Belästigungsvorwürfe

Britischer Verteidigungsminister Fallon tritt zurück

+
Michael Fallon ist nicht länger britischer Verteidigungsminister. Foto: Leon Neal

Michael Fallon soll 2002 einer Journalistin bei einem Dinner ans Knie gefasst haben. Die hatte den Vorfall längst abgehakt, doch die aktuelle Debatte um Hollywood-Mogul Weinstein brachte ihn ans Licht.

London (dpa) - Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon ist zurückgetreten. Das teilte die britische Regierung mit. Der konservative Politiker war in der Debatte über sexuelle Belästigung durch Politiker in Großbritannien unter Druck geraten.

Fallon soll 2002 bei einem Dinner einer Journalistin wiederholt ans Knie gefasst haben. Die Frau hatte den Vorfall gelassen genommen und twitterte: "Meine Knie blieben intakt." Trotzdem nahm Fallon nun seinen Hut.

Viele der veröffentlichten Vorwürfe seien falsch, beharrte der Minister. Gleichwohl sei er "in der Vergangenheit hinter den hohen Standards zurückgeblieben, die wir an die Streitkräfte stellen", begründete Fallon seinen Rückzug aus dem Kabinett in einem Schreiben an Premierministerin Theresa May. Seinen Parlamentssitz wolle er aber behalten.

Fallon gilt als enger Verbündeter von Regierungschefin May. Er hatte den Posten als Verteidigungsminister seit 2014 inne. Von 2010 bis 2012 war Fallon stellvertretender Vorsitzender der britischen Konservativen. Fallons Rücktritt erhöht den Druck auf Mays Kabinettschef Damian Green. Auch er soll einer Frau ans Knie gefasst haben, streitet die Vorwürfe aber ab.

Der Zeitung "Times" zufolge zirkuliert unter Mitarbeitern der konservativen Fraktion des britischen Unterhauses eine Liste mit fast 40 Abgeordneten, darunter mehrere Regierungsmitglieder, gegen die es Vorwürfe wegen "unangemessenen Verhaltens" geben soll.

Ausgelöst wurde die Debatte über sexuelle Belästigung in Großbritannien durch Vorwürfe gegen den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein. Premierministerin May hatte diese Woche wirkungsvollere Maßnahmen gegen sexuelle Übergriffe im Parlament gefordert.

May lobte ihren bisherigen Verteidigungsminister am Abend in einem Antwortschreiben: In seiner Amtszeit habe er dazu beigetragen, dass die britischen Streitkräfte im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) erfolgreich waren und mehr als drei Millionen Menschen aus den Fängen der islamistischen Fundamentalisten befreit werden konnten, hieß es in dem Brief der Regierungschefin an Fallon.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Brasiliens Ex-Präsident Lula droht lange Haft

Er könnte wieder Brasilien regieren - oder für viele Jahre ins Gefängnis gehen: Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva erwartet heute sein Berufungsurteil in einem …
Brasiliens Ex-Präsident Lula droht lange Haft

Abschiebeflug nach Kabul gestartet - acht Asylbewerber aus Bayern

Erneut ist ein Sammelflug mit angelehnten Asylbewerbern in Richtung Kabul gestartet. In Afghanistan herrscht eine verschärfte Sicherheitslage - und das rief Proteste …
Abschiebeflug nach Kabul gestartet - acht Asylbewerber aus Bayern

Abschiebeflug nach Kabul mit 19 Asylbewerbern gestartet

Weiterhin werden abgelehnte Asylbewerber aus Deutschland nach Afghanistan abgeschoben. Ein neuer Abschiebeflug ist gestartet - mit erheblich weniger Afghanen an Bord als …
Abschiebeflug nach Kabul mit 19 Asylbewerbern gestartet

CIA: Beunruhigender Bericht über Nordkoreas Atom-Ambitionen

CIA-Chef Mike Pompeo hat in einer Rede in Washington über einen Bericht über die Atomwaffen-Ambitionen von Nordkorea gesprochen.
CIA: Beunruhigender Bericht über Nordkoreas Atom-Ambitionen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.