Gemeinsam mit Bundespolizei

Bahn will Maskenpflicht auch mit Zug-Verweisen durchsetzen

Ein Reisender mit Mundschutz in der Bahn. Der Konzern will sicherstellen, dass alle Fahrgäste Maske tragen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
+
Ein Reisender mit Mundschutz in der Bahn. Der Konzern will sicherstellen, dass alle Fahrgäste Maske tragen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Wenn andere ohne Mund-Nasen-Bedeckung im ICE sitzen, besorgt das viele Mitreisende. Muss eine härtere Gangart her, um Corona-Vorgaben in Zügen zu garantieren? Bahn und Bund machen eine deutliche Ansage.

Berlin (dpa) - Die Bahn will die Einhaltung der Maskenpflicht in Zügen zum Schutz vor dem Coronavirus notfalls mit Verweisen durchsetzen. "Wenn eine Minderheit geltende Regeln missachtet, ist dies für uns nicht hinnehmbar", erklärte der bundeseigene Konzern am Montag in Berlin.

Bei Fahrgästen, die sich hartnäckig weigern, seien solche Verweise bereits möglich. Zusammen mit der Bundespolizei werde dies auch "konsequent" umgesetzt.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) pflichtete bei: "Die Maskenpflicht gilt ohne Wenn und Aber." Die Grünen und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) forderten weitergehende Schritte.

Die Bahn betonte: "Nach wie vor hält sich die große Mehrheit der Reisenden an die Maskenpflicht." Weigerten sich Fahrgäste nach wiederholter Aufforderung, sei das nicht zu akzeptieren. Dann werde der Fahrgast am nächsten Halt aus dem Zug gebeten, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums - gegebenenfalls komme die Bundespolizei hinzu und zeige Verstöße auch an.

Zug-Verweise sind nach der Eisenbahn-Verkehrsordnung möglich, wie das Bundesverkehrsministerium erläuterte. Sie legt fest, dass "Personen, die eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Betriebes oder für die Sicherheit der Mitreisenden darstellen oder den Anordnungen des Eisenbahnpersonals nicht folgen", von der Beförderung ausgeschlossen werden können - ohne Anspruch auf Erstattung des Fahrpreises.

Dazu, wie viele Fahrgäste schon aussteigen mussten, wurden keine Angaben gemacht. Die Bahn erläuterte, über die Maskenpflicht informiere sie breit in Zügen, in Bahnhöfen und im Internet. Dabei gehe es auch darum, "gegenseitige Rücksichtnahme zu leben und Verantwortung für die Gesundheit jedes Einzelnen und in der Gesamtbevölkerung zu empfinden". Das Verkehrsministerium forderte die Bahn auf, strikt auf die Maskenpflicht zu achten. Der Konzern soll dem Bund zudem regelmäßig darüber berichten.

Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel beklagte, während seiner Fahrten in Fernzügen habe er "kein einziges Mal" wahrgenommen, "dass das Bahnpersonal Reisende ohne Maske auf ihr Fehlverhalten anspricht". Er forderte eine "klare Zuständigkeit der Bundespolizei", wie die "Süddeutsche Zeitung" (Montag) berichtete. Darüber hinaus solle das Reservierungssystem so umgestellt werde, dass es Sitzplätze auf Abstand zuteile. Einzelne Wagen könnten Risikogruppen vorbehalten bleiben. Sparpreis-Tickets solle es nur für gering ausgelastete Züge geben, um nicht mehr Fahrgäste in absehbar volle Züge zu locken.

Die Lokführergewerkschaft GDL warnte, die Durchsetzung der Maskenpflicht sei mittlerweile ein massives Problem. Gerade wenn wieder mehr Fahrgäste kämen und Corona-Fälle zunähmen, müsse sie aber strikt eingehalten werden. "Fahrgäste schreckt es zudem immer wieder ab, wenn Maskenverweigerer im Zug sind, und sie steigen um aufs Auto", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Nötig sei unter anderem der Einsatz von Sicherheitspersonal. Auf der anderen Seite müsse Zugbegleitern mehr Respekt entgegengebracht werden.

Zur Frage von Bußgeldern erläuterte das Bundesinnenministerium, dass auch in Fernzügen die jeweiligen Länderverordnungen zur Maskenpflicht gelten, die teils Sanktionen bei Verstößen vorsehen. Es komme also darauf an, wo ein Fernzug bei einem Verstoß gerade unterwegs sei - darüber könne dann die zuständige Landesbehörde informiert werden.

© dpa-infocom, dpa:200803-99-26454/4

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Brexit: EU-Kommission startet Verfahren gegen London

Das britische Binnenmarktgesetz verstößt gegen den mühsam mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag. Das geht so nicht, sagt die EU-Kommission. Aber viel wichtiger ist …
Brexit: EU-Kommission startet Verfahren gegen London

Abschaffung der Zeitumstellung: Wie oft wird die Uhr noch vor- und zurückgestellt?

Wie jeden Herbst wird auch im Jahr 2020 die Zeit umgestellt. Doch wie lange soll das noch so sein? Die EU wollte die Zeigerumstellung doch eigentlich abschaffen.
Abschaffung der Zeitumstellung: Wie oft wird die Uhr noch vor- und zurückgestellt?

„Maischberger“-Gast schimpft und zieht dann kuriosen Vergleich zwischen Trump und FC Bayern

Bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD) gab es am Mittwochabend viel Gesprächsstoff. Neben dem Coronavirus wurde hitzig über das TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden …
„Maischberger“-Gast schimpft und zieht dann kuriosen Vergleich zwischen Trump und FC Bayern

Söder räumt Fehler bei Umgang mit Merkel ein - „Hat sich einfach nicht gut angefühlt“

CSU-Chef Markus Söder zeigt sich selbstkritisch. Rückblickend würde er einiges anders machen, räumt Bayerns Ministerpräsident in einem Interview ein.
Söder räumt Fehler bei Umgang mit Merkel ein - „Hat sich einfach nicht gut angefühlt“

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.