Todesfolge in 54 Fällen

Bootsunglück: Mutmaßlicher Schleuser in Schleswig-Holstein gefasst

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Die Zustände auf Flüchtlingsbooten sind kritisch. Hier kenterte ein mit über 500 Menschen überladenes Boot in der Straße von Sizilien im Mai 2016.

Bei einem tragischen Bootsunglück im Mittelmeer starben vor etwa zwei Jahren 54 Menschen. Nun ging der Polizei vermutlich einer der fahrlässig handelnden Strippenzieher ins Netz.

Strande - Nach dem Tod von 54 Flüchtlingen auf einer mit Waffengewalt erzwungenen Überfahrt über das Mittelmeer haben Bundespolizisten in Schleswig-Holstein einen der mutmaßlichen Schleuser gefasst. Der 27-jährigen Iraker sei von Flüchtlingen wiedererkannt und am Mittwoch in Strande festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Kiel am Donnerstag. Ihm werde Schleusung mit Todesfolge vorgeworfen. 

Nach Angaben des Behördensprechers gehörte der Verdächtige zu einer Gruppe von Schleusern, die am 28. Oktober 2015 mehr als 320 Flüchtlinge auf einem Boot von der Türkei nach Griechenland bringen wollten. Weil das Gefährt nicht den versprochenen Maßstäben genügte, verweigerten einige Menschen die Fahrt. Diese seien aber "mit Waffengewalt gezwungen" worden, doch an Bord zu gehen.

Flüchtlinge auf sich alleine gestellt: 54 Menschen starben

Auf See verließ der mit an Bord gegangene Schleuser das Boot und überließ das Steuer einem Flüchtling, wobei es nach etwa einer Stunde unterging, wie der Sprecher sagte. Dabei kamen 54 Menschen ums Leben. Sie hätten "keine Chance" gehabt, das Ufer zu erreichen. Der 27-Jährige soll laut Ermittlungen für die Organisation der tödlichen Überfahrt vor zwei Jahren mitverantwortlich gewesen sein. "Er hat die Kontakte hergestellt, er hat letztlich mit seinen Mittätern die Logistik zusammengestellt", sagte der Behördenvertreter. Er sei allerdings nicht mit an Bord gewesen. 

Auswärtiges Amt: Kampagne gegen die „größten Lügen der Schleuser“

Der Verdächtige selbst kam Ende 2015 nach Deutschland und beantragte Asyl, er lebt hier mit Frau und Kind und hat eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. In seiner Vernehmung vor dem Haftrichter bestritt er nach Angaben des Sprechers die gegen ihn erhobenen Tatvorwürfe. Die Ermittlungen laufen noch. Der Strafrahmen für eine Schleusung mit Todesfolge liegt im Fall eines Schuldspruchs in einem Prozess bei drei bis 15 Jahren. Über die Festnahme des Verdächtigen hatten zuerst die "Kieler Nachrichten" berichtet. 

Die Bundespolizei übernahm die Ermittlungen, weil sie für Schleusungsdelikte zuständig ist. Ende 2015 hatten unzählige Flüchtlinge den Weg über die Ägäis zwischen der Türkei und Griechenland genommen, um nach Europa zu kommen. Viele ertranken, weil Schleuser sie häufig auf überladene und völlig seeuntüchtige Booten brachten, die untergingen. Inzwischen veränderten sich die Schleusungsrouten aber, sie verlaufen vor allem von Nordafrika in Richtung nach Italien. Seit Januar erreichten bereits weit mehr als 100.000 Flüchtlinge die italienische Küste. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration ertranken zwischen Januar und August mehr als 2400 Menschen.

Drei mutmaßliche Schleuser müssen sich seit Dienstag vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Sie sollen mindestens sechs Kinder auf dem Gewissen haben.

AFP/PF

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