Haftanstalt Silivri

Anwalt: Deniz Yücel in der Türkei nicht mehr in Einzelhaft

+
Bisher war Yücel jeder Kontakt zu Mitgefangenen unmöglich. Foto: Karlheinz Schindler

Für Deniz Yücel war es eine schwierige Zeit. Viele Monate war er im türkischen Hochsicherheitsgefängnis völlig isoliert. Zumindest das ist nun vorbei.

Istanbul (dpa) - Der in der Türkei inhaftierte "Welt"-Journalist Deniz Yücel ist nicht mehr in Einzelhaft.

Der deutsche Reporter sitze zwar immer noch in einer Einzelzelle, habe aber inzwischen Zugang zu einem Gefängnishof, den er sich mit einem ebenfalls inhaftierten türkischen Journalisten teile, sagte Yücels Anwalt Veysel Ok der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend.

Zunächst hatte Yücels Arbeitgeber, die Tageszeitung "Die Welt", darüber berichtet. Bisher war dem 44-Jährigen jeder Kontakt zu Mitgefangenen unmöglich. Der Zugang der Zellen zu dem gemeinsamen Innenhof sei nun tagsüber geöffnet, schrieb die "Welt" auf ihrer Internetseite. Zu anderen Mitgefangenen habe er aber offenbar weiterhin keinen Kontakt.

Yücel sitzt seit dem 27. Februar in der Haftanstalt Silivri westlich von Istanbul in Untersuchungshaft. Die Türkei wirft ihm Terrorpropaganda und Volksverhetzung vor. Sie hält die Untersuchungshaft für gerechtfertigt. Das geht aus einer türkischen Stellungnahme beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Maßnahmen gegen den Journalisten seien "notwendig und angemessen", heißt es darin.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zeigte sich erfreut über die Hafterleichterung für Yücel. "Welch' eine großartige Nachricht! Endlich bewegt sich was!", sagte Maas der "Welt". "Wir werden weiter alles dafür tun, dass er wieder nach Hause kommt. Schritt für Schritt, wir werden nicht nachlassen in unseren Bemühungen."

Die türkische Regierung hatte den EGMR aufgefordert, die Beschwerde Yücels gegen seine Untersuchungshaft abzulehnen. Yücel habe im März Beschwerde beim türkischen Verfassungsgericht eingereicht und müsse den nationalen Rechtsweg zunächst ausschöpfen, hieß es unter anderem zur Begründung. Dass das Verfassungsgericht noch keine Entscheidung getroffen habe, sei angesichts des Ausnahmezustands in der Türkei und der hohen Belastung der Gerichte "äußerst vertretbar".

Die Türkei hatte die Stellungnahme vergangenen Dienstag, kurz vor Ablauf der vom Gericht gesetzten Frist, in Straßburg eingereicht. Eine Anklageschrift für ihn liegt noch nicht vor. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Journalisten mehrfach als "Spion" bezeichnet. In der Stellungnahme der türkischen Regierung kommt der Vorwurf der Spionage jedoch nicht vor.

Die türkische Regierung ist der Ansicht, dass die Ermittlungen gegen Yücel nichts mit seiner Tätigkeit als Journalist zu tun haben, wie aus der Stellungnahme deutlich wurde. Vielmehr bestehe der dringende Verdacht, dass Yücel in Einklang mit den Zielen von Terrororganisationen gehandelt und "Propaganda zugunsten der Terrororganisation verbreitet und Handlungen ausgeführt habe, um einen Konflikt zwischen türkischen und kurdischen Gesellschaftsgruppen anzuzetteln".

Mit Terrororganisationen sind die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die Gülen-Bewegung gemeint. Die Türkei macht letztere für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

Welt-Artikel

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Brexit-Chaos: Misstrauensabstimmung ausgezählt - bitteres Ergebnis für May 

Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien: Theresa May musste sich einem Misstrauensvotum stellen. Das Ergebnis liegt nun vor. Live-Ticker.
Brexit-Chaos: Misstrauensabstimmung ausgezählt - bitteres Ergebnis für May 

Anschlag in Straßburg: Cherif C. erhielt offenbar kurz vor der Tat Anruf aus Deutschland

In Straßburg gab es am Dienstagabend Schüsse bei einem Weihnachtsmarkt. Mehrere Menschen starben, es gibt zahlreiche Verletzte. Der Täter ist weiter auf der Flucht, …
Anschlag in Straßburg: Cherif C. erhielt offenbar kurz vor der Tat Anruf aus Deutschland

Trumps Ex-Anwalt Cohen muss ins Gefängnis

Jahrelang vertraute US-Präsident Trump seinem Anwalt Cohen. Der beichtete eine ganze Latte an Straftaten, und Trump sieht dabei gar nicht gut aus. Nun muss Cohen hinter …
Trumps Ex-Anwalt Cohen muss ins Gefängnis

Straßburger Angreifer rief laut Zeugen "Allahu Akbar"

Gerade im Dezember ist Straßburg mit seinen Weihnachtsmärkten ein Ziel für Touristen. Jetzt erschüttert ein Anschlag die Idylle. Der Terrorist konnte fliehen - nach …
Straßburger Angreifer rief laut Zeugen "Allahu Akbar"

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.