Prozess in Stuttgart

Bewährungsstrafe für Kurzzeit-Mitglied der Terrormiliz IS

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Der Angeklagte sitzt im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Stuttgart. Foto: Franziska Kaufmann

Ein junger Mann aus Südbaden lässt sich in Syrien zum IS-Terroristen ausbilden, doch vor dem ersten Kampfeinsatz flieht er. Zu seiner Entscheidung, sich dem IS anzuschließen, sagt er vor Gericht: "Einen größeren Fehler kann man nicht machen."

Stuttgart (dpa) - Das Oberlandesgericht Stuttgart hat einen jungen Mann, der vorübergehend Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat war, zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

Der heute 20-Jährige aus Südbaden hatte eingeräumt, sich 2015 für mehrere Monate einer Terrorgruppe in Nordsyrien angeschlossen zu haben.

Nach Überzeugung des Gerichts ließ er sich an Kriegswaffen ausbilden, trug den Kampfnamen "Abu Ismail al-Almani", bekam 100 Dollar Sold pro Monat und wurde einer Einheit zugeordnet. Dann floh er und wurde im Oktober 2015 an Deutschland ausgeliefert. Über seinen Entschluss, in den "Heiligen Krieg" zu ziehen, sagte er vor Gericht: "Einen größeren Fehler kann man nicht machen."

Das Oberlandesgericht verurteilte den jungen Mann wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Ihm wurde zugute gehalten, dass er sich recht rasch von dem Terrorregime abgewandt habe, unter großer Gefahr geflohen sei, vieles gestanden und Informationen zum IS preisgegeben habe. Dennoch sei er mit immenser krimineller Energie nach Syrien aufgebrochen und habe sich mit dem IS und all seinen Grausamkeiten samt Tötungen, Anschlägen und Hinrichtungen identifiziert. Zudem habe er auch seine Mutter nach Syrien lotsen wollen.

"Wofür er kämpfen und sterben wollte, war dem Angeklagten durchaus bewusst", hatte Oberstaatsanwalt Steffen Haidinger in seinem Plädoyer gesagt. Laut Gericht fasste der schmächtig und schüchtern wirkende Angeklagte aus Waldshut 2014 den Entschluss, für den IS in den Heiligen Krieg zu ziehen. Dabei wurde er offenbar angestachelt von seiner Mutter. Die sehe Muslime generell in der Opferrolle und habe ihrem Sohn auch entsprechende Propagandavideos gezeigt. Ihr Sohn - ein Einzelgänger - sprach von einer psychischen Hölle in Deutschland, der er habe entkommen wollen. Um seine Reise nach Syrien zu finanzieren, hat er unter anderem sein Playmobil-Spielzeug verkauft.

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