Krisengeschütteltes Land

Blutige Proteste: Bereits 25 Tote in Venezuela

Ein Demonstrant mit einer Gasmaske steht in Caracas während eines Protests gegen den sozialistischen Präsidenten Maduro vor einer brennenden Barrikade auf einer Autobahn. Foto: Ariana Cubillos
1 von 7
Ein Demonstrant mit einer Gasmaske steht in Caracas während eines Protests gegen den sozialistischen Präsidenten Maduro vor einer brennenden Barrikade auf einer Autobahn. Foto: Ariana Cubillos
Feuerwehrleute löschen einen brennenden Lastwagen. Foto: Ariana Cubillos
2 von 7
Feuerwehrleute löschen einen brennenden Lastwagen. Foto: Ariana Cubillos
Im ganzen Land gingen wieder Hunderttausende für Neuwahlen auf die Straße. Foto: Ariana Cubillos
3 von 7
Im ganzen Land gingen wieder Hunderttausende für Neuwahlen auf die Straße. Foto: Ariana Cubillos
Das Land mit den größten Ölreserven leidet unter Hyperinflation und einer tiefen Versorgungskrise. Foto: Fernando Llano
4 von 7
Das Land mit den größten Ölreserven leidet unter Hyperinflation und einer tiefen Versorgungskrise. Foto: Fernando Llano
Seit Ausbruch der Proteste Anfang April starben mindestens 24 Menschen. Foto: Jose Cohen
5 von 7
Seit Ausbruch der Proteste Anfang April starben mindestens 24 Menschen. Foto: Jose Cohen
Sich gegenseitig Mut machen: Ein Pärchen hält während eines Protests gegen den sozialistischen Präsidenten Maduro auf einer Autobahn die Hände. Foto: Ariana Cubillos
6 von 7
Sich gegenseitig Mut machen: Ein Pärchen hält während eines Protests gegen den sozialistischen Präsidenten Maduro auf einer Autobahn die Hände. Foto: Ariana Cubillos
Demonstranten blockieren eine Autobahn. Die Opposition will Maduro mit täglichen Massendemonstrationen zum Einlenken bewegen. Foto: Fernando Llano
7 von 7
Demonstranten blockieren eine Autobahn. Die Opposition will Maduro mit täglichen Massendemonstrationen zum Einlenken bewegen. Foto: Fernando Llano

Wieder liegen Tote auf der Straße. In Venezuela bekommt die Losung "Socialismo o Muerte" eine traurige Aktualität, die Fronten sind verhärtet. Die Opposition will Präsident Maduro in die Knie zwingen.

Caracas (dpa) - Bei neuen Massenprotesten im krisengeschüttelten Venezuela sind drei weitere Menschen getötet worden. Damit sind dem blutigen Machtkampf seit Anfang April schon 25 Menschen zum Opfer gefallen.

Wie der Volksbeauftragte der Regierung, Tarek William Saab, in einem Interview mitteilte, starb in der Stadt Mérida ein Mitarbeiter der örtlichen Verwaltung durch einen Schuss in den Hals, zwei weitere Personen starben in der Stadt Barinas. Regierung und Opposition gaben sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation.

Im Land mit den größten Ölreserven gehen seit Wochen Hunderttausende für Neuwahlen auf die Straße. Aber es gibt auch viele Demonstrationen für Präsident Nicolás Maduro von Anhängern der Sozialisten. Maduro nennt den gefallenen Ölpreis als Grund für die dramatische Versorgungskrise im ganzen Land. Seit Ausbruch der Proteste Anfang April, die sich vor allem an der zeitweisen Entmachtung des Parlaments durch den Obersten Gerichtshof entzündet hatten, starben mindestens 13 Menschen bei Demonstrationen, weitere zwölf bei Unruhen und Plünderungen.

Saab machte die Opposition für das Blutvergießen im westlich gelegenen Mérida verantwortlich, da es sich bei den Toten und mehreren Verletzten um Anhänger der Regierung gehandelt habe. Es gab widersprüchliche Angaben. Zeugen sprachen von Protesten gegen Maduro, bei denen Anhänger der Sozialisten aufgetaucht seien, bevor es aus Häusern zu Schüssen kam. Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte eine Untersuchung an. Für die Toten in Barinas machte die Opposition Banden der Sozialisten, sogenannte Colectivos, verantwortlich.

In der Hauptstadt Caracas verlief eine Massenkundgebung am Montag dagegen friedlicher als bisherige Märsche, die oft in einem massiven Einsatz von Tränengas endeten. Die Opposition, die die Mehrheit im Parlament hat, fordert freie Wahlen, die Freilassung von politischen Gefangenen, eine Achtung des von ihr dominierten Parlaments und eine bessere Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Medizin.

2014 war es zuletzt zu einer vergleichbaren Protestwelle gegen Maduro gekommen, damals starben 43 Menschen, aber über einen Zeitraum von fünf Monaten. Der charismatische Oppositionsführer Leopoldo López wurde dafür verantwortlich gemacht und zu über 13 Jahren Haft verurteilt. Seine Frau Lilian Tintori marschiert heute an vorderster Front. Nachdem Tintori jüngst US-Präsident Donald Trump besucht und dieser die Freilassung gefordert hatte, bestätigte der Oberste Gerichtshof tags darauf die umstrittene Strafe gegen López.

Das Land leidet unter Hyperinflation und Devisenmangel - es steht am Rande der Pleite. Die Goldreserven wurden bereits mehr als halbiert, um an Devisen zur Bedienung der Auslandsschulden und Importe von Medikamenten und Nahrung zu kommen. Antibiotika, Diabetes- und Epilepsiemedikamente gibt es fast nirgendwo mehr. Angehörige müssen für Kinder in Krankenhäusern vielerorts Sauerstoff und Medizin auf dem Schwarzmarkt selbst kaufen, die Kindersterblichkeit ist gestiegen.

Die Opposition wirft Maduro vor, eine Diktatur anzustreben. Das Parlament ist seit Monaten de facto machtlos, da Maduro mithilfe der Justiz und mit Notstandsdekreten an der Legislative vorbeiregiert.

Maduro war 2013 zum Nachfolger des gestorbenen Hugo Chávez gewählt worden, er kommt anders als Chávez nicht aus dem Militär. Dort wurden Schlüsselpositionen mit Getreuen besetzt. Die Opposition fordert einen Bruch des Militärs mit Maduro, der aber dank der Ausweitung von Sozialleistungen in Armenvierteln weiterhin viel Zuspruch hat.

Aussagen Saab zu Toten

Bericht El Universal

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Ausschluss von Nicht-Deutschen: Berechtigte Kritik an Essener Tafel?

Weil der Anteil von ausländischen Bürgern auf rund 75 Prozent angestiegen ist, sieht sich die Essener Tafel zu einer drastischen Maßnahme gezwungen. Aus Berlin gibt es …
Ausschluss von Nicht-Deutschen: Berechtigte Kritik an Essener Tafel?

May: So soll die Partnerschaft mit der EU nach dem Brexit funktionieren

Die britische Premierministerin Theresa May wird sich kommende Woche in einer Rede zur Partnerschaft ihres Landes mit der EU nach dem Brexit äußern.
May: So soll die Partnerschaft mit der EU nach dem Brexit funktionieren

Essener Tafeln nimmt nur noch Deutsche auf - aus diesem Grund

75 Prozent der Kunden der Essener „Tafel“ waren zuletzt Migranten. Darauf reagiert jetzt reagiert die Hilfsorganisation, die Lebensmittel an Bedürftige verteilt. 
Essener Tafeln nimmt nur noch Deutsche auf - aus diesem Grund

Özdemir rechnet in Bundestagsdebatte über Yücel mit AfD ab

Die AfD wollte den deutsch-türkischen Journalisten Yücel vom Bundestag für zwei umstrittene Texte maßregeln lassen. Doch einer nutzt die Debatte zu einem …
Özdemir rechnet in Bundestagsdebatte über Yücel mit AfD ab

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.