Zwischen den Zeilen lesen

Im Grünen oder urban: Das steckt hinter Immobilien-Anzeigen

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Die Annonce verspricht dem Interessenten eine grüne Oase mit Seeblick - ein Traumobjekt. Nicht immer ist die Realität so schön wie sie in der Anzeige beschrieben wird. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Kurz und knackig bringen Annoncen die Vorteile von Häusern und Wohnungen zu Geltung. Schön klingende Umschreibungen lassen die Immobilien in bestem Licht erscheinen. Die Wahrheit steckt oft zwischen den Zeilen.

Berlin (dpa/tmn) – Nicht jedes Objekt hält, was die Immobilienanzeige verspricht. Im Grünen gelegen klingt nach Ruhe, Bäumen und Wiesen, kann aber auch heißen "am Ende der Welt". Die Floskeln sind realitätsnah übersetzbar. Eine Interpretationshilfe für Mieter, Käufer und Bauherren:

- VERKEHRSGÜNSTIG: Ein zweideutiger Begriff. Einerseits bedeutet er: "Ich komme gut weg, weil ich eine Straße vor der Tür habe oder eine Bushaltestelle", sagt Rudolf Koch, Experte für Wettbewerbsrecht beim Immobilienverband Deutschland (IVD). Die Lage an Haupt- oder Durchgangsstraße mag für die einen genau das sein, was sie suchen. Andere dürfte der damit verbundene Lärm eher abschrecken.

- LAGE MIT POTENZIAL: Neue Häuser, Straßen, Park, Gewerbebetriebe, Sport- und Freizeitanlagen – hinter Lage mit Potenzial steckt vieles. Fest steht: Die Lage bleibt meist nicht, wie sie ist. "Da wird sich was tun in Zukunft", erläutert Koch. Genaueres verrät der Blick in den Bebauungsplan. Die Entscheidung über Kauf und Einzug sollte erst anschließend fallen.

- URBANES LEBEN: Kneipen, Bars, Läden, kurze Wege, enge Bebauung, kaum Parkplätze. Wer pulsierendes, städtisches Umfeld mag, ist in dieser Gegend richtig. Für Ruhebedürftige ist sie der falsche Platz. Wo das Leben tobt, ist nun mal mit Lärm zu rechnen, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband privater Bauherren (VPB).

- LIEBHABEROBJEKT: Dahinter verbirgt sich oftmals eine Bruchbude, deren Sanierung viel Arbeit, Geld und Nerven kostet. Dieser Sachverhalt wird in Anzeigen gerne mal als Herausforderung für Handwerker oder als Stilaltbau mit Charme bezeichnet.

Bei der Besichtigung sollten Interessenten genau hinsehen. Denn das Gebäude muss nicht aus der Gründerzeit stammen, sondern kann durchaus in den 1950er Jahren errichtet worden sein – selbst dann, wenn Stuck die Fassade ziert. Der lasse sich nachträglich hinzufügen, erläutert IVD-Experte Koch. Einen Hinweis darauf liefert die Geschosshöhe.

- AUFWÄNDIG, LUXURIÖS SANIERT: "Das eine ist Normalzustand, das andere ist teuer, aber geschmacklich sehr grenzwertig", übersetzt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. In die gleiche Kategorie passt die als hochwertig gepriesene Ausstattung. Dies schönt im Zweifelsfall, dass Laminatboden einfach über Holz geklammert wurde und verklausuliert, dass dafür Abstand verlangt wird.

- MIT ALLEM, WAS DAS HERZ BEGEHRT: Diese Aussage kann zum Beispiel überteuerte Einbauküchen und andere Einbauten beschönigen, die weder zweckmäßig sind noch jedermanns Geschmack treffen, wie Reinhold-Postina erläutert. Sie müssen nicht nur übernommen werden, sondern meistens ebenfalls über Abstand bezahlt werden.

- AUSSERGEWÖHNLICHE ARCHITEKTUR, INDIVIDUELLER GRUNDRISS: Verschleiert, dass beim Planen vermutlich etwas schiefgelaufen ist. Schräge Wände und wenig Stellfläche bereiten beim Einrichten Probleme.

- STUDIO-ARCHITEKTUR, NEUINTERPRETATION, PURISTISCH: Studio beschreibt meist ein zum Saal ausgebautes Dachgeschoss. Hinter puristisch und Neuinterpretation steckt der gehäufte Einsatz der Baumaterialien Glas und Stahl. Das sorgt für kühle Wohnatmosphäre, im Sommer wird es dann richtig heiß.

- IM GRÜNEN: Diese Aussage kann auch bedeuten: Die Infrastruktur ist ausgedünnt, öffentlichen Nahverkehr gibt es kaum, Läden, Ärzte, Schulen sind rar. "Ich brauche ein zweites Auto, der Kindertransport ist aufwändig, alles dauert länger", zählt VPB-Fachfrau Reinhold-Postina die Haken auf. Außerdem sollte bedacht werden, ob und wie lange das Wohnen im Grünen alterstauglich ist.

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