Linke befürchtet „Gewöhnungseffekt“

Angriffe auf Flüchtlinge gehen zurück - bleiben aber auf hohem Niveau

Im Vergleich zu 2016 haben Übergriffe auf Asylbewerber in diesem Jahr deutlich angenommen. Dennoch werden täglich in Deutschland Flüchtlinge bedroht, warnt die Linke.

Im ersten Halbjahr 2017 hat es 642 Übergriffe auf Asylbewerber außerhalb von Flüchtlingsunterkünften gegeben. 123 Personen wurden verletzt. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach wurden im ersten Quartal 318 solcher Vorfälle registriert, im zweiten Quartal 324. Darunter sind viele Beleidigungen und verbale Attacken, aber auch Körperverletzungen.

Insgesamt ging die Zahl gegenüber dem ersten Halbjahr 2016 damit deutlich zurück. Damals wurden mehr als 1500 Übergriffe auf Asylbewerber außerhalb von Unterkünften registriert.

„Immer noch unerträgliches Niveau“

Die Linke-Innenexpertin Ulla Jelpke beklagte jedoch, auch wenn die rassistische Angriffswelle aus den Jahren 2015/2016 abgeebbt sei, scheine sie sich jetzt „auf einem immer noch unerträglichen Niveau“ einzupendeln. „Immer noch werden Flüchtlinge täglich von Nazis und Rassisten bedroht“, beklagte sie. Das bleibe eine Herausforderung.

Auch die Zahl der Übergriffe auf Asylunterkünfte ging zurück. Das Bundeskriminalamt hatte dazu bereits Ende Juni vorläufige Halbjahrszahlen vorgelegt. Inzwischen gab es ein paar Nachmeldungen. Laut aktueller Aufstellung wurden in den ersten sechs Monaten 153 solcher Übergriffe erfasst. Im ersten Halbjahr 2016 waren es 706 gewesen. 

Jelpke mahnte, es gebe keinen Grund zur Entwarnung. „Dass es weniger Angriffe auf Unterkünfte gibt, darf einen nicht beruhigen.“ Für die Betroffenen sei der Zustand unzumutbar, ebenso für die Gesellschaft. „Meine Sorge ist der Gewöhnungseffekt gegenüber dieser alltäglichen Bedrohung und Gewalt durch Nazis.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Letzte Umfragen vor der Bundestagswahl: Union und SPD verlieren

Das sagen die letzten Umfragen vor der Bundestagswahl 2017: Union und SPD verlieren, die AfD legt weiter zu.
Letzte Umfragen vor der Bundestagswahl: Union und SPD verlieren

USA schicken Bomber über Gewässer östlich von Nordkorea

Washington - Im Konflikt um das nordkoreanische Atomwaffen-Programm haben die USA am Samstag mehrere B-1B-Bomber aus Guam und Kampfjets in den internationalen Luftraum …
USA schicken Bomber über Gewässer östlich von Nordkorea

Konflikt um Katalonien spitzt sich zu: Streit um Polizei

Am 1. Oktober wollen die Separatisten in Katalonien über die Abspaltung von Spanien abstimmen. Das „verbindliche Referendum“, das von der Justiz untersagt wurde, will …
Konflikt um Katalonien spitzt sich zu: Streit um Polizei

Nach Mays Brexit-Rede: Weltweite Kritik nimmt zu

Die Kritik an der Brexit-Rede von Theresa May nimmt zu. Besonders bitter für die Premierministerin: Nach ihrem Auftritt stufte eine US-Ratingagentur die Kreditwürdigkeit …
Nach Mays Brexit-Rede: Weltweite Kritik nimmt zu

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.