Angriff auf Gläubige

Mindestens 25 Tote bei Geiselnahme in Sikh-Tempel in Kabul

Trauer um die Opfer: Familienangehörige der Getöteten brechen in Tränen aus. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
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Trauer um die Opfer: Familienangehörige der Getöteten brechen in Tränen aus. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
Wand mit zahlreichen Einschusslöchern: Ein afghanischer Sicherheitsmann inspiziert den Innenraum des Tempels. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
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Wand mit zahlreichen Einschusslöchern: Ein afghanischer Sicherheitsmann inspiziert den Innenraum des Tempels. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
Ärzte kümmern sich in einem Krankenhaus um einen Verletzten, der bei einem Schusswechsel verwundet wurde. Foto: Tamana Sarwary/AP/dpa
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Ärzte kümmern sich in einem Krankenhaus um einen Verletzten, der bei einem Schusswechsel verwundet wurde. Foto: Tamana Sarwary/AP/dpa
Gleich mehrere Krankenwagen warten in der Nähe des Sikh-Tempels. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
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Gleich mehrere Krankenwagen warten in der Nähe des Sikh-Tempels. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
Die afghanische Polizei am Ort des Geschehens: ""Bislang haben wir keine Nachrichten aus dem Inneren.". Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
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Die afghanische Polizei am Ort des Geschehens: ""Bislang haben wir keine Nachrichten aus dem Inneren.". Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
Auch britische Soldaten mit Streitkräften der NATO-geführten Mission "Resolute Support" treffen am Tatort ein. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
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Auch britische Soldaten mit Streitkräften der NATO-geführten Mission "Resolute Support" treffen am Tatort ein. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
In der Nähe des Anschlagsortes: Frauen mit Kindern suchen das Weite. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
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In der Nähe des Anschlagsortes: Frauen mit Kindern suchen das Weite. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa

Anhänger der religiösen Minderheit des Sikhismus gehen frühmorgens in ihren Tempel im Herzen der afghanischen Hauptstadt Kabul. Plötzlich stürmt ein Angreifer den Gebetsort und nimmt Geiseln.

Kabul (dpa) - Im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul hat ein Angreifer am Mittwoch einen Tempel der Sikh-Religion gestürmt und dabei mindestens 25 Menschen getötet.

Zudem seien mindestens acht Menschen verletzt worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums weiter. Der Angreifer sei nach mehrstündigen Gefechten von Spezialkräften getötet worden. Zunächst waren die Behörden von mehreren Tätern ausgegangen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag über sein Sprachrohr Amak für sich.

Nach Angaben der Behörden nahm der Angreifer am Morgen in dem Tempel mehrere Dutzend Menschen als Geiseln. Etwa 80 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, seien von den Sicherheitskräften befreit worden. Ein Vertreter der Sikh- und Hindugemeinschaft im afghanischen Parlament hatte zuvor von etwa 150 bis 200 Geiseln gesprochen.

Ein Augenzeuge berichtete der Deutschen Presse-Agentur, wie ein uniformierter Angreifer in das Gebäude vordrang und zunächst einen Wachmann tötete, bevor er Granaten zündete. "Im Augenblick des Angriffs haben etwa 25 Kinder im Tempel grade ihre religiösen Studien verfolgt. Ich habe versucht, den Angreifer zu verfolgen. Aber mein Bruder hat mich gezwungen, in einen anderen Raum zu gehen. Wir haben den Raum dann abgeschlossen", sagte der Mann, der bei dem Angriff nach eigenen Angaben vier Familienmitglieder verlor.

Die militant-islamistischen Taliban hatten bereits am Morgen dementiert, für den Angriff verantwortlich zu sein, wie Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid auf Twitter mitteilte.

Hochrangige Beamte machten das Hakkani-Netzwerk für den Angriff verantwortlich, wie es aus Regierungskreisen hieß. Die Sicherheitskräfte hätten vor wenigen Tagen Hinweise aus den Nachrichtendiensten bekommen, dass die militant-islamitische Gruppe Anschläge auf indische Ziele plane.

Der Chef des Hakkani-Netzwerkes, Siradschuddin Hakkani, hatte sich zuletzt für eine politische Lösung des Konflikts in Afghanistan und ein Ende des Tötens ausgesprochen. Er ist zugleich Vizechef der Taliban. Das Hakkani-Netzwerk ist verantwortlich für einige der grausamsten Anschläge in Afghanistan.

Das indische Außenministerium verurteilte die Tat scharf. "Solche feigen Angriffe auf die religiösen Gebetsorte der Minderheitengemeinde, insbesondere in dieser Zeit der Covid-19-Pandemie, spiegeln die teuflische Denkweise der Täter und ihrer Hintermänner wider", hieß es in einer Pressemitteilung.

Im Jahr 2018 kamen bei einem Selbstmordanschlag auf die Sikh-Gemeinschaft durch die Terrormiliz Islamischer Staat in der östlichen Provinz Nangarhar mindestens 19 Menschen ums Leben. Viele Anhänger des aus Indien stammenden Sikh-Religion verließen daraufhin das Land. Heute leben nach Angaben von Politikern nur noch etwa 1000 Sikhs in Afghanistan.

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