TV-Ansprache

Afghanischer Präsident fordert Friedensgespräche mit Taliban

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"Gäbe es den Krieg mit den Taliban nicht, wäre das Leben von Millionen Afghanen angenehm", sagte Ghani (M). Foto: Afghan Presidential Palace via AP

Wenn die USA mit den Taliban verhandeln, geht es auch um die Zukunft der afghanischen Regierung. Doch die ist bei den Gesprächen gar nicht dabei. Jetzt scheinen sich Washington und die Islamisten näher zu kommen. Präsident Ghani versucht, seinen Fuß in die Tür zu bekommen.

Kabul (dpa) - In einer landesweit übertragenen TV-Ansprache hat der afghanische Präsident Aschraf Ghani die radikalislamischen Taliban zu direkten Friedensgesprächen mit seiner Regierung aufgerufen. Zuvor hatten die Aufständischen in Gesprächen mit den USA anscheinend deutliche Annäherungen erzielt.

Bisher verhandeln die Taliban ausschließlich mit den USA, die sie als dominierende Schutzmacht der Ghani-Regierung ansehen. Die Taliban hätten zwei Möglichkeiten, sagte Ghani: Sie könnten entweder mit den Afghanen zusammenstehen oder das Werkzeug fremder Mächte und ihrer Ziele sein. "Gäbe es den Krieg mit den Taliban nicht, wäre das Leben von Millionen Afghanen angenehm", sagte Ghani. Kein Afghane könne akzeptieren, dass seine Kinder Kanonenfutter würden oder ans Ausland verloren gingen. Gleichzeitig wünsche sich kein Afghane eine länger andauernde Präsenz internationaler Truppen. Aktuell sei diese aber notwendig.

Am Samstag hatte die jüngste - mindestens fünfte - Gesprächsrunde seit Juli 2018 zwischen Vertretern der Taliban und der USA geendet. Darin ging es um einen Abzug der internationalen Truppen, einen Waffenstillstand und um die Frage, wie verhindert werden kann, dass das Land ein sicherer Hafen für Terroristen wird. Beide Seiten sprachen danach von Fortschritten.

Die Gespräche sollen zudem direkte Gespräche der Taliban mit Kabul in die Wege leiten. Allerdings konnte der US-Delegationsleiter, Zalmay Khalilzad, den Taliban bisher nicht das Zugeständnis abringen, sich mit Kabul an den Verhandlungstisch zu setzen.

Allerdings hätten die USA und die Taliban sich im Grundsatz auf den Rahmen eines Friedensabkommens geeinigt, sagte Khalilzad der "New York Times". Darin würden die Aufständischen garantieren, dass Afghanistan nicht von international agierenden Terrorgruppen benutzt werde. Das könnte dazu führen, dass die US-Truppen vollständig abgezogen würden und im Gegenzug die Taliban einem Waffenstillstand und Direktgesprächen mit Kabul zustimmten.

Der Rahmenentwurf müsse nun konkretisiert werden, um zu einem Abkommen werden zu können, zitiert die "New York Times" Khalilzad weiter. Der Sondergesandte hatte am Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt, die Verhandlungen würden "demnächst" fortgesetzt.

Von den direkten Gesprächen USA-Taliban fühlte sich Kabul zeitweise vor den Kopf gestoßen und ausgeschlossen. Im Dezember twitterte der nationale Sicherheitsberater, Hamdullah Mohib, dass nur die Bevölkerung Afghanistans und ihre gewählten Führer Entscheidungen über die Zukunft des Landes treffen könnten. Mohib warnte auch vor einer schnellen Übereinkunft, die "unsere Opfer ignorieren".

Auf die Kampfhandlungen haben die Gespräche keine Auswirkungen. Die Taliban greifen weiter täglich Kontrollposten oder Militärstützpunkte der Regierung an und töten dabei Dutzende Sicherheitskräfte.

Spezialkräfte der Regierung befreiten in der südöstlichen Provinz Gasni in der Nacht zu Montag 38 Menschen aus einem Gefängnis der Taliban. Bei dem Einsatz seien mindestens neun Taliban getötet und neun weitere verhaftet worden, erklärte die Provinzregierung. Unter den Befreiten hätten sich hochrangige afghanische Offiziere befunden. Ein mit Sprengstoff beladener Wagen, ein Taliban-Lazarett sowie vier Motorräder seien zerstört worden.

New York Times-Bericht

Twitter-Account des US-Sondergesandten Khalilzad

Tweet des nationalen Sicherheitsberaters Hamdullah Mohib

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