Beobachtungsstelle berichtet

Syriens Armee attackiert offenbar trotz Waffenruhe Ziele bei Damaskus

Die syrische Luftwaffe hat nach Angaben von Aktivisten am Sonntag Ziele in der Region um Damaskus angegriffen - ungeachtet der am Vortag angekündigten Waffenruhe.

Damaskus - Laut der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte attackierten Kampfflugzeuge mindestens sechs Mal Gebiete rund um die Ortschaft Ain Tarma sowie zwei Mal das Zentrum und die Umgebung der Stadt Duma. Auch die Umgebung der Stadt Dschissrin sei getroffen worden.

Über Opfer verlautete seitens der Beobachtungsstelle zunächst nichts. Die von Rami Abdel Rahman betriebene Einrichtung bezieht ihre Informationen über ein Netz von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden. Rahman erklärte, in den bombardierten Gebieten hätten sich keine dschihadistischen Kämpfer befunden.

Die Waffenruhe gilt bereits seit Samstag

Die syrische Armee hatte am Samstag ein Ende der Kämpfe in der von ihr belagerten Rebellenhochburg Ost-Ghuta bei Damaskus angekündigt. Die Streitkräfte würden aber auf jede Verletzung der Waffenruhe reagieren, hieß es in einer Erklärung. Das Schweigen der Waffen gelte für "einige Gebiete" von Ost-Ghuta - welche genau, gab die Armee nicht bekannt.

Stunden zuvor hatte Syriens Verbündeter Russland mitgeteilt, sich mit "gemäßigten" Rebellen auf Regelungen zu Ost-Ghuta geeinigt zu haben. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, das entsprechende Abkommen sei nach Gesprächen unter Vermittlung Ägyptens in Kairo unterzeichnet worden.

Von den in Ost-Ghuta aktiven islamistischen Rebellengruppen erklärte keine, das Abkommen unterzeichnet zu haben. Es betrifft den Zuschnitt der Deeskalationszone in Ost-Ghuta und die Stationierung von Soldaten zur Überwachung der Vereinbarungen. Zudem wurden Routen für Hilfslieferungen und die Ausreise von Zivilisten festgelegt. In den "kommenden Tagen" sollen Moskau zufolge die ersten humanitären Konvois und der

Abtransport von Verletzten organisiert werden.

Gespräche zwischen Garantiemächten bisher ergebnislos

Ost-Ghuta ist eine von vier Deeskalationszonen in Syrien, auf deren Einrichtung sich Russland, der ebenfalls mit Syrien verbündete Iran und die Türkei im Mai verständigt hatten. Die Türkei unterstützt in Syrien bewaffnete Regierungsgegner. Die vier Zonen umfassen von Rebellen kontrollierte Gebiete in Ost-Ghuta, in den Provinzen Idlib und Homs sowie im Süden des Landes.

In ihnen sollen eine Flugverbotszone sowie eine Waffenruhe zwischen Regierung und Rebellen gelten. Verhandlungen der drei Garantiemächte über Detailfragen waren bei Gesprächen im kasachischen Astana aber zuvor ergebnislos verlaufen. Anfang Juli war eine Waffenruhe für die Deeskalationszone im Süden des Landes ausgerufen worden. Für die nordwestliche Provinz Idlib und die zentrale Provinz Homs gibt es noch keine entsprechenden Abkommen.

Der Syrien-Konflikt hatte im Frühjahr 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen die Regierung des Präsidenten Baschar al-Assad begonnen. Seither wurden Schätzungen zufolge mehr als 330.000 Menschen getötet und Millionen Syrer in die Flucht getrieben.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Bundestagswahl 2017: AfD holt Ergebnis von 13,0 Prozent - Hochrechnung

Prognose zur Bundestagswahl 2017: Die AfD holt 13,0 Prozent und wird drittstärkste Kraft im Parlament. Hochrechnungen und Ergebnis finden Sie hier.
Bundestagswahl 2017: AfD holt Ergebnis von 13,0 Prozent - Hochrechnung

Bundestagswahl 2017: Prognosen, Hochrechnungen und das Wahlergebnis

Bundestagswahl 2017: Hier finden Sie Hochrechnungen, das Ergebnis sowie Prognosen und Karten aus allen Wahlkreisen in Deutschland.
Bundestagswahl 2017: Prognosen, Hochrechnungen und das Wahlergebnis

Bundestagswahl im Live-Ticker: Starke AfD will Merkel „jagen“ - Zeichen stehen auf Jamaika

Wie hat Deutschland gewählt? Die Union bleibt stärkste Kraft, aber mit großen Einbußen. Die SPD erlebt ein Debakel, die AfD zieht voraussichtlich mit über 12 Prozent in …
Bundestagswahl im Live-Ticker: Starke AfD will Merkel „jagen“ - Zeichen stehen auf Jamaika

Nach der Bundestagswahl: Wer wird jetzt Kanzler?

Die Deutschen haben gewählt. Das Ergebnis der Bundestagswahl ist allerdings kein einfaches - die Koalitionsverhandlungen könnten schwierig werden. Wer wird nun Kanzler?
Nach der Bundestagswahl: Wer wird jetzt Kanzler?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.