„Dear The Times ...“

Wehrmacht-Comeback? Zeitung „Times“ blamiert sich - AKK-Ministerium antwortet cool

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Die Bundeswehr hat ein Stiefel-Problem - die „Times“ eines mit ihrer Social-Media-Abteilung.

75 Jahre nach dem endgültigen Aus für die Wehrmacht hat die britische Times eine Peinlichkeit geleistet. Feiner Spott kam aus dem Verteidigungsministerium.

London - In Großbritannien ticken die Uhren anders. Das zeigt sich beim Brexit - aber dann und wann auch im Netz. Der britischen Traditionszeitung The Times ist nun ein kapitaler Flop auf Twitter unterlaufen: In einem Post zu einem Artikel über die Bundeswehr hat das Blatt spontan die Wehrmacht wiederbelebt. Und bekam tatsächlich unmittelbar eine lockere Antwort aus dem Verteidigungsministerium.

„Deutschlands 183.000 Wehrmacht-Soldaten sehen einer 18-monatigen Wartezeit auf neue Stiefel entgegen“, erläuterte die Social-Media-Abteilung am Mittwochabend ihren Twitter-Followern den Inhalt eines Artikels.

Am nächsten Morgen nahmen sich Annegret Kramp-Karrenbauers Social-Media-Experten der Sache an. In Form eines kühlen Konters: „Liebe Times, die Wehrmacht kann ohne Probleme noch weitere 75 Jahre auf neue Stiefel warten. Für unsere Bundeswehr-Soldaten hätten wir die zusätzlichen Stiefel gerne früher.“

Times blamiert sich mit Wehrmacht-Post - Neues Bundeswehr-Stiefelproblem war am Mittwoch durchgesickert

Der Hintergrund der Twitter-Verwirrung: Die Soldaten der Bundeswehr müssen einem Medienbericht zufolge deutlich länger als geplant auf neue Stiefel warten. Das ging aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Abgeordneten Marie-Agnes Strack-Zimmermann hervor, über die der Tagesspiegel berichtete. „Die vollständige Umsetzung des neuen Kampfschuhsystems Streitkräfte wird nach derzeitiger Planung bis zum Ende des zweiten Quartals 2022 abgeschlossen sein“, heißt es darin.

Dem Bericht zufolge hätten alle Angehörigen der Streitkräfte eigentlich bereits bis Ende 2020 neue Schuhe erhalten sollen. „Aufgrund begrenzter Produktionskapazitäten der Industrie ließ sich dieser Zeitansatz jedoch nicht halten“, hieß es auf Anfrage der Zeitung aus dem Ministerium. Wie viele Bundeswehrangehörige heute bereits neue Schuhe haben, sagte die zuständige Sprecherin laut Tagesspiegel nicht. Demnach verfügen „derzeit erst einige“ über einen vollständigen neuen Kampfschuhsatz. 

Bei dem Interview, das Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) jetzt zu seiner Zeit als Verteidigungsminister gab, ging es auch um die Ausrüstung der Soldaten – er rechnete dabei mit Angela Merkel ab.

Bundeswehr muss auf Schuhe warten - Wechsel seit 2016 in Planung

Der Wechsel vom „Ganzjahresschuh“ auf zwei Paar vom „Kampfschuh, schwer“ und ein Paar vom „Kampfschuh, leicht“ ist dem Zeitungsbericht nach seit 2016 geplant. Dem Schreiben an Strack-Zimmermann zufolge haben inzwischen zwar gut 160 000 der knapp 183 000 Soldaten ein erstes Paar des schweren, schwarzen Kampfschuhs - das zweite fehlt aber noch. Den leichten Schuh haben demnach nur gut 31 000 Soldatinnen und Soldaten. Das Ministerium stellte am Mittwoch klar, die spätere Auslieferung beeinträchtige Auftragserfüllung „in keinster Weise“.

Strack-Zimmermann kritisierte hingegen, dass die Ausrüstung der gesamten Truppe mit den neuen Schuhen so lange dauere. „Das ist schließlich keine Frage der Mode, sondern eine der Sicherheit“, sagte die Verteidigungspolitikerin. „Man stelle sich vor, Feuerwehrleute würden Brände in Pantoffeln löschen.“

Eher unsouverän löschte übrigens die Times den kleinen Brand auf ihrem Twitter-Account und das buchstäblich: Die Zeitung ließ ihren Post kommentarlos verschwinden.

In Deutschland war zuletzt vor allem über Bahn-Freifahrten für Bundeswehr-Soldaten debattiert worden - die Neuerung zählte zu den ersten Forderungen der frischgebackenen Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer. Auch ein Aufmarsch von Bundeswehr-Soldaten vor dem Brandenburger Tor sorgte im August für Irritationen. Die Bundeswehr-Kommandeure sollen bei Ausrüstungsmängeln selbst tätig werden. Deshalb wird ihnen einem Bericht zufolge eine Geldsumme zur Verfügung gestellt. In Berlin ist ein Bundeswehr-Soldat in Uniform unterdessen Opfer einer Attacke geworden - offenbar aus schockierendem Grund.

fn/dpa

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