Mehrere Verletzte

Terrorverdacht nach Explosion in Lyon

+
Nach der Explosion in Lyon mit mehreren Verletzten übernahmen Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Foto: Sebastien Erome/AP

Ein sonniger Freitagabend in Lyon - und plötzlich gibt es einen Knall. Bei einer Explosion mitten in der Innenstadt werden mehrere Menschen verletzt. Was steckt dahinter? Die Ermittler gehen einem schlimmen Verdacht nach.

Lyon/Paris (dpa) - Nach einer Explosion mit mehreren Verletzten in der Innenstadt von Lyon ermitteln Anti-Terror-Spezialisten. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in der französischen Hauptstadt.

Die Explosion hatte sich am frühen Abend im Zentrum der Stadt im Südosten des Landes ereignet. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner wies die Präfekten im ganzen Land an, die Sicherheitsmaßnahmen an Orten zu verstärken, an denen sich viele Menschen aufhalten. Das seien etwa Sport- oder Kulturveranstaltungen.

Mindestens acht Menschen wurden nach Angaben der Präfektur bei der Explosion verletzt. Der Sender BFMTV berichtete von mindestens 13 Verletzten - darunter sei auch ein Kind. Die Polizei bestätigte diese Angaben auf Nachfrage nicht und sprach von Leichtverletzten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte die Explosion einen "Angriff". Es sei zum jetzigen Zeitpunkt nichts über Todesopfer bekannt, sagte er in einem Interview des YouTubers Hugo Travers kurz nach dem Vorfall. Seine Gedanken seien bei den Angehörigen.

Die Explosion ereignete sich nahe einer Bäckerei in der Straße Victor Hugo an einer Kreuzung in einer Fußgängerzone. Der Sender Franceinfo berichtete unter Berufung auf das französische Innenministerium, dass dort auf dem Boden ein Beutel oder Koffer, der einen Sprengsatz mit Schrauben enthalten haben soll, explodiert sei. Der Pariser Anti-Terror-Staatsanwalt Rémy Heitz wollte am Abend nach Lyon fahren.

Die Polizei fahndete am Abend nach einem Mann, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Medienberichten zufolge soll er mit einem Fahrrad geflohen sein und den Sprengsatz zuvor an der Bäckerei deponiert haben.

Passend zum Thema: Wegen eines Terrorverdachts ist es in einem Flüchtlingsheim in Oberhaching (Lkr. München) mitten in der Nacht zu einem SEK-Einsatz gekommen.

Die Explosion trifft Frankreich kurz vor der Europawahl. Premierminister Édouard Philippe sagte seine Teilnahme an einer Abschluss-Wahlkampfveranstaltung ab, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichte. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen sprach von einem "terroristischen Anschlag".

Die Hintergründe der Tat waren jedoch zunächst unklar. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle erschüttert, dabei wurden rund 250 Menschen getötet. Erst im Dezember hatte der mutmaßliche Islamist Chérif Chekatt in der Straßburger Innenstadt das Feuer eröffnet - es starben letztlich fünf Menschen, zudem wurden zahlreiche verletzt.

Die örtliche Präfektur dementierte am Abend Gerüchte, wonach es weitere Explosionen gegeben haben soll. Zwei Metrostationen in der Innenstadt wurden geschlossen, der Bereich rund um den Tatort abgesperrt. Die Präfektur rief Anwohner auf, sich fernzuhalten und keine Gerüchte zu verbreiten. Man dürfe nun die Bevölkerung nicht aufschrecken, sagte David Kimelfeld, Präsident der Metropolregion Lyon, dem Sender BFMTV.

Augenzeugen der Explosion in Lyon berichteten nach Angaben von Franceinfo von einem lauten Knall. Verängstigte Menschen seien über die Straße gelaufen. Die Polizei war demnach schnell an Ort und Stelle und sperrte den Tatort ab.

Einige der Menschen seien an den Beinen leicht verletzt worden, erzählte ein Apotheker, dessen Geschäft gegenüber der Bäckerei liegt, zu BMFTV. Die Verletzungen stammten seinen Angaben nach von kleinen Kugeln und Schrauben. Nach der Explosion habe es keine Panik gegeben, sagte Bezirksbürgermeister Denis Broliquier. Es gebe keine Gefahr für die Bewohner des Viertels.

Lyon liegt im Südosten Frankreichs, es ist die Hauptstadt des Département Rhône und der Region Auvergne-Rhône-Alpes und mit mehr als 515.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Frankreichs nach Paris und Marseille. Im Sommer 2015 wollte ein Islamist in einem Industriegas-Werk eine Explosion herbeiführen, wurde aber überwältigt. Er hatte zuvor seinen Chef enthauptet.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

„In der letzten suizidalen Phase“: Merz und AKK zerpflücken SPD zum Parteitag

Mit Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hat die SPD jetzt eine Parteispitze aus dem linken Flügel gewählt. Kevin Kühnert wurde zum Vize gewählt. Dann folgte der …
„In der letzten suizidalen Phase“: Merz und AKK zerpflücken SPD zum Parteitag

SPD-Bundesparteitag: Spannung vor neuen Gesprächen mit Union

Die SPD will aus dem Schatten der Vergangenheit heraus. Geschlossen rückt sie von Hartz IV ab. Doch der sozialdemokratische Außenminister muss um einen Wiedereinzug in …
SPD-Bundesparteitag: Spannung vor neuen Gesprächen mit Union

USA und Iran tauschen zwei Gefangene aus

Washington und Teheran sind in erbitterte Auseinandersetzungen verwickelt. Die USA setzen dem Iran seit langem mit harten Sanktionen zu. Inmitten der politischen Kämpfe …
USA und Iran tauschen zwei Gefangene aus

Weiter Streiks und Proteste in Frankreich

Frankreich kommt nicht zur Ruhe: Auch am Wochenende machen zahlreiche Menschen ihren Ärger über die Politik der Regierung Luft. Besonders der öffentliche Verkehr ist …
Weiter Streiks und Proteste in Frankreich

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.