«Gewisse Ängstlichkeit»

Bartsch: Islamismuskritik nicht Rechten überlassen

Dietmar Bartsch
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Dietmar Bartsch warnt vor der Relativierung islamistischer Taten. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Hamburg (dpa) - Linksfraktionschef Dietmar Bartsch fordert, dass sich die politische Linke kritischer mit Islamismus auseinandersetzt. «Wenn es um rechten Terror geht, sind wir Linken zurecht sehr konsequent», sagte Bartsch in einem Interview des «Spiegel».

«Die Reaktionen auf solche Wahnsinnstaten wie in Frankreich oder Dresden sind dagegen in der politischen Linken leider manchmal weit weniger eindeutig.» Es dürfe aber keine unterschiedlichen Maßstäbe geben, sagte er.

Bartsch schließt sich damit der Kritik von Juso-Chef Kevin Kühnert an, der in einem Beitrag für den «Spiegel» am Mittwoch Islamismus als den «wohl blindesten Fleck» der politischen Linken bezeichnet hatte.

In einem Pariser Vorort wurde am vergangenen Freitag ein 47-jähriger Lehrer getötet und enthauptet. Als Motiv gilt, dass der Lehrer im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. In Dresden waren Anfang Oktober zwei Touristen Opfer einer Messerattacke geworden. Ein Mann starb, der zweiteüberlebte schwer verletzt. Die Ermittler vermuten einen radikal-islamistischen Hintergrund.

Die Zurückhaltung der politischen Linken habe «mit einer gewissen Ängstlichkeit zu tun», sagte Bartsch. Wenn man sich klar äußere, könnten einzelne Sätze mit Äußerungen von Rechten übereinstimmen. Die Zurückhaltung tue der politischen Linken aber nicht gut, «weil wir damit die Islamismuskritik den Rechten überlassen».

Man müsse sehr genau trennen. «Natürlich haben wir in Deutschland ein Problem mit antimuslimischem Rassismus», sagte Bartsch. Es gebe Menschen, die wegen ihres Glaubens oder wegen ihres Aussehens diskriminiert werden. «Das geißeln wir zurecht in aller Schärfe. Doch das darf nicht zur Relativierung von islamistischen Taten führen. Die Linke sollte hier ihre falsche Scham ablegen», sagte er.

© dpa-infocom, dpa:201023-99-58135/2

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