Binnen eines Monats

Ärzte ohne Grenzen: Tausende Rohingya getötet

+
Blick in das Rohingya-Flüchtlingslager Kutupalong in Bangladesch. Foto: Nick Kaiser

Es traf auch hunderte Kleinkinder: Die Helfer von Ärzte ohne Grenzen haben ermittelt, wie viele muslimische Rohingya binnen eines Monats in ihrer buddhistischen Heimat Myanmar umgebracht worden sind.

Cox's Bazar (dpa) - Mindestens 6700 Rohingya sind nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen innerhalb eines Monats in Myanmar umgebracht worden. Darunter waren mindestens 730 Kinder im Alter von weniger als fünf Jahren, wie die Organisation mitteilte. 

Die Zahlen beziehen sich demnach auf den Zeitraum vom 25. August bis zum 24. September dieses Jahres. Es handele sich um konservative Schätzungen auf Grundlage von Erhebungen in den Flüchtlingslagern in Bangladesch, hieß es. Die tatsächlichen Todeszahlen könnten sogar noch höher liegen.

Seit dem 25. August flohen nach UN-Angaben mehr als 640 000 Angehörige der muslimischen Minderheit aus Myanmars Bundesstaat Rakhine vor Gewalt durch Soldaten und Mobs in das Nachbarland.

Die Umfragen von Ärzte ohne Grenzen fanden den Angaben zufolge im November in 2434 Familien mit insgesamt mehr als 11 000 Mitgliedern in mehreren Flüchtlingslagern statt. Die Zahlen seien repräsentativ für rund 80 Prozent der seit Ende August in Bangladesch angekommenen Rohingya. Nicht berücksichtigt seien allerdings die Familien, die es nicht in das Nachbarland geschafft hätten. Den weiterhin dort ankommenden Flüchtlingen zufolge dauert die Gewalt in Rakhine noch immer an.

Insgesamt starben im fraglichen Zeitraum nach den vorsichtigen Hochrechnungen mindestens 9000 Rohingya in Myanmar, davon rund 72 Prozent durch Gewalt. Darunter war mit knapp 70 Prozent die häufigste Todesursache Erschießen. Fast neun Prozent der Toten, und knapp 15 Prozent derjenigen unter fünf Jahren, wurden den Angaben zufolge in ihren Häusern lebendig verbrannt. In 2,6 Prozent der Fälle führte sexuelle Gewalt zum Tod.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Gewalt bei rechter Demo gegen Migrationspakt in Brüssel

Brüssel (dpa) - Nach einer Demonstration rechter Gruppen gegen den UN-Migrationspakt ist die Polizei in Brüssel mit Tränengas und einem Wasserwerfer gegen Gewalttäter …
Gewalt bei rechter Demo gegen Migrationspakt in Brüssel

Cavusoglu dringt auf Auslieferung Gülens aus den USA

Istanbul (dpa) - Die türkische Regierung fordert von den USA konkrete Schritte zur Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen und anderer Mitglieder von dessen Bewegung.
Cavusoglu dringt auf Auslieferung Gülens aus den USA

Brexit skurril: Plant Theresa Mays Regierung nun eine Reisewarnung für EU-Länder?

Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien. Immer deutlicher wird, was für seltsame Blüten ein ungeordneter Brexit treiben könnte. Der News-Ticker.
Brexit skurril: Plant Theresa Mays Regierung nun eine Reisewarnung für EU-Länder?

Riesen-Zoff in Italien: Kirche soll zur Moschee werden - warum ein Gesetz der Rechten Mitschuld hat

Es ist ein riesiger Streit - und ein politisches Lehrstück. Die Muslime von Bergamo wollen eine Kirche kaufen. Auch, weil ihnen kaum andere Optionen bleiben.
Riesen-Zoff in Italien: Kirche soll zur Moschee werden - warum ein Gesetz der Rechten Mitschuld hat

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.