Pflanzen helfen Pflanzen

Natürliche Mittel als Dünger und Medizin

Rainfarn hilft in einer Brühe gekocht gegen Kartoffelkäfer und Läuse. Foto: Andrea Warnecke
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Rainfarn hilft in einer Brühe gekocht gegen Kartoffelkäfer und Läuse. Foto: Andrea Warnecke

Pflanzen sind oft Bestandteil der Medizin für Menschen. Warum sollte das nicht auch Pflanzen selbst helfen? In der Tat: Ein Tee oder eine Jauche kann kränkelnde Blumen, schwächliche Stauden und verlauste Gehölze gesund werden lassen und das Beet insgesamt stärken.

Bonn (dpa/tmn) - Nicht nur wir Menschen können mit natürlichen Mitteln unsere Abwehrkräfte stärken. Das gilt auch für Pflanzen.

So werden sie zum Beispiel weniger anfällig gegenüber Mehltau, gefräßigen Raupen und Co. Viele natürliche Dünge- und Pflanzenstärkungsmittel lassen sich recht einfach selber zu Hause herstellen - man spricht von Tees, Brühen, Auszügen oder Jauchen.

Gut verträglich

Sie bieten mehrere Vorteile: Die natürlichen Pflanzenstärkungsmittel vertragen die Pflanzen gut. Und man kann sie sicher anwenden, erklärt Buchautor und Gärtnermeister René Wadas. Man kann diese Mittel nicht überdosieren. Außerdem gelten sie als absolut unbedenklich für den Erhalt der Artenvielfalt. Denn wie Wadas betont, geht es nicht darum, die Schädlinge komplett abzutöten, sondern gezielt einzudämmen.

Die Pflanzenmittel folgen einem einfachen Prinzip: Dafür genommen werden Pflanzen, die selbst in der Lage sind, sich gegen Angreifer wie Blattläuse, Milben, Pilze und Bakterien zu wehren. Sie haben dafür bestimmte Stoffe. Diese werden also aus den Pflanzen gewonnen, um sie anderen schwachen oder empfindlichen Pflanzen zu verabreichen.

Rainfarn, Brennnessel und Beinwell

Ein Beispiel dafür ist der Rainfarn, getrocknet hilft er als Bestandteil einer Brühe gegen Kartoffelkäfer und Läuse. Die Widerstandsfähigkeit gegenüber Blattläusen, Spinnmilben und Pilzerkrankungen lässt sich durch Jauchen aus Brennnessel und Beinwell erhöhen. Ein Tee oder eine Jauche aus Zwiebel beugt wiederum Pilzen, Bakterien und einem Befall durch die Möhrenfliege vor. Ebenfalls gegen Pilze, aber auch saugende Insekten hilft ein Kaltwasserauszug mit Schafgarbe.

Aber auch viele andere Stoffe haben ähnliche Wirkung: Wadas rät, gegen den Buchsbaumzünsler mit einem Pulverzerstäuber Algenkalk zu versprühen. Sogar Milch ist ein probates Sprühmittel, und zwar gegen Mehltau. Es wird verdünnt im Verhältnis 1:6 mit Wasser gemischt.

Mit Wasser vermengt

Die Anwendungsweisen sind zwar vielfältig, aber folgen einem Grundprinzip: Die Helfer-Pflanzen werden immer mit Wasser vermengt und ziehen eine bestimmte Zeit darin. Am aufwendigsten sind die Jauchen. Für sie benötigt man pro Liter Wasser, gerne sauberes Regenwasser, 100 Gramm frische klein geschnittene Pflanzen. Beides kommt in ein Gefäß aus Glas, Steingut, Holz oder Plastik mit Deckel. "Metall ist eher ungeeignet, weil es darin zu chemischen Reaktionen kommen kann", erklärt Marja Rottleb, Garten-Referentin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Die Mischung muss rund zwei Wochen an einem warmen Ort gären. Das kann man fördern, indem man zwischendurch umrührt. Vorsichtig: Die Jauche riecht streng und sollte nicht direkt an der Terrasse lagern. Wenn sich keine Blasen mehr bilden, ist die Jauche fertig. "Zum Gießen sollte die Jauche im Verhältnis 1:10 und zum Sprühen 1:50 mit Wasser verdünnt werden", empfiehlt Rottleb.

Gegossen dienen sie als Dünger oder Stärkung, gesprüht als Blattdünger und als Schädlingsmittel. Alternativ kann man eine Jauche auch nur zwei bis drei Tage ziehen lassen, führt der Nabu aus. Dann dient eine Mischung mit Wasser im Verhältnis 1:50 zur Schädlingsabwehr.

Direkt aufs Blatt

Tees und Brühen werden häufig zur Düngung direkt auf das Blatt gegeben, sie können laut Nabu auch auf Pilze oder Läuse abschreckend oder vorbeugend wirken. Sie ziehen kürzer als Jauchen, und es werden jeweils die gleiche Menge an Wasser und Pflanzen genutzt.

Für einen Tee werden die Bestandteile mit kochendem Wasser übergossen und ziehen darin 15 bis 20 Minuten lang. Abgekühlt kommt der Tee unverdünnt zum Einsatz. In einer Brühe werden die Pflanzenteile erst für 24 Stunden eingeweicht, dann für 15 bis 30 Minuten aufgekocht und anschließend gefiltert. Nach dem Abkühlen werden Brühen im Verhältnis 1:10 zur Abwehr und Vorbeugung und 1:20 als Blattdüngung mit Wasser gemischt und auf die Blätter gesprüht werden.

Manche Pflanzen lassen sich im Kaltwasserauszug nutzen, bei der die Pflanzenteile für 24 Stunden in kaltem Wasser einweichen. So bleiben die ätherischen Öle erhalten. Anschließend abseihen und 1:1 verdünnt oder unverdünnt zur Schädlingsabwehr und zur Bodenpflege nutzen.

Literatur:

René Wadas: Der Pflanzenarzt - Mein großes Praxisbuch für Garten und Balkon, Rowohlt Taschenbuch, 2019, 288 S., 12,00 Euro, ISBN: 978-3499634581.

Rezepte und Anleitungen des Naturschutzbundes (Nabu)

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