Unterstützung für Höcke wächst

AfD sieht in Petrys Blauer Partei keine ernste Konkurrenz

+
AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland ist durch die neue Partei von Frauke Petry nicht beunruhigt. Foto: Michael Kappeler

Viele prominente Mitglieder kehren der AfD den Rücken - und kritisieren ihren rechten Kurs. Spitzenmann Gauland sieht für eine weitere Partei allerdings keine Marktlücke. Und wie geht es mit Rechtsaußen Höcke weiter?

Berlin (dpa) - Die AfD-Spitze betrachtet die neue Partei von Frauke Petry vorerst nicht als ernsthafte Konkurrenz. "Ich sehe im Moment keine Marktlücke für diese Partei", sagte der AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland der Deutschen Presse-Agentur.

"Das hat schon Bernd Lucke lernen müssen - zwischen CDU, FDP und uns ist kein Platz für eine weitere Partei", sagte Gauland weiter. Petrys Vorschlag, den inzwischen aus der AfD-Fraktion ausgetretenen Bundestagsabgeordneten Mario Mieruch als Bundestagsvizepräsident kandidieren zu lassen, nannte Gauland "töricht", er zeuge von "Größenwahn".

Petry hatte bei der Bundestagswahl am 24. September - damals noch als Chefin der AfD - in Sachsen ein Direktmandat geholt. Kurz nach der Wahl erklärte sie dann ihren Austritt aus der Partei, das Mandat behielt sie. Petry begründete den Austritt unter anderem mit einer "Radikalisierung" der AfD. Später kündigte sie die Gründung eines Bürgerforums und einer Partei mit dem Namen Die Blaue Partei an.

Die Farbe und der Slogan "frei und konservativ" erinnern an die rechtspopulistische österreichische Partei FPÖ. Petry hatte sich in ihrer Zeit als AfD-Vorsitzende mehrfach mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache getroffen. Allerdings waren auch Gauland und die zweite Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, im vergangenen Juni bei der FPÖ-Spitze in Wien zu Gast. "Für die FPÖ ist der Partner die AfD, nicht Frau Petry", sagte Gauland.

Mehrere prominente Mitglieder hatten der AfD in den vergangenen Wochen den Rücken gekehrt und das damit begründet, dass diese nach rechts drifte. Dessen ungeachtet mehren sich in der Partei Stimmen, das Parteiausschlussverfahren gegen den Rechtsausleger und Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke zu beenden. Der Bundesvorstand hatte das Verfahren mit Höckes Kritik am Holocaust-Gedenken in Deutschland und seiner Forderung nach einer "erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad" begründet.

"Die Partei schuldet ihm kein Ausschlussverfahren, sondern Anerkennung und Dank", weil er "ganz entscheidenden Anteil" am AfD-Erfolg bei der Bundestagswahl habe, sagte der baden-württembergische Landeschef Ralf Özkara dem "Spiegel". Auch sein Kollege aus Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, sagte: "Es wäre das Beste für alle Beteiligten, diese Zerreißprobe für die AfD dann zu beenden." Poggenburg ist ein Vertrauter Höckes.

Das Nachrichtenmagazin berichtete von Mitgliedern der Parteispitze, die befürchteten, dass Höcke für den Bundesvorstand kandidieren und gewählt werden könnte und dann viele gemäßigte Mitglieder austreten könnten. Diese Spitzenleute sollen einen Handel mit Höcke planen: bei einem Kandidaturverzicht eine Beendigung des Ausschlussverfahrens.

"Es ist für den Frieden in der AfD besser, wenn Höcke erst nach einer Ruhepause von zwei Jahren in die Parteispitze vordringen würde", zitierte das Magazin ein anonymes Vorstandsmitglied. Poggenburg, der auch im Vorstand sitzt, hält eine solche Absprache aber für überflüssig: "Das Verfahren gegen Höcke ist ohnehin aussichtslos", sagte er. "Höcke wäre für den Bundesvorstand ein enormer Gewinn."

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Spahn verspricht Beitragsentlastung in Milliardenhöhe

Der erste große Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Spahn hat es in sich: Die Beitragszahler sollen spürbar weniger zahlen müssen. Doch bei den Krankenkassen herrscht …
Spahn verspricht Beitragsentlastung in Milliardenhöhe

Asyl zu Unrecht gewährt: Korruptionsskandal beim BAMF

Unter welchen Umständen jemand Asyl in Deutschland bekommt, ist streng geregelt. Eine BAMF-Mitarbeiterin in Bremen nahm es mit diesen Regeln wohl nicht so genau. Gegen …
Asyl zu Unrecht gewährt: Korruptionsskandal beim BAMF

US-Demokraten verklagen Russland und Trumps Wahlteam

Wegen der mutmaßlichen russischen Einmischungen in den US-Wahlkampf 2016 haben die  Demokraten Klage gegen die russische Regierung sowie Wahlkampfmitarbeiter von Donald …
US-Demokraten verklagen Russland und Trumps Wahlteam

Seehofer verrät: Von diesem Politiker ist er mittlerweile schwer enttäuscht

Innenminister Horst Seehofer war einst begeistert von einem bestimmten Politiker, lobte seine Tatkraft und Entschlossenheit. Inzwischen stört ihn einfach „alles“ an ihm, …
Seehofer verrät: Von diesem Politiker ist er mittlerweile schwer enttäuscht

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.