Neuregelung gefordert

Starker Widerstand gegen kürzeren Ferienzeitraum im Sommer

Bisher haben nur Bayern und Baden-Württemberg jedes Jahr im gleichen Zeitraum Sommerferien. Sie starten als letztes, in den übrigen Ländern wechseln die Termine permanent. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Bisher haben nur Bayern und Baden-Württemberg jedes Jahr im gleichen Zeitraum Sommerferien. Sie starten als letztes, in den übrigen Ländern wechseln die Termine permanent. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bayern und Baden-Württemberg gehen stets als letzte in die Sommerferien, Schüler in anderen Ländern starten mal früh, mal spät. Hamburg und Berlin wollen das ändern. Doch die Aussichten auf Erfolg sind gering.

Berlin (dpa) - Die Forderung aus Berlin und Hamburg nach einer Neuregelung der Sommerferien stößt auf breite Ablehnung.

Das geht aus Gesprächen der Deutschen Presse-Agentur mit mehreren Länderchefs hervor. Nach den Vorstellungen der beiden Stadtstaaten sollen die Ferien künftig in allen Ländern frühestens Anfang Juli beginnen und die Termine enger zusammenrücken, so dass die jährlichen Verschiebungen geringer werden. Doch ein verkürzter Ferienkorridor könnte die Probleme in Schulen, Reiseverkehr und Tourismus noch verschärfen, warnt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Der Regierungschef des bevölkerungsreichsten Bundeslandes bringt damit die Einwände vieler Kollegen auf den Punkt. Die meisten wollen am Ferienkorridor von Juni bis September festhalten - allerdings auch Bayern und Baden-Württemberg in das Rotationssystem einbeziehen. Dass bislang alle anderen rotieren müssten und nur die Süd-Länder ihren Stammplatz hätten, «das ist nicht akzeptabel», sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Sein Thüringer Kollege Bodo Ramelow (Linke) pflichtet bei, er erwarte von allen, Egoismen in der Bildungspolitik zurückzustellen.

Das sieht Bayerns Regierungschef Markus Söder anders: «Wir bleiben bei unseren Ferienterminen. Das hat sich so bewährt, und das ist in der bayerischen Kultur fest verankert.» Der CSU-Chef verweist auf den über Jahrzehnte gewachsenen Ferienrhythmus: «Sonst müssten wir vielleicht unsere Pfingstferien verändern, und die sind den Bayern sehr wichtig. Und obwohl wir mit die meisten Feiertage haben, erbringen unsere Schüler mit die besten Ergebnisse.» Auch Baden-Württemberg hat längst klargemacht, dass es keine Änderungen will. Die beiden Süd-Länder starten stets als letzte in die Ferien.

Konkret wollen Berlin und Hamburg erreichen, dass die Ferientermine aller Länder in Zukunft zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen. Die neue Regelung solle auch sicherstellen, dass die Schuljahre möglichst gleich lang sind. Das bringe mehr Kontinuität in den Schuljahresablauf, so die Begründung. Außerdem bekämen Länder, die schon im Juni in die Ferien müssten, Zeitprobleme mit Prüfungen.

Andere befürchten dagegen deutlich mehr Stress, wenn der Zeitkorridor verkleinert wird - und Einbußen für die Tourismusbranche. «Aus touristischen, aber auch aus bildungspolitischen Gründen spricht viel für die bisherige Regelung», sagt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Wichtig sei, dass sich die Bundesländer weiterhin abstimmten. «Das hat in der Vergangenheit einigermaßen vernünftig geklappt, und ich bin zuversichtlich, dass das auch in Zukunft wieder klappen wird.»

Ähnlich sieht das Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD): «Wir wollen, dass es weiterhin einen weiter gefassten zeitlichen Rahmen gibt. Das ist gut für den Tourismus, vor allem aber hilft es Familien mit Schulkindern. Denn wenn sich der Zeitraum verkürzt und alle in Deutschland fast zur gleichen Zeit Ferien haben, dann wird der Familienurlaub ganz sicher teurer.» Aus Sicht von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprechen auch noch andere Gründe für einen breiteren Ferienkorridor - «etwa ‎dass der Verkehr zu Ferienbeginn nicht zusammenbricht wie in Frankreich».

«Also ich glaube, dass das bisherige System alles in allem kein schlechtes ist», sagt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). «Wir kommen damit gut klar.» Das gelte auch für Hotellerie und Gastgewerbe. «Wir tun gut daran, wenn wir nicht in vier oder sechs Wochen sozusagen eine 200 Prozent Auslastung haben und die Leute dann kein Zimmer kriegen, und in der restlichen Zeit kommt keiner mehr.»

Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) hat gegen eine Straffung der Sommerferien-Termine indes nichts einzuwenden. «Für die Schulen würde ein einheitlicher Ferientermin die Planungen sehr vereinfachen», sagt der SPD-Politiker. «Allein schon dadurch, dass die Schuljahre bei einem einheitlichen Ferientermin immer gleich lang wären.»

Eine schnelle Neuregelung ist ohnehin nicht in Sicht: Bis zum Schuljahr 2023/2024 sind die Ferientermine bereits festgelegt. Ob es danach Änderungen gibt, darüber wollen die Länder im Herbst beraten. Fachleute sollen Vorschläge vorlegen.

Thüringens Ministerpräsident Ramelow will vor allem Verlässlichkeit: «Es ist meines Erachtens für alle von Vorteil, wenn die Sommerferien langfristig geplant werden», sagt der Linken-Politiker. Für sein Land sei entscheidend, dass die Abstimmung in der Kultusministerkonferenz einvernehmlich erfolge.

Ferienplan der Kultusministerkonferenz bis 2024

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