Nachwuchsmangel

CDU-Politiker gibt den Pflegekräften die Schuld - riesiger Aufschrei im Netz

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CDU-Politiker Erwin Rueddel (links)

Großer Shitstorm für CDU-Politiker Erwin Rueddel: Er hatte via Twitter indirekt mitgeteilt, dass die Pflegekräfte selbst Schuld hätten an dem Nachwuchsmangel. Denn er bemängelt ein gewisses Detail. Die Reaktionen im Netz sind dabei eindeutig.

Berlin - Licht und Schatten in der deutschen Pflegelandschaft: Die Krankenkassen beklagen schon seit geraumer Zeit über die schlechte Versorgung von Pflegebedürftigen. Das ging aus dem Qualitätsbericht des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen und ihres Medizinischen Diensts (MDS) für 2016 hervor. Für viele ist klar, dass die Versorgung von Pflegebedürftigen deshalb so mangelhaft ist, weil es nicht genügend Nachwuchs an Pflegekräften gibt.

Mit einem Tweet zum Thema Nachwuchsmangel setzt der CDU-Politiker Erwin Rueddel jetzt den Vogel ab: Er gibt indirekt den Pflegekräften selbst die Schuld an dem vorherrschenden Mangel. Er schreibt: „#Deal: Politik handelt konsequent und #Pflegende fangen an, gut über die #Pflege zu reden. Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es beginnen #gutezeitenfürgutepflege.“

Motto: Berichtet positiv, dann wird alles gut

Sein Credo also: Würden die Pflegekräfte positiv über ihre Arbeit sprechen, hätten auch mehr Leute Lust einen solchen Beruf anzufangen. Ob dem wirklich so ist?

Die Reaktionen im Netz zeigen, dass die Meinung des CDU-Politikers gar nicht gehen: „Pflegekräfte reden schon immer gut über ihren schönen, abwechslungsreichen und sinnstiftenden Beruf. Nicht schönreden kann man die desaströsen Arbeitsbedingungen zu denen Sie und Ihre Kollegen beigetragen haben“, schreibt ein User. Ein anderer meint: „CDU-Politiker gehen später nur in investorengesteuerte Heime, der Markt wird euch dann schon richten.“

Auch andere Kommentare zeigen, dass sie eindeutig gegen den „Deal“ von Politiker Erwin Rueddel sind und dass seine Äußerungen an der Realität vorbeigehen: „Mit dieser Aussage zeigen Sie wie wenig Ahnung Sie von der Realität haben. Die Gesetze der letzten Legislatur waren für den Mülleimer. Wir wissen wie es besser ginge, aber das wird Geld kosten. Warum sollte die Pflege diese Politik loben? Die Personalbesetzung ist nicht besser“ schimpft ein User. Auch ein anderer meint: „Sie schlagen uns ein Deal vor? Echt jetzt? Was ist, wenn wir gar nicht gut über die Pflege reden können? Wir dann die Politik inkonsequent handeln? Sie binden also das Wirken der Politik an unser Tun? Das macht mich fassungslos, mit welchen Botschaften Sie agieren.“

Angestellte aus dem Pflegeberuf starteten deshalb sogar eine eigene Twitter-Kampagne namens #twitternwierueddel. Sie nutzen den Hashtag um die wirklichen Missstände des Berufes aufzuzeigen. Auch Gregor Gysi (Die Linke) twittert mit: 

Union und SPD will die Situation von Fachkräften und Angehörigen verbessern

Sie einigten sich bei ihren Koalitionsverhandlungen auf ein Maßnahmenpaket, das höhere Löhne, mehr Personal und weniger Bürokratie bei der Beantragung von Leistungen vorsieht. Streit gibt es über die SPD-Forderung nach dem Aus für die sachgrundlose Befristung. In der Pflege soll es durch gesetzliche Änderungen künftig schneller möglich sein, einen Tarifvertrag für allgemeinverbindlich zu erklären. Zudem soll es ein Sofortprogramm für 8000 zusätzliche Pflegekräfte geben. Die daraus resultierenden Mehrkosten sollten aber nicht zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Zudem sind Erleichterungen bei der Beantragung von Leistungen geplant. Für Kurzzeit-, Verhinderungs-, Tages- und Nachtpflege gibt es künftig einen Antrag für alles, wie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hinzufügte. "Wir erleichtern es den Beteiligten, die richtige Form der Pflege im richtigen Maß zu bekommen."

Verbände kritisieren Einigung von Union und SPD zur Pflege

Pflegeverbände haben die Einigung von Union und SPD auf Verbesserungen in der Pflege als nicht weitreichend genug kritisiert. Der Paritätische Wohlfahrtsverband begrüßte zwar die Verständigung auf die Einführung flächendeckender Tarifverträge, doch müsse dies auch auf die häusliche Krankenpflege ausgeweitet werden. Die angekündigten 8000 neuen Stellen in der Pflege dürften nur ein Einstieg sein. Mittelfristig würden rund 100.000 zusätzliche Pflegekräfte gebraucht. Eine Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen darf nach Ansicht des Paritätischen nicht auf Kosten der Pflegebedürftigen gehen. Der Verband fordert eine gesetzliche Regelung, dass die Pflegeversicherung künftig grundsätzlich mindestens 85 Prozent der Kosten übernehme und der Eigenanteil der Pflegebedürftigen damit auf 15 Prozent gedeckelt werde.

nm/afp

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