“Wir wollen im Dialog bleiben“

AfD: Kirche soll Nazi-Anspielung zurücknehmen

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AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen bei der Pressekonferenz seiner Partei zum Umgang mit den Kirchen.

Die Kirchen haben sich in der Vergangenheit vor allen in der Flüchtlingsfrage gegen die AfD positioniert. Die Partei will zwar weiter das Gespräch mit Kirchenvertretern suchen, hat aber klare Forderungen.

München - „Wir wollen im Dialog bleiben“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes Christen in der AfD, Anette Schultner, am Montag in Berlin. AfD-Bundesvorstandsmitglied Paul Hampel forderte, die Kirchen sollten den Spruch „Unser Kreuz hat keine Haken“ zurücknehmen. Hampel hatte Parteimitglieder zum Austritt aus der Kirche aufgerufen. Grund: Beim Bundesparteitag der Rechtspopulisten beteiligten sich Kirchenteilnehmer unter eben diesem Motto an den Protesten gegen die AfD. Bundessprecher Jörg Meuthen hatte dies seinerzeit bereits als „vollkommen fehlgeleiteten klerikalen Klamauk“ bezeichnet

Das schwierige Verhältnis der Rechtspopulisten zur Kirche zeigte auch eine Diskussionsrunde auf dem Evangelischen Kirchentag: AfD-Frau Schultner hatte daran mit dem Berliner Bischof Markus Dröge teilgenommen. Dröge erklärte dabei mit Blick auf den Anti-Asyl-Kurs der AfD: „Ich kann mich als Christ nicht in einer Partei engagieren, die Ängste dramatisiert, Misstrauen sät und Ausgrenzung predigt.“ Schultner stellte dagegen die Argumentation der Kirchen in Bezug auf die Flüchtlingspolitik infrage. Sie sagte, Nächstenliebe habe etwas mit der persönlichen Begegnung zu tun. Es sei falsch, „Millionen von Menschen hier herzuholen“.

Nach Meinung von AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen entzieht sich die Kirche jeglicher Diskussion mit seiner Partei. „Die reden mit jedem auf der Welt, nur mit den bösen AfDlern reden die nicht“, schimpfte Meuthen bei einer eigens zu dem Thema angesetzen Pressekonferenz am Montag in Berlin. Offizielle Gesprächsanfragen seiner Partei an leitende Kirchenvertreter habe es aber auch nicht gegeben. 

Käßmann erwägt rechtliche Schritte gegen die AfD

Unterdessen erwägt die ehemalige hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann laut mehreren Medien rechtliche Schritte gegen die AfD. Käßmann hatte beim Kirchtag in Berlin die Forderung der AfD nach einer höheren Geburtenrate kritisiert und diese mit dem „kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten“ in Bezug gebracht: "Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern". Gegen die AfD gerichtet legte Kaßmann nach: „Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht.“ Über Twitter wurde Käßmann von der AfD ohne jeden Zusammenhang mit dem Arierparagrafen zitiert. Viele User hatten so den Eindruck, Käßmann habe alle Bürger mit deutscher Abstammung zu Neonazis erklärt. Die Theologin nannte die implizierte Unterstellung "lächerlich und absurd": "Dann gehörte ich ja selbst auch dazu." Und: "Die Erfahrung, dass etwas bewusst falsch dargestellt wird, mache ich aber zum ersten Mal".

Laut einer Umfrage bezweifeln 74 Prozent der Deutschen inzwischen, dass die AfD eine normale demokratische Partei ist. 

dpa/mb

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