„Ein ernstes Problem unserer Gesellschaft“

Al-Kuds-Kundgebung: Giffey appelliert im Kampf gegen Antisemitismus an Zivilgesellschaft

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Demonstrationen zum Al-Kuds-Tag.

In Berlin demonstrieren Tausende für "Für einen gerechten Frieden in Palästina". Bei den Demonstrationen kommt es immer wieder zu antisemitischen Äußerungen. 

Update vom 1. Juni 2019, 11.23 Uhr:

Mehrere hundert Menschen haben sich am Samstag in Berlin zu der jährlichen anti-israelischen Al-Kuds-Demonstration versammelt. Einige Teilnehmer riefen vor deren Start im Stadtteil Charlottenburg „Kindermörder Israel“. Demonstranten trugen Palästina- und auch Deutschland-Fahnen. Wenige Meter weiter hatte sich eine Gegendemonstration aufgebaut. Deren Teilnehmer riefen Slogans wie „Lang lebe Israel“ sowie „Free Gaza from Hamas“ (Befreit Gaza von der Hamas). An einer weiteren Gegendemonstration wollte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) teilnehmen.

Zu den Gegendemonstrationen hatte ein breites Bündnis aus Parteien, Gruppen und Initiativen aufgerufen. Angemeldet waren nach Angaben der Polizei zwei Demos mit jeweils 400 Teilnehmern. Zum Al-Kuds-Marsch von unter anderem radikal-islamischen Gruppen wurden rund 2000 Teilnehmer erwartet. Die Polizei war mit 500 Kräften vertreten, um die beiden Lager auseinander zu halten.

Am Al-Kuds-Tag, der am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan liegt, ruft der Iran jedes Jahr zur Eroberung Jerusalems auf. Hintergrund ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem.

Erstmledung: Al-Kuds-Kundgebung: Giffey appelliert im Kampf gegen Antisemitismus an Zivilgesellschaft

Berlin - Vor der Al-Kuds-Kundgebung am Samstag in Berlin hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) mehr zivilgesellschaftliches Engagement gegen Antisemitismus in Deutschland gefordert. "Für Antisemitismus, Ausgrenzung und Hetze gegen Jüdinnen und Juden darf es keinen Platz geben", sagte sie dem Berliner "Tagesspiegel" vom Samstag.

Antisemitismus ist „ein ernstes Problem unserer Gesellschaft“

"Wir alle müssen antisemitischer Diskriminierung entgegentreten, laut werden gegen Antisemitismus und Jüdinnen und Juden zeigen: Wir sind da für euch, wir unterstützen euch", forderte die frühere Bezirksbürgermeisterin von Neukölln. Vorfälle der vergangenen Wochen, Monate und Jahre hätten gezeigt, dass Antisemitismus "ein ernstes Problem unserer Gesellschaft ist, das wir nicht akzeptieren dürfen".

Der Kampf gegen Antisemitismus ließe sich nur gewinnen, wenn Zivilgesellschaft vor Ort gestärkt werde, fügte die Ministerin hinzu. "Nur wenn wir uns gemeinsam und auf allen Ebenen - in der Familie, vor Ort im Kiez, in Politik, Kultur und Wirtschaft - immer wieder gegen Antisemitismus in allen seinen Erscheinungsformen einsetzen, werden wir ihm dauerhaft Einhalt gebieten können."

Antisemitismusbeauftragter ruft zu Teilnahme an Gegendemonstrationen auf

Zuvor hatte Berlins Antisemitismusbeauftragter Lorenz Korgel dazu aufgerufen, am Samstagnachmittag an Gegendemonstrationen gegen den Al-Kuds-Marsch in der Hauptstadt teilzunehmen. Antisemitische Botschaften und Hass auf Israel seien in den vergangenen Jahren immer wieder Bestandteil des Marsches gewesen.

Offiziell findet die Kundgebung unter dem Motto "Für einen gerechten Frieden in Palästina" statt. Nach Polizeiangaben rechnen die Veranstalter mit 2000 Teilnehmern. Ein breites Bündnis unter anderem aus Gewerkschaften und der Jüdischen Gemeinde Berlin rief zu einer Gegenkundkundgebung auf und erwartet etwa 400 Teilnehmer. Am Al-Kuds-Marsch nahmen im vergangenen Jahr mehr als tausend Menschen teil.

Iranischer Revolutionsführer Ayatollah Khomeini rief Al-Kuds-Tag ins Leben

Der internationale Al-Kuds-Tag war Ende der 1970er Jahre vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ins Leben gerufen worden, um gegen die israelische Besatzung der Palästinensergebiete zu protestieren. Al Kuds ist der arabische Begriff für die Stadt Jerusalem.

Der Präsident des Zentralrates der Juden rät davon ab, sich in Großstädten öffentlich mit einer Kippa zu zeigen - wenn auch mit gemischten Gefühlen.

In Berlin wurde ein 21-Jähriger von einem Unbekannten ins Gesicht geschlagen, weil er sich auf Hebräisch unterhielt.

AFP

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