Aus Furcht vor Folter in der Heimat

Türkische Nato-Offiziere beantragen Asyl in Deutschland

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Die Offiziere werfen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (Foto) vor, prowestliche Haltungen im Militär bestrafen zu wollen.

Berlin - Dutzende türkische Nato-Soldaten haben laut Medienberichten in Deutschland Asyl beantragt. Es handele es sich um etwa 40 zumeist hochrangige Militärs, berichten „Spiegel“ und ARD.

Die Offiziere waren in Nato-Einrichtungen stationiert. Das Bundesinnenministerium und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erklärten demnach auf Anfrage, die Fälle würden behandelt wie andere Asylfälle auch.

"Es gibt keinen Zweifel, dass wir diese Soldaten nicht in die Türkei zurückschicken können", sagte der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer dem "Spiegel". "Sie würden dort sofort im Gefängnis landen." Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), sagte, das Asylverfahren sei ein rein rechtliches Verfahren. "Politische Erwägungen dürfen dabei keine Rolle spielen und werden es auch nicht."

Offiziere wagen den Schritt in die Öffentlichkeit

In der neuen Ausgabe des "Spiegel" und in "Report Mainz" wandten sich zwei der Offiziere erstmals an die Öffentlichkeit. "Wenn ich in die Türkei zurückgehe, riskiere ich, verhaftet und womöglich gefoltert zu werden", sagte einer von ihnen. Die Offiziere gaben an, mit dem Putschversuch in der Türkei nichts zu tun zu haben. "Glauben Sie mir, ich habe keine Sympathien für die Putschisten", sagte einer der Soldaten. "Diese Leute müssen bestraft werden. Sie haben auch unser Leben zerstört."

Einer der Soldaten, die schon seit Längerem in Deutschland stationiert waren, berichtete, er habe während des Putschversuchs Mitte Juli mit seiner Familie zu Hause vor dem Fernseher gesessen. Einige Wochen später wurden die beiden Männer dann aus dem Dienst entlassen. Gründe wurden ihren Angaben zufolge nicht genannt. "Ich habe mich immer wieder gefragt, warum gerade ich", sagte einer der beiden.

„Wir glauben an die Demokratie"

Die Soldaten warfen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan jedoch vor, prowestliche Haltungen im Militär bestrafen zu wollen. "Wenn man schaut, wer alles entlassen wurde, dann wird deutlich, dass uns alle eines verbindet: Wir sind erfolgreich, westlich orientiert, säkular, und wir glauben an die Demokratie", sagte einer von ihnen.

Aber auch in Deutschland haben die Soldaten Angst um sich und ihre Familien. Hintergrund sind den Berichten zufolge Medienberichte in der Türkei, in den ehemalige türkische Nato-Soldaten als Terroristen bezeichnet wurden. In einem Bericht des Fernsehsenders "Al Haber" werden laut "Spiegel" und "Report Mainz" türkische Nato-Mitarbeiter aus der Region Ramstein als Anhänger des Predigers Fethullah Gülen bezeichnet, den Erdogan für den Putschversuch verantwortlich macht.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen kritisierte, in dem Beitrag würden "ein ganzes Dorf" sowie die einzelnen Wohnungen und Wohnhäuser der Soldaten "zur Zielscheibe gemacht". Das sei "lebensgefährlich" und "völlig inakzeptabel". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse daher bei ihrem geplanten Besuch in der Türkei am Donnerstag "klare Kante zeigen".

Lesen Sie auch: Dekret: Türkei kann Verdächtigen im Ausland Staatsbürgerschaft nehmen

AFP

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