Ein Stück Kulturgeschichte

Esskastanie ist Baum des Jahres 2018

+
Die Esskastanie ist der Baum des Jahres 2018. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Esskastanien, Maronen, Keschde - im Herbst lassen sich die braunen runden Früchte sammeln und zubereiten. Im nächsten Jahr kommt die Baumart in Deutschland zu besonderen Ehren.

Berlin (dpa) - Eher selten, aber lecker: Die Esskastanie mit ihren kugelig-braunen Früchten ist der Baum des Jahres 2018, wie die Stiftung Baum des Jahres in Berlin mitteilte.

Nach der Fichte wird damit eine Baumart ins Bewusstsein gerückt, die in Deutschlands Wäldern nicht überall ins Auge sticht. Esskastanien wachsen vor allem in Weinbaugebieten wie der Pfalz, bundesweit aber auch in vielen Parks und Gärten.

"Die Esskastanie hat eine recht junge Geschichte in unseren Breiten", sagte Deutschlands Baumkönigin Anne Köhler bei der traditionellen Pflanzung des Jahresbaums in Berlin. Sie gelte zwar nicht als heimische Baumart, gehöre aber zumindest in Südwestdeutschland längst in die Kulturlandschaft.

Esskastanien können rund 30 Meter hoch werden und mehrere Hundert Jahre alt werden. Die großen Höhlen alter Bäume sind auch bei Waldbewohnern beliebt - für die Wildkatze sind sie zum Beispiel bevorzugte Wurfplätze. Die reiche Blüte bietet im späten Frühjahr einer Vielzahl von Insekten Nahrung.

Bereits die alten Griechen pflanzten den Baum im Mittelmeerraum, in der Bronzezeit finden sich seine Spuren auch in Südfrankreich. Doch erst die Römer brachten die Esskastanie über die Alpen in germanische Gefilde - vor allem an Rhein, Nahe, Mosel und Saar. Anders als die bekanntere Rosskastanie, die zu den Seifenbaumgewächsen gehört, ist die Baumart eng mit Buchen und Eichen verwandt.

Esskastanien und ihr Holz waren früher wichtig für den Weinbau, zum Beispiel für Weinfässer. Noch bedeutsamer aber wurden die Früchte, die zu den Nüssen zählen, als Vorratsreserve. Besonders Maronen - das sind die Früchte speziell veredelter Bäume - waren mit ihrem hohen Gehalt an Stärke oft ein lebensrettendes Lebensmittel in Hungerwintern.

Außerhalb ihrer traditionellen Regionen sind geröstete Maronen heute in Deutschland als Spezialität auf Weihnachtsmärkten oder als Füllung für die Weihnachtsgans bekannt.

Eine echte Renaissance erlebten Esskastanien zuvor in den Küchen Frankreichs, Italiens und der Schweiz. Dort kommen sie geröstet, geschmort oder als Püree auf den Tisch, aber auch in Form von Marmelade, Eis, Pudding, Kuchenfüllungen oder Pasteten. Sie sind längst kein Arme-Leute-Essen mehr, sondern eine Spezialität.

Interessengemeinschaft Edelkastanie

Baum des Jahres

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Diese Küchenutensilien dürfen auf keinen Fall in die Mikrowelle

Darf ich mein Essen in die Mikrowelle stellen, wenn es in eine Alufolie verpackt ist? Diese und weitere Fragen werden in der Fotostrecke geklärt.
Diese Küchenutensilien dürfen auf keinen Fall in die Mikrowelle

Von diesen Putz-Tricks haben Sie noch nicht gehört

Es sammeln sich Krümel in der Tastatur und Spinnenweben auf dem Fliegengitter? In der Fotostrecke sehen Sie, wie Sie diese Schmutzquellen ganz leicht ausmerzen.
Von diesen Putz-Tricks haben Sie noch nicht gehört

Zehn Dinge unserer Mitbewohner, die wir heimlich wegwerfen

Jeder Mitbewohner hat diesen einen Gegenstand, der uns absolut ein Dorn im Auge ist - und den wir am liebsten heimlich entsorgen würden. Hier eine Top Ten.
Zehn Dinge unserer Mitbewohner, die wir heimlich wegwerfen

Mutter ist sauer, als ihr Amazon-Paket kommt - aus diesem Grund

Normalerweise ist die Freude groß, wenn das sehnlichst erwartete Paket endlich ankommt - nicht bei einer Mutter aus England: Sie wurde stinksauer.
Mutter ist sauer, als ihr Amazon-Paket kommt - aus diesem Grund

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.