Keine Beweise

Verteidiger fordern Freispruch für Ex-SS-Mann Hanning (94)

Der Angeklagte Reinhold Hanning wird zu seinem Platz auf der Anklagebank geschoben. Dem 94-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in mindestens 100 000 Fällen vorgeworfen. Foto: Bernd Thissen
+
Der Angeklagte Reinhold Hanning wird zu seinem Platz auf der Anklagebank geschoben.

Detmold - Im Auschwitz-Prozess haben die Verteidiger Freispruch für Reinhold Hanning gefordert. Der frühere SS-Wachmann ist wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 100.000 Juden angeklagt.

In der Verhandlung seien keine Beweise für die direkte Beteiligung des heute 94-Jährigen an konkreten Taten vorgelegt worden, sagte Rechtsanwalt Johannes Salmen am Samstag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Detmold. Hanning habe zu keinem Zeitpunkt Menschen getötet, geschlagen oder dabei geholfen.

Hannings Verteidiger sagte, sein Mandant habe sich in den Dienst eines verbrecherischen Systems gestellt, dessen Befehle er fortan befolgt habe. Als einfacher Arbeiter ohne Schulabschluss habe der junge Mann die Folgen seines Handelns nicht überblicken können. Heute bereue er sein Verhalten. 

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gefordert. Hanning ist als Teil der Tötungsmaschinerie des NS-Vernichtungslagers Auschwitz wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 100 000 Juden angeklagt.

Auschwitz und der Ort Oswiecim: Todeslager und Stadtleben

"Arbeit macht frei" steht über dem Eingang zum Lager - eine zynische Parole: In Auschwitz wurden mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet. Foto: Eva Krafczyk
«Arbeit macht frei» steht über dem Eingang zum Lager - eine zynische Parole: In Auschwitz wurden mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet. Foto: Eva Krafczyk © Eva Krafczyk
Entlang des Stacheldrahtes: Der touristische Rundgang durch Auschwitz ist bei Besuchern in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Foto: Eva Krafczyk
Entlang des Stacheldrahtes: Der touristische Rundgang durch Auschwitz ist bei Besuchern in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Foto: Eva Krafczyk © Eva Krafczyk
Einiges ist zerstört, aber viele Baracken stehen noch - Auschwitz-Birkenau war das größte Vernichtungslager im Nationalsozialismus. Foto: Auschwitz-Birkenau State Museum/Pawel Sawicki
Einiges ist zerstört, aber viele Baracken stehen noch - Auschwitz-Birkenau war das größte Vernichtungslager im Nationalsozialismus. Foto: Auschwitz-Birkenau State Museum/Pawel Sawicki © Pawel Sawicki
Hier wurden die Gefangenen entladen, im Hintergrund sieht man den Eingang zum Lager. Foto: Auschwitz-Birkenau State Museum/Pawel Sawicki
Hier wurden die Gefangenen entladen, im Hintergrund sieht man den Eingang zum Lager. Foto: Auschwitz-Birkenau State Museum/Pawel Sawicki © Pawel Sawicki
Mahnmal: Wachtürme und Zaunsystem des ehemaligen Vernichtungslagers sind noch erhalten. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Mahnmal: Wachtürme und Zaunsystem des ehemaligen Vernichtungslagers sind noch erhalten. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt © Polnisches Fremdenverkehrsamt
Blick in die Baracken des ehemaligen Vernichtungslagers: Die Menschen wurden hier unter elenden Bedingungen eingepfercht. Foto: Auschwitz-Birkenau State Museum/Pawel Sawicki
Blick in die Baracken des ehemaligen Vernichtungslagers: Die Menschen wurden hier unter elenden Bedingungen eingepfercht. Foto: Auschwitz-Birkenau State Museum/Pawel Sawicki © Pawel Sawicki
"Never again" - niemals wieder: In Auschwitz wird der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur gedacht. Foto: Eva Krafczyk
«Never again» - niemals wieder: In Auschwitz wird der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur gedacht. Foto: Eva Krafczyk © Eva Krafczyk

Aus Termingründen wurde in dem Verfahren ausnahmsweise am Samstag verhandelt. Die Möglichkeit eines persönlichen Schlusswortes nutzte Hanning dabei nicht. Voraussichtlich am kommenden Freitag will das Gericht sein Urteil verkünden.

Grauen von Auschwitz vor Gericht

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Union feilt weiter am Entwurf ihres Bundestags-Wahlprogramms
Politik

Union feilt weiter am Entwurf ihres Bundestags-Wahlprogramms

Drei Monate vor der Bundestagswahl wollen CDU und CSU am Montag ihr gemeinsames Wahlmanifest beschließen. Große Versprechungen für Steuerentlastungen dürfte es nicht …
Union feilt weiter am Entwurf ihres Bundestags-Wahlprogramms

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.