Umgang mit dem Klimawandel

Tagesthemen-Kommentar: Satz über Flugreisen sorgt für aufgebrachte Reaktionen

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Die rbb-Journalistin Kristin Joachim bei ihrem „Tagesthemen“-Kommentar.

Der Umgang mit dem Klimawandel wird emotional diskutiert - und neuerdings auch die Fortbewegungsart des Fliegens. Ein „Tagesthemen“-Kommentar mit klarer Forderung erhitzt erneut die Gemüter.

Update vom 30. Juli 2019: Erneut sorgt ein Kommentar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen für Debatten - wenn auch aus ganz anderen Gründen. Eine ARD-Journalistin hat im „Mittagsmagazin“ eine Lanze für ihren SUV gebrochen.

Erstmeldung: Tagesthemen-Kommentar zum Thema Fliegen erzürnt Politiker

München - Ausgerechnet der Flug in den Urlaub hat sich zu einer wahren Gretchen-Frage unserer Tage gemausert: Vor dem Klimawandel wird allerorten gewarnt - wie ernst es die Deutschen mit ihren Klimaschutz-Bestrebungen aber tatsächlich meinen, das wird dieser Tage bevorzugt an ihrem Reiseverhalten abgelesen. So sorgte etwa eine Umfrage für Aufsehen, der zufolge ausgerechnet die Grünen-Wähler am häufigsten in den Flieger steigen.

Dass das Thema ein hochemotionales und eines mit politischer Zugkraft ist, hat sich nun auch an den Reaktionen auf einen „Tagesthemen“-Kommentar gezeigt. Bereits am Donnerstag hatte die rbb-Journalistin Kristin Joachim in ihrem Beitrag höhere Preise für Flugtickets gefordert - sei es per Luftverkehrsabgabe oder Kerosin-Steuer. Mehrere Politiker meldeten sich mit einem harschen Kontra zu Wort - und auch in den sozialen Netzwerken wird Joachims Wunsch heftig diskutiert. Vor allem an Joachims These, mit Freiwilligkeit sei ein Flugverzicht nicht zu bewerkstelligen entzündete sich die Debatte.

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In den „Tagesthemen“: Kommentatorin glaubt nicht an „Greta-Effekt“ - und forderte teurere Flugtickets

„‘Der Mensch will gezwungen werden...‘ diese Aussage auf einem öffentlich rechtlichen Sender muss man erstmal sacken lassen...“, twitterte die Generalsekretärin der brandenburgischen FDP, Jacqueline Krüger, aus dem Wahlkampf

Der CDU-Politiker Sebastian Steineke regte sich über dieselbe Passage auf. Und attackierte Kommentatorin Joachim auf der moralischen Ebene. „Viel mehr Kälte in einem Kommentar geht kaum noch“, wetterte er. Zusätzlich versucht er, die Medien in den Fokus der Klimaschützer zu bringen. „Datendienste verursachen mehr CO2 Emissionen als der Flugverkehr. Wann kommt der Aufruf, Netflix oder YouTube abzuschalten?“, lautete seine rhetorische Frage.

Flugpreise Thema in den Tagesthemen: „Fliegen ist kein Grundrecht“

Joachim hatte als Beispiel für ihre These eine Dienstreise genannt: Ein Zugticket von Berlin nach Köln koste sie 90 Euro, ein Flug nur 27 Euro, erklärte sie. „Man könnte ja meinen, bei dem Zuspruch, den die Grünen gerade haben, müssten die Deutschen Klimaschutz so wichtig finden, dass sie auch weniger fliegen würden“, sagte die rbb-Journalistin. Das Gegenteil sei aber der Fall - einen „Greta-Effekt“ gebe es nicht.

Video: Sollte das Fliegen teurer werden?

„Der Mensch funktioniert eben nicht über Freiwilligkeit. Er will gezwungen werden“, lautete ihre Folgerung. „Oder sagen wir so: Er braucht in diesem Fall einen finanziellen Anreiz.“ Joachim räumte zwar ein, dass der von ihr geforderte Preisaufschlag, Menschen mit weniger Geld eine Flugreise unmöglich machen könnte. Fliegen sei aber kein Grundrecht. Zugleich hätten 90 Prozent der Menschheit „noch nie Flugzeug von innen gesehen“ - und just diese Menschen seien es, die unter dem Klimawandel am meisten litten. Tatsächlich hatte zuletzt auch das Wort „Klimaflüchtlinge“ Hochkonjunktur.

Unter dem von der Tagesschau geposteten Twitter-Video zum Beitrag entwickelte sich binnen kurzer Zeit eine hitzige Debatte - so attestierte ein Nutzer dem Kommentar einen „autoritativen und antidemokratischen Geist“, eine weitere Userin griff gar zu den Worten „diktatorisch-faschistoide Arroganz“. Auch Zustimmung gab es aber für Joachims Wortmeldung: Arme Menschen hätten bereits jetzt nicht das nötige Geld, um einen Flug zu bezahlen, hieß es etwa. „Vollkommen richtig. Der Preis für Flüge muss deren Auswirkungen angepasst sein“, erklärte ein anderer Nutzer. Immerhin 365 Mal wurde der Clip retweetet.

Klimawandel und Flugreisen: Auch FDP-Chef Lindner wettert gegen mögliche Preiserhöhungen

Als populäre Position hat im Übrigen auch FDP-Chef Christian Lindner die Opposition gegen höhere Flugkosten erkannt. „Ich halte gar nichts von diesen Weltuntergangsszenarien, ich halte auch gar nichts davon, den Menschen Verzicht und Askese zu predigen. Niemand auf der Welt würde uns folgen auf dem Weg“, erklärte er am Sonntag im „Sommerinterview“ mit der ARD.

Die CSU hingegen hat wenige Tage nach dem Streit um den Tagesthemen-Kommentar erste Eckpunkte für ein Klimakonzept vorgestellt - enthalten sind darin auch Maßnahmen, um Inlands-Flüge zu verteuern.

In den ARD-Tagesthemen hatte ein Kommentator vor ein paar Monaten allerdings auch harsche Kritik an der Bahn geübt. Eine gänzlich unpolitische, aber viel diskutierte Panne lieferte Mitte Juli Anchorwoman Caren Miosga. Bei „Hart aber fair“ hatte sich die Runde Tage zuvor beim Thema Klima auf die Grünen in Person von Katharina Schulze eingeschossen. Angesichts einer „Klimakrise“ forderten die Grünen kurz nach dem Streit um den Tagesthemen-Kommentar auch Maßnahmen zum Schutz von Arbeitnehmern und älteren Menschen bei großer Hitze. Zum Abschied einer „Tagesschau“-Ausgabe zückte Sprecher Jan Hofer sein Handy, um ein Selfie zu schießen - die Erklärung dieser kuriosen Aktion folgte im Internet.

fn

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