Schüler fallen zurück

Bildungsverbände dringen auf mehr Lehrer

+
Vor kurzem hatten die Ergebnisse der Studie IQB-Bildungstrends für Ernüchterung bei Bildungspolitikern gesorgt. Foto: Jens Kalaene/Symbol

2017 war auch das Jahr ernüchternder Ergebnisse bei Schulstudien - doch was folgt daraus? Während die Länder die Wirksamkeit von Förderprogrammen prüfen wollen, fordern Bildungsverbände mehr Lehrer.

Berlin (dpa) - Deutschlands Grundschüler fallen im internationalen Vergleich teils deutlich zurück - Bildungsverbände dringen nun nachdrücklich auf mehr Lehrer.

"Regelmäßig wird besserer Unterricht gefordert", sagte die neue Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dies lasse sich aber nicht verordnen. "Dazu brauchen wir mehr Lehrer, die unter guten Bedingungen arbeiten können."

Im Oktober hatten die Ergebnisse der Studie IQB-Bildungstrends für Ernüchterung bei Bildungspolitikern gesorgt. Deutschlands Viertklässler sind demnach innerhalb der vergangenen fünf Jahre in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung zurückgefallen. Anfang Dezember dann folgten die nächsten schlechten Nachrichten. Veröffentlicht wurde die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU). Demnach können immer mehr Kinder in Deutschland beim Verlassen der Grundschule nicht richtig lesen. Im internationalen Vergleich ist Deutschland in dem Bereich abgesunken.

"Die Lehrer in Deutschland hatten seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie so viele Unterrichtsstunden", sagte Lin-Klitzing. "Allerdings sind noch viele weitere Aufgaben dazugekommen." Die Pädagogen müssten unter anderem Neuerungen und Fördermaßnahmen umsetzen. Die Leistungen der Schüler klafften immer weiter auseinander.

Lin-Klitzing führt seit Anfang Dezember den Philologenverband; sie folgte dem langjährigen Verbandschef Heinz-Peter Meidinger nach.

Meidinger, der weiter an der Spitze des Deutschen Lehrerverbands steht, sagte: "Die Arbeitsbelastung der Lehrer ist in den vergangenen Jahren gewachsen." Denn die Schülerschaft habe sich verändert. "Es gibt mehr Schüler, die individuell gefördert werden müssen."

Von 2011 bis 2016 erhöhte sich laut IQB-Bildungstrends der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund um mehr als ein Drittel auf 34 Prozent. Zudem besuchen auch mehr Kinder mit Behinderung eine allgemeine Schule.

"Aus allen Schulstudien der letzten Zeit wissen wir, dass die Anforderungen an die Lehrer immer größer werden", sagte Meidinger der dpa. "Um die Leistungen der Schüler im Schnitt zu verbessern, brauchen wir mehr individuelle Förderung schwieriger Schüler und kleinere Klassen."

Für die Gymnasien will der Philologenverband nun konkret messen, wie viel die 175 000 dort beschäftigten Lehrer heute arbeiteten und wie groß ihre Belastung ist, wie Lin-Klitzing ankündigte. Zusammen mit einem Wissenschaftlerteam der Universität Rostock starte der Verband im Januar dazu eine umfassende Studie an den Gymnasien.

Meidinger sagte, der Richtwert bei der Arbeitszeit im öffentlichen Dienst liege bei 40 Stunden. "Auch wenn man die über den Urlaub hinausgehende Ferienzeit anrechnet, liegen die meisten Lehrer deutlich darüber."

Die Kultusministerkonferenz hatte als Reaktion auf die Schulstudien im Dezember beschlossen, die Wirksamkeit einzelner Förderprogramme der Länder unter die Lupe zu nehmen.

Philologenverband zu Iglu und Pisa

Lehrerverband zu Iglu

Lehrerverband zu IQB-Bildungstrends

Iglu-Studie

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Shutdown in den USA: „Irrsinn“ soll beendet werden

Nach dem Shutdown in den USA hat der Senat in Washington am Samstag eine Sondersitzung einberufen, um doch noch eine Lösung im Haushaltsstreit zwischen Demokraten und …
Shutdown in den USA: „Irrsinn“ soll beendet werden

Tote bei Angriff auf großes Hotel in Kabul

Der zweite schwere Angriff in Kabul gleich zu Jahresanfang trifft ein großes Hotel. Die Gefechte der Spezialkräfte mit den Angreifern dauern Stunden. Gleichzeitig …
Tote bei Angriff auf großes Hotel in Kabul

Dieser 28-jährige Student könnte Angela Merkel stürzen

Er liefert sich derzeit ein Fernduell mit Martin Schulz: Juso-Chef Kühnert organisiert den Widerstand gegen eine weitere große Koalition. Am Sonntag wird abgerechnet. …
Dieser 28-jährige Student könnte Angela Merkel stürzen

Trotz Merkel-“Nein“: Schulz erwägt nächsten Vorstoß

Seit über einer Woche herrscht schon Stillstand: Am Sonntagnachmittag wird sich die SPD für oder gegen die GroKo entscheiden - der Ausgang der Abstimmung scheint offen. …
Trotz Merkel-“Nein“: Schulz erwägt nächsten Vorstoß

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.