Obelisk mit Bibel-Zitaten

AfD spricht von "entstellter Kunst" bei Kasseler Documenta

+
Dieses Kunstwerk erhitzt die Gemüter: Olu Oguibes „Das Fremdlinge und Flüchtlinge Monument“ auf dem Kasseler Königsplatz

„Entartete Kunst“ ist ein diffamierendes Schlagwort aus der NS-Zeit. Ausgerechnet von „entstellter Kunst“ spricht nun ein AfD-Politiker mit Blick auf die Kasseler Documenta.

Im Zusammenhang mit dem Ankauf eines Kunstwerks der diesjährigen Documenta durch die Stadt Kassel hat ein Stadtverordneter der AfD von "entstellter Kunst" gesprochen. Das berichtet hna.de* am Donnerstag. Das betreffende Kunstwerk des in Nigeria geborenen Künstlers Olu Oguibe ist ein Obelisk, der in vier Sprachen das Bibelzitat trägt: "Ich war ein Fremdling, und ihr habt mich beherbergt."

Während der noch bis zum 17. September dauernden Documenta steht der 16 Meter hohe Obelisk in Kassel auf dem zentralen Königsplatz. In der Stadt wird diskutiert, ob sie nach Ende der Documenta das Kunstwerk aufkaufen soll. Darüber beriet am Dienstag auch Kulturausschuss der Stadt. Von dessen 13 Mitgliedern sind zwei von der AfD.

Heikle Wortwahl: AfD-Politiker spricht von „entstellter Kunst“

Laut "HNA" bezeichnete dort der AfD-Stadtverordnete Thomas Materner den Obelisken als "ideologisch polarisierende, entstellte Kunst". Wenn die Stadt das Kunstwerk kaufe, werde die AfD dort "bei jedem von Flüchtlingen begangenen Anschlag" zu Demonstrationen aufrufen. Als "entartete Kunst" wurde in der NS-Zeit Kunst diffamiert und verboten, die nicht in das nationalsozialistische Welt- und Menschenbild passte.

Die Documenta in Kassel gilt als weltweit wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Mit Athen gab es in diesem Jahr eine Ausstellung erstmals auch in einer zweiten Stadt. Gleichzeitig gilt die aktuelle Documenta 14 als besonders politisch. Flüchtlinge sind eines ihrer zentralen Themen.

„Herausforderung“ für US-Hardliner

Die Stadt Kassel zeichnete Oguibe im Juni mit dem nach dem Documenta-Gründer benannten Arnold-Bode-Preis aus. Das Kunstwerk soll an die weltweit 60 Millionen Menschen erinnern, die sich auf der Flucht befinden. Oguibe, der inzwischen in den USA lebt, sagte, er habe insbesondere die dortigen evangelikalen Christen herausfordern wollen, die sich vehement gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wehrten.

Das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium steht im Zusammenhang von Äußerungen Jesu über Heiden. Als ein Teil seiner Anhänger antwortet, er habe doch nie Hilfe nötig gehabt, sagt Jesus: "Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es getan habt einem dieser meiner geringsten Brüder, habt ihr es mir getan." Und als andere meinen, sie hätten ihm doch immer geholfen, sagt Jesus: "Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es nicht getan habt einem dieser Geringsten, habt ihr es mir auch nicht getan."

Mehr über die diesjährige Documenta erfahren Sie bei hna.de.

AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Atempause im Asylstreit zwischen CDU und CSU

Kanzlerin Merkel hat zwei Wochen Zeit, um in der EU bilaterale Flüchtlingsabkommen zu schmieden. Klappt das nicht, will Seehofer Migranten an der Grenze zurückweisen. …
Atempause im Asylstreit zwischen CDU und CSU

Zwei Wochen Frist für Merkel - Eskaliert der Streit danach noch schlimmer?

Kanzlerin Merkel hat zwei Wochen Zeit, um in der EU ein Flüchtlingsabkommen zu schmieden. Klappt das nicht, will Seehofer Migranten an der Grenze zurückweisen. Wird es …
Zwei Wochen Frist für Merkel - Eskaliert der Streit danach noch schlimmer?

Israelischer Ex-Minister wegen Spionage für den Iran angeklagt

Der frühere israelische Energieminister Gonen Segev ist wegen mutmaßlicher Spionage für den Iran angeklagt worden.
Israelischer Ex-Minister wegen Spionage für den Iran angeklagt

Regierung nimmt neue Opfer rechter Gewalt in Statistik auf

Einem Bericht zufolge gab es in den ersten vier Monaten 2018 bereits 3714 Straftaten, die von Rechten begangen wurden. Seit der Wiedervereinigung 1990 wurden 83 …
Regierung nimmt neue Opfer rechter Gewalt in Statistik auf

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.