hoffnung zuletzt.
Altbauwohnung für 650 Euro kalt? - "Kannste vergessen"

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.