Von der Leyen bricht Termin ab

Zwei Bundeswehrsoldaten bei Hubschrauber-Absturz in Mali ums Leben gekommen

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Bei der in Mali verunglückten Bundeswehr-Maschine soll es sich um einen Kampfhubschrauber des Typs Tiger handeln.

Bei dem Absturz eines Kampfhubschraubers in Mali sind zwei Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen. Das teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr am Mittwochabend mit. 

Berlin -  Die Absturzursache ist noch ungeklärt. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung lägen bisher nicht vor, sagte der Stellvertreter des Generalinspekteurs, Vizeadmiral Joachim Rühle. Es handelt sich um die ersten Todesfälle der Bundeswehr in einem Auslandseinsatz seit fast zwei Jahren. Der Vorfall mache „unendlich traurig“, sagte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Berlin. Sie wollte am Abend keine Fragen von Journalisten beantworten. Von der Leyen hatte laut Informationen des Starnberger Merkur am Mittwochnachmittag aufgrund der Katastrophe in Mali ihren Besuch in der Kaserne in Pöcking (Landkreis Starnberg) abgebrochen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reagierte mit großer Trauer auf die Nachricht aus Mali. „Meine besondere Anteilnahme und mein Mitgefühl gelten den Familien der Verstorbenen und allen, die ihnen nahe standen“, erklärte Steinmeier. Mit der Beteiligung an der Friedensmission der Vereinten Nationen Minusma leiste Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung Malis. „Dieser tragische Vorfall zeigt einmal mehr, mit welchem hohen persönlichen Risiko der Einsatz unserer Soldatinnen und Soldaten verbunden ist.“

Der Tiger sei gegen 14.20 Uhr mitteleuropäischer Zeit 70 km nördlich von Gao abgestürzt, sagte Rühle. Der Hubschrauber sei ausgebrannt, es habe keinen Notruf aus der Unglücksmaschine gegeben. Kräfte der UN-Mission wurden zur Absturzstelle beordert. Die Familienangehörigen der beiden Soldaten wurden informiert. Die Untersuchungen zu dem Vorfall dauern an.

Der Pilot eines zweiten Tigers, der unmittelbar hinter der Unglücksmaschine flog, berichtete nach Informationen des „Spiegel“, der Tiger sei „urplötzlich und ohne einen Notruf mit der Nase nach vorne abgekippt und dann sofort im Sturzflug zu Boden gegangen“.

Es sind die ersten Todesfälle von Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz seit 2015. Mali gilt seit längerem als der derzeit gefährlichste Einsatz der Truppe. Bislang waren die deutschen Soldaten dort aber verschont geblieben. An der Mission beteiligen sich derzeit 875 Bundeswehr-Soldaten. Die Truppe ist in der ehemaligen Rebellenhochburg Gao stationiert.

Der die Unglücksmaschine begleitende, zweite Hubschrauber meldete den Absturz, wie Rühle berichtete. „Der abgestürzte Hubschrauber ist ausgebrannt, es gab keine Überlebenden.“ Ein Expertenteam der Bundeswehr sei für die Ursachenforschung am Donnerstag in Gao, dabei gehe es unter anderem um die Auswertung des Flugunfallschreibers. Der Routine-Flugbetrieb der Tiger werde bis auf Weiteres ausgesetzt. „Für den Einsatzflugbetrieb werden nur Aufträge ausgeführt, bei denen Leib und Leben einen Einsatz unbedingt erfordern. Die Entscheidung wird in jedem Einzelfall vor Ort getroffen“, sagte Rühle.

Von der Leyen brach wegen des Unglücks ihre Sommerreise im oberbayerischen Pöcking ab und flog früher nach Berlin zurück. Sie sprach von der traurigen Gewissheit, dass „zwei Soldaten der Bundeswehr im Dienst für unser Land ihr Leben gegeben haben“. Der Tod der Soldaten zeige „ein weiteres Mal, wie viel unsere Männer und Frauen im Einsatz zu geben bereit sind“. Die Bundeswehr stehe an der Seite der Angehörigen und trauere mit ihnen. Von der Leyen sagte, sie verneige sich „vor den Leistungen und dem Opfer“ der verunglückten Soldaten. Sie habe mit Kanzlerin Angela Merkel telefoniert, Merkel habe sie gebeten, ihr tief empfundenes Mitgefühl zu übermitteln.

Die Untersuchungen hätten gerade erst begonnen, sagte die Ministerin. Von der Leyen bat um Verständnis, dass „mit der gebotenen Ruhe und in aller Sorgfalt“ die Absturzursache aufgeklärt werde. Technisches Versagen des Hubschraubers als Unfallursache könnte sie politisch unter Druck setzen. Sie hatte in ihrer Amtszeit immer wieder die Bedeutung guter Ausrüstung der Soldaten im Einsatz betont. Laut einer Mitteilung von Minusma deuteten erste Erkenntnisse auf technisches Versagen als Ursache des Absturzes hin.

Die Mission Minusma der Vereinten Nationen (UN) soll zur Stabilisierung Malis und zur Umsetzung eines Friedensabkommens beitragen. Nach Angaben der Bundeswehr umfasst sie derzeit rund 13 000 Blauhelm-Soldaten und knapp 2000 Polizisten. Die Bundeswehr kann sich mit bis zu 1000 Soldaten an dem Einsatz beteiligen, das Mandat erlaubt auch den Einsatz von Waffen.

Der Norden Malis war 2012 vorübergehend in die Hände islamistischer Extremisten und anderer Rebellengruppen gefallen, sie konnten aber nach einer Intervention französischer Streitkräfte zurückgedrängt werden. Gruppierungen wie Al-Kaida terrorisieren den Norden Malis schon lange. Extremisten greifen dort immer wieder UN-Friedenstruppen und malische Streitkräfte an. Es kommt aber auch zu Anschlägen im Zentrum und Süden, etwa im November 2015, als Terroristen das Radisson-Hotel in Bamako angriffen und rund 20 Menschen töteten.

Die Hessische Niedersächsische Allgemeine hat über den Vorfall bereits berichtet: Das Kampfhubschrauberregiment 36 „Kurhessen“ ist Teil der Division Schnelle Kräfte des deutschen Heeres und als ein fliegender Kampfverband speziell für die Panzerabwehr ausgerüstet. Heimatstandort ist die Georg-Friedrich-Kaserne auf dem Heeresflugplatz in Fritzlar.

Vier Tiger-Kampfhubschrauber der Bundeswehr sind in Mali im Einsatz, sie waren im Frühjahr in Fritzlar für den Einsatz in Westafrika verladen worden. Außerdem sind vier NH90-Transporthubschrauber dort, etwa um Verwundete auszufliegen.

Mit dem Tiger gab es immer wieder Probleme. Zuletzt fehlten Piloten, um das Gerät zu fliegen. Der „Expertiseverlust“ werde zunehmend zu einem „flugsicherheitsrelevanten Thema“, hieß es im Juni in einem internen Bericht des Kommandos Heer, aus dem der „Spiegel“ zitiert hatte. Eine Handvoll Piloten werde für alle Übungs- und Schießvorhaben sowie Einsätze und einsatzgleiche Verpflichtungen herangezogen. Sie würden der hohen zeitlichen Belastung nicht mehr standhalten, hieß es in dem Bericht.

Bedenken gab es auch wegen der Einsatzbereitschaft der Hubschrauber in der westafrikanischen Hitze. Der Inspekteur des Heeres hatte eine Ausnahmegenehmigung für den Flug unter hohen Temperaturen erteilt, bevor sie am 1. Mai einsatzbereit gemeldet wurden. Zunächst galt eine maximale Temperaturobergrenze von 43,26 Grad Celsius für den Start der Hubschrauber. Dieser Maximalwert, der sich je nach Luftdruck und Flughöhe berechnet, wurde für den Einsatz in Mali um fünf Grad angehoben.

dpa

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