Xi wirbt für Freihandel

Atomtest überschattet Brics-Gipfel in China

Die Schwellenländer der Brics-Gruppe streben eine neue Weltordnung an. Am Rande ihres Gipfels geht es erstmal um Nordkoreas Atomtest. Gastgeber Xi Jinping mühte sich, für offene Märkte zu werben.

Xiamen - Der neue nordkoreanische Atomtest hat den Gipfel der Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika in der südchinesischen Hafenstadt Xiamen überschattet. Bei einer Rede auf einem Brics-Wirtschaftsforum erwähnte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping den nur Stunden zuvor erfolgten Atomversuch allerdings nicht, sondern warb für offene Märkte. Er sprach sich gegen Protektionismus und für mehr Kooperation der Brics-Staaten aus.

Der sechste und bisher größte Atomtest Nordkoreas dürfte den Erwartungen nach in seinen Gesprächen mit Russlands Wladimir Putin am Sonntagabend zur Sprache gekommen sein. Xi Jinping sprach sich bei der Begrüßung für „gemeinsame Bemühungen zur Förderung von Frieden und Entwicklung aus“, wie die Nachrichtenagentur Xinhua zitierte.

An dem Gipfel, der seine gemeinsamen Beratungen am Montag beginnt, nehmen auch Indiens Ministerpräsident Narendra Modi sowie die Präsidenten Brasiliens und Südafrikas, Michel Temer und Jacob Zuma, teil. Zu den Themen gehören eine engere Zusammenarbeit, Anstrengungen zur Ankurbelung der Wirtschaft und der Freihandel. Die Gruppe trägt zu einem Viertel zur globalen Wirtschaftsleistung bei und repräsentiert 42 Prozent der Weltbevölkerung.

Montag ist Haupttag der Beratungen

„Wir sind in einer großen Ära der Entwicklung, der Transformation und der Anpassung“, sagte Xi Jinping in seiner 50-minütigen Rede. „Nur Offenheit liefert Fortschritt.“ Und nur Gerechtigkeit bewahre diesen Fortschritt, sagte der Präsident, der sich gerne als Vorkämpfer gegen Protektionismus darstellt, obwohl China selbst wegen wachsender Markthindernisse immer wieder in der Kritik steht.

Xi Jinping klagte, dass sich die Weltwirtschaft nach der Weltfinanzkrise 2008 noch nicht richtig erholt habe. Neue Triebkräfte seien notwendig. Es gebe Gegenwind. Die internen und externen Umstände seien kompliziert. Doch das Wachstumspotenzial der Brics-Staaten sei unverändert, betonte Xi Jinping.

Die Gruppe wurde 2009 noch ohne Südafrika gegründet, das 2010 dazu eingeladen wurde. Die aufstrebenden Wirtschaftsmächte wollen ein eigenes Gewicht in der von den USA bestimmten alten Weltordnung schaffen. Doch gibt es sehr unterschiedliche Interessen und auch Rivalitäten der Mitglieder, wie der Grenzstreit zwischen China und Indien deutlich machte.

Erst die vorübergehende Beilegung des Disputs und der Abzug von Truppen hatte der Teilnahme des indischen Ministerpräsidenten an dem Gipfel den Weg geebnet. Am Montag ist der Haupttag der Beratungen. Der Gipfel endet am Dienstag nach einem Treffen mit den ebenfalls eingeladenen Führern Ägyptens, Mexikos, Thailands, Tadschikistans und Guineas im Rahmen des „Brics-Plus“-Prozesses.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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