So erklärt sie den Wahlausgang

Roth: „Erdogans Behauptungen haben Wirkung gezeigt“

+
Claudia Roth hat sich zur Türkei geäußert.

Berlin - In der Türkei ist das Verfassungsreferendum knapp ausgegangen, in Deutschland war das Ergebnis klar auf der Seite für Erdogans Präsidialsystem. Für die Grünen-Politikerin Claudia Roth gibt es deswegen hierzulande einiges zu tun.

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth fordert nach dem Referendum in der Türkei einen entschiedenen Richtungswechsel im deutsch-türkischen Verhältnis. „Unsere Beziehungen zur Türkei brauchen nun eine grundlegende Neuvermessung“, sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Priorität müsse haben, die demokratischen Kräfte in der Türkei zu stärken. „Millionen von Türkinnen und Türken haben ihre Stimme für die Demokratie erhoben - trotz massiver Einschüchterung, willkürlicher Verhaftungen und einer unfreien Presse“, sagte Roth.

In der Diskussion um die Deutsch-Türken, die sich für das Präsidialsystem Erdogans ausgesprochen haben, rief sie zu Besonnenheit auf. Der Zeitung„Die Welt“ sagte sie: „Es haben letztlich rund 450.000 Deutsch-Türken für Erdogan gestimmt. Das sind also gerade einmal 13 Prozent der hier lebenden Türkeistämmigen.“ Dennoch stelle sich die Frage, warum diese Menschen für ein System stimmten, das sich so radikal vom deutschen Rechtsstaat unterscheide. 

„Erdogans antideutsche Kampagne hat offenbar gefruchtet“

Für Roth liegt es am Populismus, der sich gerade durch alle Länder Europas ziehe, sagte sie der „Welt“: „In diesem Fall hat Erdogans antideutsche Kampagne offenbar gefruchtet: Seine Behauptungen, Menschen türkischer Abstammung seien bei uns nicht willkommen und würden ausgegrenzt, haben Wirkung gezeigt.“

Zudem sei ein türkischer Nachname auch heute noch eine Hürde bei der Wohnungs- oder Arbeitsplatzsuche. Deutschland habe sich über viele Jahre nicht offen gezeigt, in dem es sich als Teil des christlichen Abendlandes dargestellt habe. Den Deutsch-Türken, die für Erdogan gestimmt haben, müsste man jetzt klarmachen, was Demokratie in Deutschland bedeute, so die Grünenpolitikerin, die die Spitzenkandidatin für die bayerischen Grünen im Bundestagswahlkampf ist.

Alles zum Referendum im Ticker

Alle Informationen rund um das Referendum finden Sie auch nochmal in unserem News-Ticker.

mm/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Terror in Spanien: Attentäter mit Verbindungen ins Ausland

Die spanischen Sicherheitsbehörden versuchen, den Anschlägen von vergangener Woche auf den Grund zu gehen. Vieles deutet darauf hin, dass die Terroristen enge …
Terror in Spanien: Attentäter mit Verbindungen ins Ausland

EU-Bürgern mit Abschiebung gedroht: London entschuldigt sich

Etwa 3,2 Millionen EU-Bürger leben derzeit in Großbritannien. Sie brauchen dafür bislang keine besondere Erlaubnis. Das könnte sich nach dem geplanten Austritt des …
EU-Bürgern mit Abschiebung gedroht: London entschuldigt sich

Wegen Trump: Viele Deutsche verlieren Vertrauen in die USA

Die USA wirken auf die Deutschen seit Donald Trumps Amtsantritt unsympathischer, das zeigt eine Umfrage. Viele schließen Amerika sogar als Urlaubsland aus. 
Wegen Trump: Viele Deutsche verlieren Vertrauen in die USA

Ist die Dresdner Frauenkirche im Fadenkreuz von Terroristen? Das sagt die Polizei

Trotz der Erwähnung der Dresdner Frauenkirche in einem Propagandamagazin der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sieht die Polizei keine veränderte Bedrohungslage für die …
Ist die Dresdner Frauenkirche im Fadenkreuz von Terroristen? Das sagt die Polizei

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.