Partei unzufrieden

Wenige Auftritte in Talkshows: AfD droht TV-Sendern mit Klage

+
Jörg Meuthen von der AfD.

Die AfD hat ein schwieriges Verhältnis zu den deutschen Medien. Darf die AfD zu selten in großen Talkshows auftreten? Diesen Vorwurf erhebt nun die Partei - und plant rechtliche Schritte.

Berlin - Die AfD fühlt sich in den Polit-Talkshows von ARD und ZDF nicht angemessen vertreten und erwägt deshalb eine Klage gegen die Fernsehsender. „Es ist schwer, mit Themen durchzudringen, wenn sie vor allem von den öffentlich-rechtlichen Medien nicht transportiert werden“, sagte der Parteivorsitzende Jörg Meuthen dem Focus. „Wir überlegen gerade, ob wir uns in die Talkshows einklagen. Rechtlich ist das möglich.“

Nach einer parteieigenen Auswertung seien unter den insgesamt 162 eingeladenen Politikern der vier großen Talkshows von Frank Plasberg, Maybritt Illner, Sandra Maischberger und Anne Will im ersten Halbjahr 2017 nur vier AfD-Vertreter gewesen, sagte Meuthen dem Magazin. Das seien gerade einmal 2,5 Prozent.

WDR: Es geht um „journalistische Kriterien“

Meuthens Kritik stößt bei den Sendern auf Unverständnis. „Die Talkredaktionen entscheiden selbst, welche Gäste sie zu welchen Themen einladen. Es gibt keine Quotierung bei der Auswahl“, sagte ARD-Chefredakteur Rainald Becker dem Focus. Auch WDR-Sprecherin Kristina Bausch betonte, es gehe rein um „journalistische Kriterien“.

Dass die AfD ihre eingedämmte Präsenz ausgerechnet jetzt moniert, mag auch daran liegen, dass die Partei in den Umfragewerten in den letzten Monaten einen Dämpfer erleiden musste. Lag die AfD Anfang des Jahres bei den Umfragen teilweise noch im zweistelligen Bereich, rutschte sie im Juni gefährlich nah an die Fünf-Prozent-Hürde. Mittlerweile hat sich die Partei wieder etwas erholt.

AfD-Politiker in Talkshows - diese Kombination hat in der Vergangenheit schon für ordentlich Gesprächsbedarf gesorgt. So provozierte zum Beispiel Björn Höcke im Herbst 2015 bei Günter Jauch, als er Talk-Gast zum Thema „Pöbeln, hetzen, drohen – wird der Hass gesellschaftsfähig?“ war. Damals sorgte er mit kruden Aussagen für Aufsehen. Für Wirbel sorgte auch der Auftritt von Beatrix von Storch bei Maybritt Illner - allerdings aus einem anderen Grund.

dpa/mes

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Neuer Bildungsbericht zeigt bundesweite Trends

Berlin (dpa) - Aktuelle Trends aus Kitas, Schulen und Hochschulen zeigt heute ein neuer Bildungsbericht. Den alle zwei Jahre erscheinenden Bericht hat eine …
Neuer Bildungsbericht zeigt bundesweite Trends

Trauerfall bei Maybrit Illner: Matthias Fornoff ersetzt Talkmasterin in ZDF-Sendung

Im ZDF-Talk „Maybrit Illner“ fehlt ausgerechnet die Gastgeberin. Der Grund ist ein trauriger.
Trauerfall bei Maybrit Illner: Matthias Fornoff ersetzt Talkmasterin in ZDF-Sendung

Türkei verweigert deutschem Wahlbeobachter die Einreise

Der Linken-Abgeordnete Hunko war schon beim Referendum in der Türkei Wahlbeobachter. Anschließend geriet er in die Kritik der Regierung. Nun wollte er für die OSZE …
Türkei verweigert deutschem Wahlbeobachter die Einreise

Visegrad-Staaten erteilen dem Asyl-Sondergipfel eine Abfuhr

Die mitteleuropäische Staatengruppe hält an ihren umstrittenen Positionen zur Migrations- und Asylfrage fest. Der Asyl-Sondergipfel in Brüssel interessiert sie nicht. …
Visegrad-Staaten erteilen dem Asyl-Sondergipfel eine Abfuhr

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.