„Ein rebellischer Freigeist“

Zoff um Palmer: Neuer „Appell“ - bricht bei den Grünen jetzt ein offener Machtkampf aus?

Oberbürgermeister Tübingens: Boris Palmer von den Grünen.
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Oberbürgermeister Tübingens: Boris Palmer von den Grünen.

Boris Palmer spaltet nach seinen Aussagen zur Coronavirus-Pandemie die Grünen. Nach dem Corona-Shitstorm gegen den Tübingen-OB gibt es jetzt unerwartet Unterstützung für den umstrittenen Politiker.

  • Coronavirus-Pandemie* in Deutschland: Boris Palmer zieht mit polarisierenden Aussagen zu Corona-Toten viel Shitstorm und Entrüstung auf sich.
  • Die Grünen-Spitze forderte deshalb vom Tübingen-OB den Partei-Austritt.
  • Doch jetzt erhält der umstrittene Politiker offene Unterstützung aus der eigenen Partei.

München/Tübingen - In der malerischen Studentenstadt Tübingen (90.000 Einwohner) gibt es unter Studierenden eine Anekdote, die sie sich gerne beim Flanieren am Neckar erzählen.

Boris Palmer, der Grünen-Oberbürgermeister der Universitätsstadt und passionierte Fahrradfahrer, teile der Polizei gerne mit, wo und zu welchen Zeiten Studis mit wenig verkehrstauglichen Fahrrädern unterwegs seien. Es ist ein Gassenhauer, oder ist doch mehr dran?

Boris Palmer: Grünen-Politiker polarisiert in der Corona-Krise in Deutschland

Zumindest polarisiert der 47-jährige Schwabe unter den angehenden Akademikern in seiner Heimat genauso wie längst in der eigenen Partei - und zwar bundesweit.

Schon sein Vater Helmut Palmer hatte in Baden-Württemberg für Aufsehen gesorgt, als der Obstbauer aus Waiblingen bei Stuttgart einst bei rund 250 Bürgermeisterwahlen im Ländle antrat - und als „Remstal-Rebell“ bekannt wurde.

Begeisterter Radfahrer: Tübingens Grünen-OB Boris Palmer.

„Ein rebellischer Freigeist“ sei auch Palmer junior, meinen 30 Grünen-Politiker nach polarisierenden Aussagen des Tübingen-OBs nun in der Corona-Krise in Deutschland - und stellen sich mit einem öffentlichen Appell demonstrativ hinter den Mann, der zuletzt so sehr die Gemüter erhitzte.

„Boris Palmer gehört zum Urgestein der baden-württembergischen Grünen“

Boris Palmer gehört zum Urgestein der baden-württembergischen Grünen, er ist ein überzeugter Ökologe und ein manchmal rebellischer Freigeist“, heißt es laut faz.net in dem Appell.

Er sei „nicht unbelehrbar“ und habe „ernsthafte Gründe“ für seine Position genannt. Die Grünen seien seit ihrer Gründung „ein Ort leidenschaftlicher Debatten, offener Auseinandersetzungen“, auch die „freie Rede und der Respekt vor Minderheitsmeinungen“ gehörten dazu, wird laut faz.net weiter erklärt.

Palmer hatte jüngst in einem Interview mit Sat.1 über Corona-Tote, die sich mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt* hatten, gesagt: „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären – aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen.“

Corona-Krise in Deutschland: Shitstorm auf Boris Palmer war gewaltig

Der Shitstorm war groß, die Entrüstung gewaltig - nicht nur im politischen Deutschland. Der Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg hatte Palmer aufgefordert, die Partei zu verlassen. Prompt bekam dieser von der FDP ein Angebot.

Aber: 30 namhafte Grünen-Politiker forderten nun die Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck sowie den baden-württembergischen Landesvorstand laut F.A.Z. auf, mit Palmer „den Dialog zu suchen und den Stil der Maßregelung“ aufzugeben.

Nach Corona-Aussagen: Unterstützung für Boris Palmer bei den Grünen

Zu den Unterzeichnern gehören demnach die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Antje Vollmer, sowie der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Martin Hahn.

Die Palmer-Personalie droht inmitten der Corona-Krise nun zur Zerreißprobe für die gesamte Partei zu werden. Ein Machtkampf deutet sich an.

pm

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