Bundestagswahl 2021

Scholz düpiert Baerbock, Schlappen für AKK, Altmaier und SPD-Chefin: Die wichtigsten Wahlkreise im Überblick

Bundestagswahl 2021: Annalena Baerbock und Olaf Scholz lieferten sich in Potsdam ein Rennen um die Erststimmen.
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Bundestagswahl 2021: Annalena Baerbock und Olaf Scholz lieferten sich in Potsdam ein Rennen um die Erststimmen.

In 299 deutschen Wahlkreisen ging es bei der Bundestagswahl um Direktmandate. Dabei kam es zu einigen interessanten Duellen - unter anderem Scholz gegen Baerbock in Potsdam.

Potsdam - Es gibt wenige Orte in Deutschland, an denen der Wahlkampf zur Bundestagswahl* derart stark greifbar war wie in Brandenburg. Denn in der Hauptstadt Potsdam traten sowohl Olaf Scholz* (SPD) als auch Annalena Baerbock* (Grüne) als Bundestagskandidaten an. Das Direktmandat ging klar an den SPD-Politiker. Interessant sind auch weitere der insgesamt 299 Wahlkreise. Ein Überblick.

Bundestagswahl in Potsdam: Scholz entscheidet „Kanzlerduell“ mit Baerbock klar für sich

Olaf Scholz hat den Wahlkreis 61 klar für sich entschieden. Der momentane Vizekanzler sicherte sich mit 34,0 Prozent klar auf Kurs Direktmandat. Annalena Baerbock holte die zweitmeisten Stimmen im Wahlkreis, kommt mit 18,8 Prozent allerdings auf deutlich weniger Stimmen als Scholz. Das direkte Duell mit Baerbock entscheidet Scholz damit klar für sich. Die frühere CDU-Landeschefin Saskia Ludwig, die Abgeordnete im Bundestag und im Landtag ist, erreichte mit 13,8 Prozent den dritten Platz.

Bundestagswahl im Norden: Habeck gewinnt Direktmandat

Besser lief es für Baerbocks Co-Parteichef Robert Habeck. Der 52-Jährige hat nach Auszählung der meisten Stimmen erstmals in Schleswig-Holstein für seine Partei ein Direktmandat gewonnen. Im Wahlkreis Flensburg-Schleswig lag Habeck am Abend mit 27,7 Prozent der Erststimmen deutlich vor der CDU-Bundestagsabgeordneten Petra Nicolaisen mit 23,9 Prozent.

Habeck zeigte sich erfreut über den Wahlsieg im Norden; „Ich bin überwältigt von dem mir entgegengebrachten Vertrauen“, sagte der Grünen-Chef. „Es ist ein Privileg den Wahlkreis 1, meine Heimat, als direkt gewählter Abgeordneter zu vertreten. Mit all meiner Kraft werde ich mich in Berlin für die Region einsetzen.“ Habeck war von 2012 bis 2018 schleswig-holsteinischer Umweltminister.

Der CDU-Bundestagabgeordnete Philip Amthor verlor in seinem Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern gegen den SPD-Politiker Erik von Malottki. Amthor landete damit nur auf dem dritten Platz - noch hinter dem AfD-Politiker Enrico Komning (24,3 Prozent).

Co-Parteichef der Grünen: Robert Habeck. Er holte in Schleswig-Holstein ein Direktmandat.

Bundestagswahl im Südwesten: Özdemir siegt - Esken bleibt ohne Direktmandat

Einen Erfolg verzeichneten die Grünen auch in Stuttgart. Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir hat das Direktmandat für die Grünen in Stuttgart geholt. Im Wahlkreis Stuttgart I setzte sich Özdemir gegen den CDU-Abgeordneten Stefan Kaufmann durch. Bis zu dieser Bundestagswahl hatten ausschließlich CDU und SPD Direktmandate in Baden-Württemberg erobert. Auch in Freiburg und Heidelberg haben die Grünen durch Chantal Kopf sowie Franziska Brantner ein Direktmandat für den Bundestag errungen.

Johannes Kretschmann, der Sohn des grünen Ministerpräsidenten, hat im Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen klar verloren. Der 43 Jahre alte Grünen-Politiker landete klar hinter dem CDU-Kandidaten Thomas Bareiß, wie das Landratsamt Sigmaringen am Sonntagabend mitteilte.

Auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken zieht ohne Direktmandat in den Bundestag. Die meisten Erststimmen in ihrem Wahlkreis Calw erhielt der CDU-Politiker Klaus Mack (48). Der Bürgermeister der Stadt Bad Wildbad errang den Angaben des Landkreises Calw zufolge nach Auszählung aller Stimmen 33,8 Prozent in der traditionellen CDU-Hochburg. Esken kam mit 17,23 Prozent auf den zweiten Platz; sie konnte damit ihr Ergebnis im Vergleich zur vergangenen Bundestagswahl leicht verbessern (2017: 16,9 Prozent). Als Spitzenkandidatin der SPD in Baden-Württemberg zieht sie über die Landesliste dennoch in den Bundestag ein.

Der bisherige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble von der CDU hat sein Direktmandat im Wahlkreis Offenburg trotz deutlicher Verluste verteidigt. Schäuble bekam dem vorläufigen Endergebnis zufolge 34,9 Prozent der Erststimmen. Bei der Bundestagswahl 2017 hatte er noch 48,1 Prozent der Erststimmen geholt, 2013 sogar 56 Prozent. Der 79 Jahre alte Schäuble ist bereits seit Ende 1972 Mitglied des Bundestags. Damit ist er das dienstälteste Mitglied des deutschen Parlaments. Nach der Geschäftsordnung des Bundestags darf er damit als Alterspräsident die konstituierende Sitzung eröffnen. 2017, als Schäuble ebenfalls dienstältestes Mitglied war, verzichtete er zugunsten des FDP-Politikers Hermann-Otto Solms auf dieses Recht. Schäuble wurde damals in der konstituierenden Sitzung zum Bundestagspräsidenten gewählt.

Bundestagswahl im Erzgebirgskreis: Ostbeauftragter verliert gegen AfD-Kandidat

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), ist bei der Bundestagswahl im Rennen um das Direktmandat seines sächsischen Wahlkreises seinem Herausforderer von der AfD unterlegen. Der AfD-Kandidat Mike Moncsek erreichte nach Angaben des Bundeswahlleiters vom Sonntagabend im Wahlkreis Chemnitzer Umland - Erzgebirgskreis II 28,9 Prozent der Erststimmen. Wanderwitz belegte hinter ihm mit 23,7 Prozent der Erststimmen Platz zwei. Da Wanderwitz auf Platz eins der Landesliste der CDU steht, zieht er aber dennoch in den neuen Bundestag ein. Ostbeauftragter der Bundesregierung ist der 45-Jährige seit Anfang vergangenen Jahres. Zuvor war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium .Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Sommer hatte Wanderwitz mit kritischen Aussagen zu den Ostdeutschen für wenig Begeisterung in der Bevölkerung gesorgt. Wurde er dafür nun abgestraft?

Bundestagswahl in Thüringen: Olympiasieger besiegt Hans-Georg Maaßen

Der umstrittene CDU-Politiker Hans-Georg Maaßen hat den Einzug in den Bundestag derweil verpasst: In seinem Wahlkreis 196, Suhl, Schmalkalden, Hildburghausen, Sonneberg (Thüringen), verfehlte der frühere Verfassungsschutzchef die Wahl per Direktmandat, wie nach Auszählung aller Wahlbezirke deutlich wurde. Demnach entfielen mit 33,6 Prozent die meisten Stimmen auf den SPD-Kandidaten Frank Ullrich, Maaßen kam auf 22,3 Prozent. Ulrich ist Ex-Biathlet und gewann bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid eine Goldmedaille. Auf der Landesliste der CDU Thüringen war Maaßen nicht aufgestellt, demnach hat er keine weitere Chance auf ein Mandat.

Bundestagswahl im Saarland: AKK verpasst Direktmandat - Maas schlägt Altmaier

Einen bitteren Abend erlebte die aktuelle Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Politikerin hat das Direktmandat ihres Wahlkreises Saarbrücken offenbar verpasst. Die 59-Jährige liegt hinter der SPD-Kandidatin Josefine Ortleb . Ortleb wird somit wohl erneut direkt in den Bundestag gewählt. Kramp-Karrenbauer (25,1 Prozent) trat jedoch auf Platz eins der Landesliste an und kann darüber in den Bundestag einziehen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat das Duell gegen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) um das Direktmandat im Wahlkreis Saarlouis gewonnen. Maas kam nach dem vorläufigen Ergebnis auf 36,7 Prozent der Stimmen, Altmaier auf 28,0, wie die Landeswahlleiterin am Sonntagabend mitteilte. Es war das bundesweit einzige Duell zweier Bundesminister um ein Direktmandat für den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2017 war es noch andersherum: Damals war Altmaier als Sieger vom Platz gegangen. Maas (55) war damals über die SPD-Landesliste in den Bundestag gerückt. Sowohl Maas als auch Altmaier kommen gebürtig aus dem Kreis. Altmaier hatte das Direktmandat in dem Wahlkreis 2009, 2013 und 2017 für die CDU gewonnen. Der 63-Jährige kann noch über die Landesliste seiner Partei in den Bundestag einziehen. Da steht er nach Kramp-Karrenbauer auf Platz 2.

Bundestagswahl in NRW: Lindner verpasst Direktmandat - Lauterbach siegt - Merz kehrt zurück

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat bei der Bundestagswahl erneut ein Direktmandat deutlich verfehlt. Der 42-Jährige kam am Sonntag im Rheinisch-Bergischen Kreis (Nordrhein-Westfalen) nach Auszählung von 308 von 309 Stimmbezirken auf 16,8 Prozent - und landete damit auf dem vierten Platz. Als Spitzenkandidat seiner Partei zieht er über die Landesliste dennoch in den Bundestag ein. Das Direktmandat in dem Wahlkreis nahe Köln gewann erneut der CDU-Politiker Hermann-Josef Tebroke mit 30,0 Prozent. SPD-Kandidat Kastriot Krasniqi kam auf 22,7 Prozent, Grünen-Kandidat Maik Außendorf erlangte 18,0 Prozent.

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach sieht sein erneut errungenes Direktmandat bei der Bundestagswahl als „ein Votum für unsere Corona-Politik“. Die Wähler hätten diese Arbeit honoriert, schrieb Lauterbach auf Twitter. Der durch die Pandemie bundesweit bekanntgewordene Gesundheitsexperte hatte seinen Wahlkreis Leverkusen - Köln IV mit 45,6 Prozent der Erststimmen zum fünften Mal gewonnen, er bleibt im Bundestag. Lauterbach hatte vor der Wahl Interesse am Posten des Bundesgesundheitsministers geäußert. Die CDU-Kandidatin Serap Güler kam auf 20,4 Prozent. Die Integrationsstaatssekretärin gilt als eine Vertraute von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet. Sie war auf Platz acht der Landesliste der nordrhein-westfälischen CDU gewählt worden. Damit ist sie nach Angaben des NRW-Landeswahlleiters vom Montag in den Bundestag gewählt.

Friedrich Merz hat nach zwölf Jahren die Rückkehr in den Bundestag geschafft. Der CDU-Politiker gewann mit 40,4 Prozent das Direktmandat im Hochsauerlandkreis und konnte damit seinen SPD-Konkurrenten Dirk Wiese mit 30,2 Prozent deutlich hinter sich lassen. "Ich nehme dieses Mandat mit Freude an", sagte der zum Zukunftsteam von CDU-Chef Armin Laschet zählende 65-Jährige in einem am Sonntagabend auf Twitter veröffentlichten Video. Merz saß bereits von 1994 bis 2009 im Bundestag. Der Finanzpolitiker war von 2000 bis 2002 Unions-Fraktionschef.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erneut sein Direktmandat für den nordrhein-westfälischen Wahlkreis Steinfurt I - Borken I verteidigt. Laut vorläufigem Wahlergebnis konnte Spahn 40,0 Prozent der gültigen Erststimmen auf sich vereinen. Der Bundesgesundheitsminister trat auf Platz vier der CDU-Landesliste an. Spahn konnte den Wahlkreis bereits in den Jahren 2002, 2005, 2009, 2013 und 2017 für sich entscheiden. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren erreichte er 51,3 Prozent der Stimmen.

Unionskanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zieht über die Landesliste der NRW-CDU in den neuen Bundestag ein. Wie der Landeswahlleiter am Montag in Düsseldorf mitteilte, sind aus der Landesliste der CDU im bevölkerungsreichsten Bundesland elf Abgeordnete gewählt worden. Laschet war auf Platz eins der Liste platziert. In seiner Heimatstadt Aachen hatte er darauf verzichtet, als Direktkandidat anzutreten.

Bundestagswahl in Rheinland-Pfalz und Hessen: Klöckner und Braun ohne Direktmandate

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner erreichte im Wahlkreis Kreuznach in Rheinland-Pfalz laut Landeswahlleiter nur 29,1 Prozent - und verlor damit gegen den Konkurrenten von der SPD.

Keine Chance auf ein Mandat hat auch Kanzleramtschef Helge Braun, der in seinem hessischen Wahlkreis Gießen 29,6 Prozent der Erststimmen bekam.

Karl Lauterbach hat in NRW ein Direktmandat gewonnen.

Bundestagswahl: Linke holt drei Direktmandate - Gisy, Lötzsch und Pellmann ziehen in Bundestag ein

Die Linke hat mindestens drei Direktmandate bei der Bundestagswahl geholt. Sie wird deshalb auch dann im neuen Bundestag wieder in Fraktionsstärke vertreten sein, wenn sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern sollte.

Die Abgeordneten Gregor Gysi und Gesine Lötzsch in Berlin sowie Sören Pellmann in Leipzig verteidigten ihre Direktmandate, wie die Auszählung aller Stimmen in ihren Wahlkreisen ergab. Dagegen verlor die Berliner Abgeordnete Petra Pau ihr Direktmandat; und nach Auszählung fast aller Erststimmen galt das auch für das bisherige fünfte Direktmandat der Linken, ebenfalls in Berlin.

Damit ist es nun unerheblich, ob die Linke mit ihrem Zweitstimmenergebnis die Fünf-Prozent-Hürde nimmt. In den letzten Hochrechnungen von ARD und ZDF lag sie bei 4,9 Prozent. Hintergrund ist die sogenannte Grundmandatsklausel: Erreicht eine Partei drei oder mehr Direktmandate, erfolgt eine Mandatsvergabe nach Zweitstimmenergebnis, auch wenn dieses unter fünf Prozent liegt. (as/cg mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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