Umstrittenes Projekt

Berlin kritisiert russische Pläne für Mini-Reichstag

+
Zur Stürmung durch militärbegeisterte Jugendliche soll der Reichstag in Russland im Mini-Format nachgebaut werden. Foto: Maurizio Gambarini

Bizarre Pläne für ein Reichstags-Modell bei Moskau lösen einen verbalen Schlagabtausch zwischen Russland und Deutschland aus. Dass junge Russen künftig ein Modell des historischen Gebäudes stürmen können, kommt in Berlin nicht gut an. Wie reagiert Moskau auf Kritik?

Berlin/Moskau (dpa) - Die Bundesregierung findet die russischen Pläne für einen Mini-Reichstag als Spielwiese für militärbegeisterte "Patrioten" befremdlich. Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte in Berlin: "Die Idee ist überraschend und spricht für sich."

Das russische Verteidigungsministerium wies die Kritik als unbegründet zurück und griff deutsche Politiker an.

Russland will den Berliner Reichstag im Militär-Freizeitpark Kubinka westlich von Moskau in kleinerem Maßstab nachbauen, wie Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch angekündigt hatte. Junge militärbegeisterte Menschen sollen demnach üben, wie man ein Gebäude stürmt. Schoigu sagte, im "Patrioten Park" würden auch weitere Schauplätze des Zweiten Weltkrieges nachgebaut. Die Besucher sollten die Atmosphäre der damaligen Zeit nachfühlen und sich selbst im "Überlebenskampf versuchen" können.

In Berlin löste das Projekt Kritik aus. Deutschland würde etwas Vergleichbares zur "Erziehung und Ertüchtigung der deutschen Jugend nicht unbedingt bauen, und das gilt auch für die Art und Weise, wie das betrieben wird", sagte Außenamtssprecher Martin Schäfer.

Der russische Militärsprecher Igor Konaschenkow erwiderte: "Die Attacken dazu von einzelnen deutschen Politikern lösen nicht nur Erstaunen aus, sondern sie werfen auch die Frage auf, welche Haltung sie eigentlich zu den "Erbauern" des Dritten Reiches von 1933 bis 1945 haben."

Zugleich verteidigte er das Projekt als wichtiges Symbol für den Sieg (der Sowjetunion) über Hitler-Deutschland. Das Modell des von erbitterten Kämpfen völlig zerstörten Reichstages solle Bestandteil der militärhistorischen Landschaft des Freizeitparkes werden. "Das Hissen der roten Fahne auf dem Gebäude des nationalsozialistischen Reichstages im Mai 1945 durch Soldaten der Roten Armee ist eines der bedeutendsten Symbole des Sieges über den deutschen Nationalsozialismus", sagte er.

Die Rote Armee hatte den Reichstag im Mai 1945 erobert. Sowjetische Soldaten hinterließen in seinen Mauern Namen und Botschaften - die Schrift ist teilweise noch erhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Slowenische Präsidentenwahl ohne Entscheidung

Sloweniens seit fünf Jahren amtierendes Staatsoberhaupt Borut Pahor hat die Präsidentenwahl am Sonntag klar gewonnen.
Slowenische Präsidentenwahl ohne Entscheidung

Katalonien: Puidgemont droht bei Unabhängigkeitserklärung Gefängnis

Nachdem der spanische Ministerpräsident Rajoy angekündigt hatte, die Regionalregierung abzusetzen und Neuwahlen auszurufen, steht der katalanische Regierungschef …
Katalonien: Puidgemont droht bei Unabhängigkeitserklärung Gefängnis

Kampf gegen IS: Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga im Nordirak fort

Die Bundeswehr hat die Ausbildung kurdischer Peschmerga-Kämpfer im Nordirak am Sonntag nach gut einwöchiger Unterbrechung wieder aufgenommen.
Kampf gegen IS: Bundeswehr setzt Ausbildung der Peschmerga im Nordirak fort

"Gegen Hass und Rassismus im Bundestag": Demo in Berlin

Das Ziel der Veranstalter schien äußerst ehrgeizig, dann aber übertrifft die Beteiligung an ihrer Demonstration sogar ihre Erwartungen. Der Einzug der AfD in den …
"Gegen Hass und Rassismus im Bundestag": Demo in Berlin

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.