Trotz Rechtsanspruchs

Bundesweit fehlen fast 300.000 Krippenplätze

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Hunderte Eltern standen am Wochenende in Leipzig nach einem Kita-Platz einer Kindertagesstätte an, die im August 2017 eröffnet werden soll.

Berlin - Eigentlich haben Kinder seit Jahren Anspruch auf eine professionelle Betreuung. Und immer mehr Eltern entscheiden sich, früh wieder zurück in den Job zu gehen. Doch das klappt oft nicht wie geplant.

In Deutschland fehlen laut einem Medienbericht fast 300.000 Krippenplätze. In den alten Bundesländern gibt es 262.436 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zu wenig, in Ostdeutschland müsste es 31.050 Plätze mehr geben.

Das schreibt die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Seit 2013 haben Eltern darauf einen Rechtsanspruch.

Besonders viele Eltern suchen demnach in Nordrhein-Westfalen vergeblich eine Betreuung für ihr Kind: Mütter und Väter von 16,2 Prozent aller Kinder in diesem Alter, für die ein Bedarf besteht, fänden dort keinen Platz. Das entspreche 77.459 fehlenden Plätzen.

In Bremen beträgt die Betreuungslücke dem Bericht zufolge sogar 20,2 Prozent (3763 Plätze). In Rheinland-Pfalz und Bayern sei die Quote ähnlich hoch - dabei war dort im Jahr 2015 die vom IW ermittelte Quote noch mit 9,5 Prozent die zweitbeste in Westdeutschland.

In absoluten Zahlen vergrößerte sich in Bayern die Betreuungslücke am stärksten. Dort fehlten 2016 gut 52.000 Plätze, um die Betreuungswünsche der Eltern zu erfüllen - 2015 waren es nur gut 33.000 fehlende Plätze. In Nordrhein-Westfalen gab es einen ebenfalls kräftigen Anstieg von gut 64.000 Plätzen auf rund 77.500.

Bedarf an Kitaplätzen wird weiter steigen

Zu den Gründen für den Mangel sagte IW-Ökonom Wido Geis dem Blatt: "Frühkindliche Betreuung wird nicht mehr so negativ gesehen. Immer mehr Frauen wollen immer früher zurück in den Job, deshalb sind Familien früher auf Betreuung angewiesen." Nach seinen Berechnungen wird der Bedarf an Kitaplätzen weiter steigen. "Deutschland braucht mehr als eine Millionen Plätze - im letzten Jahr lagen wir gerade mal bei 720.000 Plätzen".

Im Dezember hatten laut IW bundesweit rund 228.000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gefehlt. Ein neues Investitionsprogramm soll bis zum Jahr 2020 für 100.000 zusätzliche Kita-Plätze sorgen. Damit sollen die Ausbauhilfen des Bundes für die Jahre bis 2020 um mehr als 1,1 Milliarden Euro aufgestockt werden. Allein für das laufende Jahr stehen damit laut Bundesfamilienministerium insgesamt fast 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Reaktionen

Die Grünen-Familienpolitikerin Franziska Brantner nannte die Zahlen einen Beweis "für die halbherzige Familienpolitik der großen Koalition". "Ein Rechtsanspruch allein reicht nicht aus - nötig sind vor allem Investitionen in den Ausbau der Kitainfrastruktur."

Der Linken-Experte Norbert Müller forderte "ein Kitaqualitätsgesetz mit einer stärkeren Beteiligung des Bundes an den Kitakosten". "Gleichzeitig muss die Erzieherausbildung besser gefördert werden", erklärte er.

Die Präsidentin des Deutschen Städtetags, Eva Lohse, forderte von Bund und Ländern zusätzliche Mittel. Die Städte würden solange weitere Plätze schaffen, bis alle Kinder versorgt seien, sagte Lohse der "Saarbrücker Zeitung" laut einer Vorabmeldung. "Damit das gelingt, müssen Bund und Länder die Kinderbetreuung weiter finanziell fördern."

In einer gemeinsamen Erklärung forderten derweil 30 Organisationen bundesweit einheitliche Qualitätsstandards für Kitas. Auf den zu begrüßenden, eingeschlagenen Weg zur Verbesserung der Qualität müssten nun weitere Schritte mit konkreten Zielen, die auch die Finanzierung beinhalten, folgen, erklärte das Zukunftsforum Familie für die Organisationen.

dpa/afp

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