Roth findet Entscheidung „absolut richtig“

Bundespresseball: Gauck mit Wehmut - AfD nicht eingeladen

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Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt.

Berlin - Die nicht eingeladene AfD und Gaucks Gesundheit waren schon vor dem Beginn des 65. Bundespresseballs erste Themen dieses gesellschaftlichen Ereignisses in der Hauptstadt. Abends ging es dann auch noch um schlafende Babys.

Bundespräsident Joachim Gauck wirkte noch etwas erschöpft. Am Donnerstag hatte er wegen eines Infekts alle Termine absagen lassen, doch am Freitag bestimmte wieder der Terminkalender den Tag. Und dazu gehörte auch der Besuch des abendlichen Bundespresseballs im Berliner Hotel Adlon, den ersten Walzer des Abends inklusive. Zur Frage nach der Gesundheit sagte er kurz nach der Ankunft gut gelaunt: „Ich bin ganz gut wieder drauf, also es wird schon gehen mit dem Tanzen.“

Den ersten Tanz des Abends absolvierte Gauck trotz des Infekts souverän. „Es hat Spaß gemacht wie immer“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Und der letzte Walzer war dann doch - ja mit einem kleinen Anflug von Wehmut, denn sonst spür' ich die noch nicht, weil ich zu viel zu tun habe, aber diesmal war's dann doch so“, sagte der Bundespräsident. Im nächsten Jahr wird voraussichtlich Frank-Walter Steinmeier als Gaucks Nachfolger diesen Eröffnungswalzer übernehmen.

Und dann ging es auch schon durch die Menge der Gäste aus Medien, Wirtschaft und Politik zum Dinnersaal. Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt posierten geduldig für die Fotografen mit Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) und der Schauspielerin Uschi Glas. 

Dem Blitzlichtgewitter um Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer, der am Donnerstag noch als Zeuge vor einem Untersuchungsausschuss in Berlin zu sogenannten „Cum-Ex“-Geschäften ausgesagt hatte, entkamen sie knapp.

Mehr als 2000 Gäste feierten am Freitagabend im Adlon am Brandenburger Tor. Der 65. Ball stand unter dem Motto Rückblick und Zeitreise und erinnerte an die Pressebälle seit den 50er Jahren in Bonn, Bad Neuenahr und Berlin. Rock'n'Roll, Swing, Disco und moderner Rock wurden in diversen Räumen der ersten beiden Etagen des Adlons gespielt - Techno ließ man angesichts von Abendkleidern und Smokings wohlweislich weg.

AfD nicht eingeladen

Eines der Themen am Roten Teppich war die AfD, die anders als im vergangenen Jahr vom den Veranstaltern, den Hauptstadtjournalisten der Bundespressekonferenz, nicht eingeladen war. „Absolut richtig“, sagte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) im rot-schwarzen Umhang. „Das ist ein Fest der Journalisten. Und wer unsere freie Presse dermaßen beschimpft, muss eben draußen bleiben.“

Der Ex-Fußballer Arne Friedrich, der inzwischen im Marketing unterwegs ist, posierte vor den Fotografen wie ein Bodybuilder. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kam im dunkelblau schimmernden Anzug mit Krawatte. Gesundheitsminister Hermann Gröhe und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (beide CDU) waren mit ihren Ehefrauen da.

Modern, pragmatisch und feierfreudig argumentierte eine der wenigen SPD-Vertreterinnen. Familienministerin Manuela Schwesig trug ein schwarzes Kleid, in der oberen Hälfte mit Pailletten besetzt („Ich hatte wenig Zeit, bin rein ins Kaufhaus, gekauft, und wieder raus“). Im vergangenen Jahr kam sie noch schwanger mit Babybauch, nun sagte sie: „Ich hoffe, dass alles gut klappt und dass unsere kleine Julia oben gut schläft.“ Das acht Monate alte Baby schlief ein paar Etagen über den Feiernden in einem der Hotelzimmer. „Der große Bruder (9) passt auf und ruft uns an, wenn was ist.“

Überhaupt kam der Ball trotz der gediegenen Hotelatmosphäre recht locker rüber. Tätowierungen waren auf dem Roten Teppich keine völlige Seltenheit mehr und auch manche Köche an der Austernbar hatten Tattoos bis zum Handgelenk - in Berliner Szene-Restaurants schon seit längerem unabdingbar für die Küchenbesetzung.

Das Essen war sowohl beim Menü wie an den Büfetts zum Teil „saisonal und regional“ - ganz nach der aktuellen Gastro-Mode. Rind, Wild und Gemüse aus Brandenburg, Fisch aus der Ostsee. Für andere Geschmäcker gab es Sushi und Meeresfrüchte.

Bis in die frühen Morgenstunden hielten es die letzten der Gäste im Adlon aus. Unter einigen Tischen standen zu der Zeit schon Damenschuhe, auf der Tanzfläche war es barfuß bequemer. Gewundert hatten sich manche im Lauf des Abends nur über neue Einlassregelungen, bei denen jeder Gast ein graues Bändchen um das Handgelenk erhielt. „Sind wir jetzt im Robinson Club?“, beschwerten sich einige Besucher - wurden das reißfeste Band aber trotzdem nicht los.

dpa

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