Rassismus-Debatte ausgelöst

„Black is beautiful“: Klopapier-Affäre in Brasilien

Schwarzes Klopapier mit einem Spruch bewerben, der soziale Missstände anprangert: Dass dies keine gute Idee ist, bekam nun ein brasilianisches Unternehmen zu spüren.

München - Diese Werbekampagne ging nach hinten los: Das brasilianische Unternehmen Santher hat sich mit der Verwendung eines vermeintlich harmlosen Spruches den Unmut weiter Teile der Bevölkerung zugezogen und in dem südamerikanischen Land eine Welle der Empörung ausgelöst. 

In einem Clip wurde schwarzes Luxus-Klopapier mit dem Claim „Black is beautiful“ beworben. Das Video zum Produkt zeigt die in Südamerika bekannte Schauspielerin Marina Ruy Barbosa mit roten Haaren, lasziv in Szene gesetzt und eingehüllt in das Produkt, welches den Namen „Personal VIP Black“ trägt. In einem Land, wo über 50 Prozent nicht hellhäutig sind, offenbar eine mutige Angelegenheit. Konzipiert hatte die Kampagne die PR-Agentur Neogama, wie Santher in der Metropole Sao Paolo ansässig.

Rassismus-Vorwurf: Unternehmen löschen Werbung und entschuldigen sich

Als Reaktion auf die massive Kritik haben die Firmen inzwischen sämtliche Werbung und Posts auf sozialen Netzwerken gelöscht. Außerdem wurde sich bei den Menschen entschuldigt, die sich durch die Kampagne beleidigt gefühlt hätten, teilte das Unternehmen laut The Guardian mit. Was konkret brachte die Menschen gegen die Kampagne auf? 

Der Spruch steht seit den 60er-Jahren für die schwarze Bürgerrechtsbewegung und habe nichts in einer derartigen Werbekampagne zu suchen. Drastischer in seinen Worten wird der brasilianische Schriftsteller Anderson França, dessen Facebook-Post über tausend Mal geteilt wurde: „Es sind Leute dafür gestorben, dass dieser Spruch bis heute benutzt werden kann. Immer noch sterben Menschen dafür und der Ausdruck ist so wichtig wie nie zuvor. Aber wenn du in Brasilien nach #Blackisbeautiful suchst, findest du Scheißpapier."

Überraschend erscheinen die zahlreichen Kritiken keineswegs: In dem Land am Zuckerhut leben über 200 Millionen Menschen, von denen sich mehr als die Hälfte als „people of color“, also farbig betrachten. Wie bento berichtet, seien in Werbespots in Brasilien zumeist immer noch weiße Menschen zu sehen.

pf

Rubriklistenbild: © Youtube / Familia Personal

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Khashoggi „blutrünstig“ ermordet: Erdogan kündigt Enthüllung an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wollte offenbar Spionage-Software aus der Schweiz kaufen. Die Tötung des saudischen Journalisten Khashoggi wirft außerdem …
Khashoggi „blutrünstig“ ermordet: Erdogan kündigt Enthüllung an

„Kanzlerin der Autobosse“: Presse schießt sich auf Merkel ein

Kostet die Hessen-Wahl Angela Merkel das Amt? In der CDU mehren sich kritische Stimmen zur Kanzlerin. Alle Informationen finden Sie im News-Ticker zur Landtagswahl 2018 …
„Kanzlerin der Autobosse“: Presse schießt sich auf Merkel ein

Türkischer Journalist enthüllt neue Mord-Details zu Khashoggi, CNN hat einen schlimmen Verdacht

Der Journalist Jamal Khashoggi ist in der Türkei getötet worden. Der Druck auf Saudi-Arabien wächst, denn neue Enthüllungen machen das Regime unglaubwürdig. Alles zu dem …
Türkischer Journalist enthüllt neue Mord-Details zu Khashoggi, CNN hat einen schlimmen Verdacht
Politik

Migranten aus Mittelamerika setzen Marsch Richtung USA fort

Seit Tagen droht und poltert Donald Trump, um Tausende Menschen aus Honduras, El Salvador und Guatemala auf ihrem Weg in die Vereinten Staaten zu stoppen. Doch der …
Migranten aus Mittelamerika setzen Marsch Richtung USA fort

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.