Schießerei am Tempelberg

Attentat in Jerusalem: Zwei Polizisten sterben

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Einsatzkräfte nahe der Moschee.

In der Altstadt von Jerusalem haben am Freitag drei Angreifer auf israelische Polizisten geschossen. Zwei Beamte starben.

Jerusalem - Nahe des Tempelbergs in Jerusalem hat es am Freitagmorgen eine Schießerei gegeben. Wie haaretz.com berichtet, hatten drei Angreifer am Löwentor - einem der Zugänge zur Altstadt Jerusalems - das Feuer auf eine Gruppe Polizisten eröffnet.

Bei dem Angriff sind zwei Polizisten getötet worden, mehrere wurden verletzt. Laut haaretz.com trug eine Person leichte Verletzungen davon, zwei weitere Opfer sollen sich in kritischem Zustand befinden. Die Angreifer flüchteten nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP zunächst in Richtung der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg, sie sollen im Feuergefecht mit der Polizei dann zu Tode gekommen sein. Laut Medienberichten wurden bei den Angreifern israelische Ausweise gefunden. Einer der Männer stamme demnach aus einem arabischen Dorf im Norden des Landes.

Der Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem ist Juden wie Muslimen heilig. Ein eingeschränkter Zugang für Muslime hatte bereits in der Vergangenheit zu Spannungen und Gewalt geführt. Viele Palästinenser verdächtigen Israel, es wolle den Status quo verändern - damit ist gemeint, wer den Hügel besuchen und dort beten darf. Auch Abbas habe das im Gespräch mit Netanjahu erneut angesprochen, hie11ß es. Netanjahu habe aber klar gestellt, dass Israel dies nicht beabsichtige.

Für die Juden ist die religiöse Stätte in Jerusalems Altstadt ebenfalls von höchster Bedeutung. Dort sollen zwei jüdische Tempel gestanden haben. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels. Er wurde in der Zeit des Königs Herodes (73 bis 4 vor Christus) erbaut und von den Römern im Jahr 70 zerstört.

Das Tempelberg-Plateau mit den beiden Moscheen untersteht heute der islamischen Wakf-Stiftung. Nur Muslimen ist es erlaubt, dort zu beten. Rechte jüdische Organisationen wollen dieses Recht auch für Juden durchsetzen. Muslime empfinden den Besuch von Juden auf dem Tempelberg als Provokation. Jordanien sei mit Israel in Gesprächen, die Schließung des Tempelberges aufzuheben, schrieben israelische Medien.

Drei Attentäter hatten die Sicherheitskräfte am Freitagmorgen beschossen und mit einem Messer attackiert. Die Männer waren israelischen Medienberichten zufolge von innerhalb des Tempelbezirks gekommen und eröffneten das Feuer, als sie an einem der Tore den Polizisten begegneten. Insgesamt waren dabei drei Menschen verletzt worden. Die Angreifer seien in Richtung der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg geflohen. Polizisten töteten die drei Angreifer, wie Rosenfeld bestätigte.

Laut Medienberichten wurden bei den Angreifern israelische Ausweise gefunden. Einer der Männer stamme demnach aus einem arabischen Dorf im Norden des Landes. Terrorangriffe von in Israel lebenden Palästinensern, die die israelische Staatsbürgerschaft besitzen, sind eher selten. Aufnahmen im Internet zeigten schwer bewaffnete Sicherheitskräfte auf dem Gelände.

Seit Beginn einer Gewaltwelle vor knapp zwei Jahren sind bei ähnlichen Attacken rund 300 Palästinenser getötet worden. Die meisten kamen bei ihren eigenen Anschlägen ums Leben und stammten aus dem israelisch besetzten Westjordanland. Mehr als 40 Israelis ebenfalls überwiegend im Westjordanland wurden in dem Zeitraum getötet.

Als Auslöser der Gewaltwelle galt ein Streit um Nutzungs- und Besuchsrechte auf dem Tempelbergs. Inzwischen hat die Gewalt aber eine Eigendynamik entwickelt. Das UN-Nothilfebüro Ocha schrieb Ende Mai in einem Bericht zu 50 Jahren israelischer Besatzung: „Die andauernde Besatzung, deren Ende nicht absehbar ist, fördert ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Frustration, das den Konflikt weiter antreibt.“ Ein der extremistischen Palästinenserorganisation Hamas nahestehender Fernsehsender nannte den Angriff vom Freitag einen „heroischen Akt“, wie die „Jerusalem Post“ berichtete.

afp/dpa/mes

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