Er will mehr Autoparkplätze in Städten

Fahrräder „unpraktisch und gefährlich“: Politiker wird nach Rede veralbert - Reaktionen fallen deutlich aus

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Vorsicht für Fahrrädern: AfD-Politiker Dirk Spaniel hat die Zweiräder als größtes Übel im Straßenverkehr ausgemacht.

Fahrräder erobern die Städte und drängen Autos aus den Zentren. Das findet Dirk Spaniel skandalös. Zur Rede des AfD-Politikers gibt es teils schockierte Reaktionen.

  • Ein AfD-Politiker holt im Bundestag zur Schimpftirade gegen Fahrradfahrer aus und fordert wieder mehr Autos in den Innenstädten.
  • Dafür handelt sich Dirk Spaniel einen Shitstorm im Internet ein.
  • Auch mit großen Teilen seiner Partei hat er es sich verscherzt.

Berlin/München - In der Debatte um die Verursacher des Klimawandels finden sich Autofahrer auf der Anklagebank wieder. Wegen des umweltschädigenden CO2-Ausstoßes der Fahrzeuge müssen die Lenker um ihren natürlichen Lebensraum in den Innenstädten bangen. Parkplätze und Fahrspuren fallen zugunsten anderer Verkehrsteilnehmer weg, manche Straßen sind nur noch für den Nahverkehr freigegeben.

Dr. Dirk Spaniel will sich das nicht länger anschauen. Der 48-Jährige fungiert als verkehrspolitischer Sprecher der AfD im Bundestag und ist in dieser Funktion auch Verfechter der Automobilbranche. Der er in Berlin mit einem aufsehenerregenden Auftritt beisprang. Zugleich feuerte der gebürtige Marburger aber so sehr gegen die Radfahrer, dass er einen Shitstorm heraufbeschwor.

Politiker kritisiert Fahrradfahrer: „Hauptunfallverursacher im Straßenverkehr“

Auf seiner Homepage kritisiert Spaniel eine „verheerende Verkehrspolitik, wie sie seit über 20 Jahren von CDU/CSU, SPD und Grünen gestaltet wird“, nennt die Bundesregierung „Irrenhaus“. In Berlin nun ließ er seine Sicht der Dinge vom Stapel: „Radfahrer sind die Hauptunfallverursacher im Straßenverkehr.“ Das untermauerte Spaniel mit Zahlen, die er dem Statistischen Bundesamt entnommen haben will. So würden „etwa 5,5 mal so viele Unfälle mit Personenschaden“ von Radfahrern verursacht im Vergleich zu Autofahrern.

Deshalb stellte der ehemalige Daimler-Chrysler-Manager fest: „Wer sein Kind auf dem Fahrrad transportiert, setzt es einem 25 mal höheren Verletzungsrisiko aus als Eltern, die ihre Kinder im Auto transportieren.“ Was Spaniel dann dazu brachte, die Grünen ins Visier zu nehmen. Denn der in Stuttgart lebende Familienvater meinte: „Das Propagieren von Kindertransporten auf Fahrrädern in der Stadt ist objektiv betrachtet fahrlässiger Umgang mit der Gesundheit Schutzbedürftiger.“

Video: Parteispende oder persönliche Spende - AfD will keine Strafe

AfD-Politiker kritisiert Fahrradfahrer: „In hohem Maße unpraktisch und gefährlich“

Eine „heile Märchenwelt mit Fahrrädern“ sei Spaniel zufolge nur eine Mär. „Nüchtern betrachtet sind Fahrräder in hohem Maße unpraktisch und gefährlich“, ist der AfD-Politiker felsenfest überzeugt. Und einen kleinen Tipp zur Nutzung der Zweiräder hatte er dann auch noch parat: „Fahrräder erfüllen die sichere und komfortable Transportaufgabe bestenfalls bei schönem Wetter und in ebenem Gelände.“

Laut Spaniel, Ende der 80er Jahre noch Mitglied der Jungen Union, ist das Fahrrad vor allem das „Verkehrsmittel der städtischem Bohème“, allerdings „für große Teile der Bevölkerung keine Alternative zum Automobil“. Seine Schlussfolgerung: Die Regierung würde Stadt- und Landbevölkerung mit den „Gaga-Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs“ gegeneinander ausspielen.

AfD-Politiker kritisiert Fahrradfahrer: Forderung nach mehr Parkplätzen

Eine Forderung äußerte Spaniel natürlich auch noch: eine Ausweitung von Parkplätzen in den Städten. Denn wenn die Suche danach schneller abgeschlossen werden könnte, bestehe weniger Unfallgefahr.

Im Internet wurden die Ausführungen Spaniels regelrecht zerrissen. So nahm „Alex B.“ Bezug auf eine Redewendung des Politikers und schrieb bei Twitter: „Nüchtern kann ich diesen Quatsch gar nicht betrachten.“ „Simon L.-B.“ bemühte ein eingängiges Wortspiel: „Volksfahrräder!!“

Augenzwinkernd twitterte auch „Phobophilist“: „Übrigens sind auch Krankenhäuser und Altenheime gefährlich, denn dort sterben die meisten Leute.“ Und „Cécile L.“ merkte mit Verweis auf die Buschbrände in Australien sarkastisch an: „Als nächstes erzählt der Kerl, dass die Wälder in Australien brennen, weil es Sauerstoff gibt. Also ist Sauerstoff nüchtern betrachtet gefährlich?“

Politiker (AfD) kritisiert Fahrradfahrer - bereits bei SWR-Demo dabei

Spaniel schrieb zuletzt auch schon andere unliebsame Schlagzeilen. So trat Spaniel bei einer rechten Demonstration gegen den SWR in Baden-Baden im Zuge des von einem WDR-Kinderchor gesungenen Umweltsau-Lieds auf. Nach eigenen Angaben wollte der selbsternannte „Maschinenbauingenieur, Macher, Familienvater, Patriot“ mäßigend auf die Teilnehmer einwirken.

Es war offenbar nicht das einzige parteischädigende Verhalten Spaniels in den vergangenen Wochen. Weil der Co-Vorsitzende der AfD in Baden-Württemberg laut Zeit Online den völkisch-nationalen Flügel um Björn Höcke stärken will, soll ihm sogar der Parteiausschluss drohen. Das Portal verweist auf ein Dokument einer mit einem Gutachten beauftragten Essener Kanzlei, wonach auch eine Abmahnung oder einer Ämtersperre möglich sei. „Entsprechende Anträge haben Aussicht auf Erfolg“, soll es darin heißen.

Spaniel hat es sich also zuletzt nicht nur mit den Fahrradfahrern verscherzt. Die wegbrechenden Parkplätze scheinen da seine geringsten Sorgen zu sein.

Die „Deutsche Greta“ Luisa Neubauer wird von CSU-Politiker Peter Ramsauer heftig kritisiert. Nachdem der Plan für den Kohleausstieg steht, will RWE den Hambacher Forst zurück. Die Bewegung der schwedischen „Fridays for Future“-Aktivistin Greta feiert einen Mega-Erfolg. Einen Shitstorm muss im Januar auch Julia Klöckners Landwirtschaftsministerium einstecken. Am 31. Januar 2020 verlässt Großbritannien die EU. Der „Brexit“ kam bei Teilen der AfD gut an - jetzt hofft man auf den „Dexit“.

mg

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