Wahl

Albaniens Bevölkerung stimmt über neues Parlament ab

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Bürger wählen in Albanien ein neues Parlament.

Albanien gehört zu den ärmsten Staaten Europas. Seit 2014 ist das Land offizieller EU-Beitrittskandidat. Die beiden größten Parteien wollen das Land nun in die Union führen.

Tirana - Albanien wählt heute ein neues Parlament. In den Umfragen lag die Sozialistische Partei von Ministerpräsident Edi Rama knapp vor der konservativen Demokratischen Partei von Lulzim Basha. Beide Parteien wollen ihr Land in die Europäische Union führen. Nachdem vorangegangene Wahlen in Albanien immer wieder von Gewalt und Betrugsvorwürfen überschattet waren, bestand diesmal die Hoffnung auf einen friedlichen Verlauf.

Albanien gehört zu den ärmsten Staaten Europas. Das durchschnittliche Monatseinkommen liegt bei nur 340 Euro. Viele junge Albaner gehen angesichts von Arbeits- und Perspektivlosigkeit ins Ausland. Mittlerweile leben dort 1,2 Millionen Albaner. 2,9 Millionen Einwohner blieben in Albanien. Ein Drittel der Jugend im erwerbsfähigen Alter ist arbeitslos.

Tirana ist seit 2014 offizieller EU-Beitrittskandidat und hofft auf den Beginn von Beitrittsverhandlungen Ende dieses Jahres. Mitglied der Nato-Militärallianz ist Albanien bereits seit 2009. In ihrem jüngsten Bericht zu Albanien kritisierte die EU das weiterhin langsame und ineffektive Justizsystem sowie weitverbreitete Korruption. Auch der Drogenhandel in dem südosteuropäischen Land ist ein Problem.

Der 52-jährige Rama strebt eine zweite Amtszeit an. Er versprach Maßnahmen für das Wirtschaftswachstum und die Umsetzung der von Brüssel geforderten Reformen im Justizwesen. Die Opposition wirft Rama unter anderem vor, der Ausweitung des Drogenkonsums in Albanien keinen Einhalt zu gebieten.

Der 43-jährige Basha und seine Demokratische Partei boykottierten die Parlamentsarbeit in Albanien seit Ende Februar. Erst vergangene Woche rückten sie unter westlichem Druck von ihrem Aufruf zum Wahlboykott ab.

Basha machte sich für sein Projekt einer "Neuen Republik" stark, das unter anderem Steuersenkungen sowie Förderprogramme und Stipendien für Jugendliche vorsieht. Die häufig verarmten Bauern sollen Subventionen erhalten, um sie davon abzuhalten, Drogenpflanzen anzubauen.

Analysten schließen eine Koalition der beiden großen Parteien nach der Wahl nicht aus. Beherrschendes Thema des Wahlkampfs war die schlechte Wirtschaftslage.

Die 140 Abgeordneten werden für die Dauer von vier Jahren gewählt. 3000 Wahlbeobachter sind im Einsatz, darunter mehr als 300 Ausländer. Die Schließung der Wahllokale ist für 18.00 Uhr vorgesehen, erste Ergebnisse werden in der Nacht zum Montag erwartet.

afp

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