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Corona-Ursprungsort Wuhan: Neue Studie stützt Tiermarkt-These - Erstmals wieder Lockdown

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Von: Christiane Kühl

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Arbeiter in Schutzkleidung tragen eine Tasche in der sich ein Riesensalamander befindet, der vom Huanan Seafood Market entkommen sein soll.
Corona-Ursprung in Wuhan: Arbeiter in Schutzkleidung tragen eine Tasche mit einem Riesensalamander, der vom Huanan-Tiermarkt entkommen sein soll (Archivbild von Januar 2020). © picture alliance/dpa/CHINATOPIX/AP

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie müssen Menschen in Wuhan wieder in Quarantäne. Zwei neue Studien stützen unterdessen die These, dass das Virus aus dem Huanan-Tiermarkt der Stadt stammt.

Wuhan/München – Wuhan kennt inzwischen jeder: Die Stadt war Anfang 2020 der Ursprungsort einer mysteriösen Krankheit, die wenig später die ganze Welt überrollte. Und Wuhan war auch die erste Stadt der Welt, die einen kompletten Lockdown erlebte. Wochenlang harrten die Menschen in ihren Wohnungen aus, ließen sich Essen bringen oder sangen auf den Balkonen, um einander Mut zu machen – während in den Krankenhäusern Tausende an Covid starben.

Seit die Abriegelung der Jangtse-Metropole im Frühjahr 2020 aufgehoben wurde, lebte Wuhan weitgehend unbehelligt von dem Virus. Doch nun isolierten die Behörden erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder Bürger der Stadt: Fast eine Million Menschen im Vorortbezirk Jiangxia wurden in den Lockdown geschickt – wegen vier in der Stadt entdeckter Omikron-Fälle, von denen keiner Symptome aufwies. Alle öffentlichen Verkehrsmittel wurden angehalten und Unterhaltungsstätten für drei Tage geschlossen, nachdem am Dienstag im Distrikt vier asymptomatische Fälle festgestellt worden waren.

Unterdessen werfen auch zwei neue Studien das Schlaglicht erneut auf Wuhan. Seit 2020 läuft eine Debatte, ob das Virus, wie von Chinas Experten analysiert, auf dem Huanan-Tiermarkt von Wuhan erstmals auf den Menschen übergesprungen ist – oder aber aus einem nahen Labor entwischte. Skeptiker in den USA oder Australien pochten immer wieder auf diese sogenannte Laborthese, die China stets empört zurückwies. Die neuen Studien sehen nun wieder den Tiermarkt als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie - und entkräften die These eines Laborunfalls als Ursache. Die Untersuchungen hätten gezeigt, „dass es einfach nicht plausibel ist, dass dieses Virus auf eine andere Weise als durch den Handel mit Wildtieren auf dem Markt von Wuhan eingeschleppt wurde“, sagte einer der Autoren der beiden Studien, der Virologe Michael Worobey von der University of Arizona, am Dienstag.

China: Studienautor zunächst selbst Anhänger der Corona-Laborthese

Worobey selbst hatte noch im vergangenen Jahr einen offenen Brief mit unterzeichnet, der dazu aufrief, die Theorie eines Laborunfalls im Institut für Virologie in Wuhan weiter in den Blick zu nehmen. Die seitdem gesammelten Erkenntnisse hätten ihn aber zum Umdenken bewegt, sagte der Virologe nun. Das Virus sei „auf diesem Markt entstanden und hat sich von dort aus ausgebreitet“. Die Studie wurde in der US-Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Schon bald nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie war darüber spekuliert worden, dass das Virus bei einem Unfall aus dem Institut für Virologie in Wuhan entwichen sein könnte, in dem auch an Coronaviren geforscht wird. Es liegt nicht weit vom Huanan-Markt entfernt. Im Januar 2021 konnte nach einigem Hin und Her ein internationales Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Wuhan besuchen – einschließlich des Labors. Der von den Experten vorgelegte Bericht lieferte keine klaren Ergebnisse zum Ursprung der Pandemie. Die sogenannte Labor-Theorie stuften die WHO-Experten allerdings damals schon als „extrem unwahrscheinlich“ ein.

Wuhan: Studien sehen Tiermarkt als Ursprung des Coronavirus

Eine der neuen Studien untersuchte nun die geografische Verteilung der ersten Covid-Fälle im Dezember 2019. Dabei zeigte sich, dass diese eng um den Huanan-Tiermarkt herum angesiedelt waren. Einige der ersten Patienten, die kurz zuvor den Markt nicht besucht hatten, lebten in unmittelbarer Nähe des Marktes. Die Forscher analysierten zudem Virus-Proben, die sie im Januar 2020 auf dem Markt genommen hatten. Den Angaben zufolge konzentrierten sich diese auf den südwestlichen Teil des Marktes, wo lebende Tiere wie Füchse und Marderhunde verkauft wurden.

Die zweite Studie nahm eine Genom-Analyse des Virus vor, das bei den ersten Corona-Patienten nachgewiesen wurde. Dabei untersuchten die Forscher zwei Abstimmungslinien des Erregers. Sie kamen zu dem Schluss, dass beide bei verschiedenen Ereignissen, im November und Dezember 2019, von Tieren auf dem Markt auf Menschen übergesprungen sind. Es sei unwahrscheinlich, dass das Virus vor November 2019 beim Menschen zirkulierte, schrieben die Wissenschaftler.

China hält weiter an Null-Covid-Politik fest: Nervosität in Wuhan wächst

In Wuhan wächst derweil die Nervosität. Auch in anderen Metropolen begannen längere Lockdowns mit der Abriegelung einzelner Stadtteile. China hält strikt an seiner Null-Covid-Politik fest, die selbst auf kleinste Cluster an Neuinfektionen mit heftigen Maßnahmen reagiert. Auch im wochenlang komplett abgeriegelten Shanghai ist die Sache daher längst nicht vorbei. Diese Woche wiesen dort nach Angaben des Magazins Caixin die Behörden die Bewohner von vier Wohnquartieren an, eine Woche lang zu Hause zu bleiben. In neun von 16 Stadtbezirken laufen in diesen Tagen Massentests.

Derzeit meldet China täglich mehrere hundert Neuinfektionen im ganzen Land, vorwiegend mit der hochansteckenden Omikron-BA.5-Variante. Die japanische Nomura-Bank schätzte vergangene Woche, dass rund 264 Millionen Menschen in 41 chinesischen Städten irgendeiner Form von Corona-Schutzmaßnahmen unterworfen seien. In der Südmetropole Shenzhen ordneten die Behörden an, dass die 100 größten Fabriken, darunter der iPhone-Hersteller Foxconn, für eine Woche nur im sogenannten „Closed Loop“-Modus produzieren dürfen. Das bedeutet, dass sich alle Arbeiter auf dem Firmengelände isolieren müssen. (ck/AFP)

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