Polittalk am Sonntag

„Anne Will“: Erdogan eine Gefahr für Deutschland?

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Talk bei Anne Will am Sonntag.

Berlin - Immer wieder Erdogan: Bei „Anne Will“ drehte sich die Diskussion erneut um den türkischen Präsidenten und dessen Angriffe auf Deutschland. Sichtbar wurden dabei zwei eklatante Talkshow-Probleme.

Türkei, Türkei, Türkei, Saarland. So las sich die Themenliste der vergangenen „Anne Will“-Sendungen. Am Sonntag wurde ein Eintrag ergänzt: Abermals Türkei. Was noch vor einigen Wochen US-Präsident Donald Trump war, ist nun dessen türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan: das bevorzugte Polittalk-Thema im deutschen Fernsehen.

Diesmal erörterte Anne Will mit Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD), dem Kabarettisten Serdar Somuncu, Junge-Union-Chef Paul Ziemiak (CDU), Seyran Ates (Rechtsanwältin und angehende Imamin) und dem Journalisten Rahmi Turan die Frage, ob der türkische Präsident mit seinen Angriffen in Richtung Bundesrepublik den inneren Frieden hierzulande gefährdet.

Wie groß ist der Einfluss Erdogans auf Deutschland?

Die Diskussion krankte an zwei bekannten Talkshow-Problemen: Sie lieferte wenig Kontroverses, weil sich fast alle Debattanten im Grunde einig waren, und die Diskussionsteilnehmer adressierten Ratschläge an jemanden, der nicht mitredete.

„Begreift Erdogan Deutschland mittlerweile als Teil der Türkei?“, fragte Will zu Beginn der Sendung. Eine Anspielung auf die jüngsten Bespitzelungsvorwürfe, mit der sich Erdogan konfrontiert sieht. Der türkische Geheimdienst MIT soll Erdogan-Kritiker in Deutschland abgehört und Amtshilfe vom BND erbeten haben. Auch abgehört worden sein soll die Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering (SPD).

Somuncu: „Schieben sich den schwarzen Peter zu“

Der CDU-Politiker Ziemiak forderte von der Bundesregierung klare Kante gegen Erdogan („Dürfen das nicht zulassen“). Pistorius pflichtete bei („Hätte mir klareres Zeichen gewünscht“). der Sozialdemokrat forderte eine klarere Position von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) - CDU-Mann Ziemiak von Außenminister Gabriel (SPD). „Jetzt schieben sie sich hier den Schwarzen Peter gegenseitig zu“, kommentierte Kabarettist Somuncu. „Es geht doch hier nicht um Parteipolitik.“

Ging es aber doch. Ziemiak und Pistorius stritten über den Koalitionsvertrag zwischen SPD und Union - vor allem über die doppelte Staatsbürgerschaft. „Ich kann doch ein Staatsangehörigkeitsprinzip nicht einfach ändern, nur weil sich die Politik in einem Land gerade ändert“, sagte Pistorius. „Können wir von den Leuten in der zweiten und dritten Generation nicht erwarten, sich zu entscheiden?“, fragte Ziemiak.

Fast alle Teilnehmer einig: Erdogan ist eine Gefahr

Einigkeit herrschte über die potenzielle Gefahr, die von der Erdogan-Regierung ausgehen kann - auch in Deutschland. „Der Fall Müntefering zeigt, wie absurd die Politik mittlerweile in der Türkei ist“, sagte Ziemiak. Pistorius machte deutlich, dass die Politik in Deutschland lebende Türken vor Restriktionen Erdogans schützen müsse. Die Abhöraktion bezeichnete der SPD-Politiker als „Provokation“. Somuncu („große Gefahr“) und Ates, die von Drohungen gegen ihre Person aus dem Erdogan-Lager berichtete, schlossen sich dem Konsens in weiten Teilen an.

Nur ein Diskussionsteilnehmer schoss quer: der türkischstämmige Journalist Turan. Er bezeichnete die Gülen-Bewegung als „bewaffnete terroristische Organisation“ und bezichtigte deren Kopf Fethullah Gülen, den Putschversuch im Juli 2016 angezettelt zu haben. „Wenn der BND-Chef behauptet, die Gülen-Bewegung steckt nicht hinter dem Putsch, dann ist er entweder falsch im Amt oder er lügt“, sagte er. Turan verteidigte auch die Abhöraktion des Geheimdiensts.

Trotz seines kontroversen Auftritts antwortete der mit deutschem Pass ausgestattete Journalist auf die Frage nach seinem Staatsoberhaupt: „Meine Kanzlerin heißt Angela Merkel“. Und der Präsident? „Steinmeier.“

dpa/Markus Ehrlich

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