Sorge wächst

Corona-Mutante in Tirol: Söder und Kretschmann besorgt –Einreisebeschränkungen nach Deutschland wahrscheinlich

Wer Tirol verlassen will, braucht ab Freitag einen negativen Test auf das Coronavirus. Grenzkontrollen und Einreisebeschränkungen nach Sachsen und Bayern werden immer wahrscheinlicher.

  • Zwar wird Tirol nicht abgeschottet, allerdings brauche Menschen, die ausreisen wollen, ab Freitag einen negativen Test auf das Coronavirus*.
  • Die Mutation, die zuerst in Südafrika entdeckt wurde, breitet sich weiter aus.
  • Innenminister Horst Seehofer geht davon aus, dass Tirol und Gebiete Tschechiens von der Bundesregierung als Virusmutationsgebiete eingestuft werden.

+++ 17:07 Uhr: Nach der Ausbreitung des mutierten Coronavirus in Tschechien und Teilen Österreichs bereitet sich die Bundesregierung nun auf Einreisebeschränkungen und Grenzkontrollen vor. „Der Freistaat Bayern und der Freistaat Sachsen haben heute die Bundesregierung gebeten, Tirol und grenznahe Gebiete Tschechiens als Virusmutationgebiete einzustufen und stationäre Grenzkontrollen vorzunehmen“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir werden das wohl so entscheiden.“

Seehofer verwies darauf, dass dies mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) abgestimmt sei. Die Kontrollen sollen dann wahrscheinlich ab Sonntag (14.02.2021) 0.00 Uhr gelten. Welche Ausnahmen gelten sollen, ist noch nicht klar. Am Donnerstag (11.02.2021) hat sich ein Stab mit Vertretern von Innenministerium, Gesundheitsministerium und dem Auswärtigen Amt getroffen, um über die mögliche Einstufung weiterer Länder als Virusmutationsgebiete zu beraten.

Unter den bislang so eingestuften Staaten, für die ein Beförderungsverbot nach Deutschland gilt, ist bislang kein Nachbarland. Aus den bereits festgelegten Mutationsgebieten im Ausland dürfen derzeit fast nur noch Deutsche und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland einreisen. Außerdem gibt es Sonderregeln für medizinisches Personal, Transit-Passagiere und den Warenverkehr.

Für Tirol gilt aufgrund der als brisant eingeschätzten Corona-Lage eine Reisewarnung der österreichischen Regierung. Deutschland erwägt, Tirol als Virusmutationsgebiet einzuordnen.

Corona-Mutante in Tirol: Söder und Kretschmann besorgt

+++ 12:01 Uhr: Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schließt wegen der Gefahr durch die Mutanten des Coronavirus in Tirol Grenzkontrollen wie im Frühjahr nicht aus. Wenn sich die Virusvarianten in den Nachbarländern, wie zum Beispiel Österreich, immer stärker ausbreiteten, „kann das natürlich im Extremfall auch zu Grenzschließungen führen“, sagte Kretschmann im Landtag in Stuttgart.

Ähnlich hatte sich zuvor schon Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geäußert. In einem Gespräch mit merkur.de äußert sich Markus Söder sehr besorgt über die Corona-Entwicklungen in Österreich und im Speziellen in Tirol.* Er halte es für „diskussionswürdig, dass Österreich in dieser unsicheren Situation weitgehende Öffnungen erlaubt, obwohl die Inzidenz dort deutlich höher als in Bayern ist“, sagte Söder.

Alles dicht: Wegen der vielen Infektionen mit einer Corona-Mutante in Tirol schließen Bayern und Baden-Württemberg eine Grenzschließung nicht aus. (Archivbild)

Gefahr durch Corona-Mutante: Kretschmann will Grenzkontrollen zu Tirol vermeiden

„Wir wollen sie natürlich vermeiden“, beteuerte der Grünen-Politiker. Das bleibe die Linie, doch könne sich das insbesondere wegen der Verbreitung der südafrikanischen Virusvariante in Tirol auch ändern. Beim ersten Lockdown im Frühjahr waren nationale Grenzkontrollen eingeführt worden, um das Einschleppen des Virus aus dem Ausland so weit wie möglich zu verhindern. Damals hatte es viel Kritik an dieser Maßnahme gegeben, weil Pendler:innen, Familien und Unternehmen darunter litten.

Nach dpa-Informationen gilt es als sehr wahrscheinlich, dass der Bund einem entsprechendem Votum der betroffenen Länder folgen würde, sollten diese stationäre Kontrollen an ihren Grenzen befürworten. Das Thema war zwischen Bund und Ländern zuletzt vor allem mit Blick auf Tschechien und womöglich auch Österreich besprochen worden.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann will Grenzschließungen wegen der Coronavirus-Mutante in Nachbarländern vermeiden.

Corona-Mutante in Tirol: Soldat:innen und Polizist:innen kontrollieren Grenzen

+++ 11.42 Uhr: Im österreichischen Bundesland Tirol werden rund 1.200 Polizisten und Soldaten für die Ausreisekontrollen wegen der Coronavirus-Mutante eingesetzt. Zur Zeit werde noch an der Infrastruktur für die Kontrollstellen gearbeitet, teilte ein Sprecher der Landespolizeidirektion Tirol mit. Für die Ausreise aus dem Bundesland ist von Freitag an für zunächst zehn Tage ein negativer Corona-Test nötig, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Ausgenommen von dieser Vorschrift sind nach bisherigen Angaben Kinder sowie der Güterverkehr und die Durchreise ohne Zwischenstopp. Der Schritt soll helfen, die Verbreitung der in Tirol vermehrt aufgetretenen Südafrika-Variante des Coronavirus einzudämmen. 

In Tirol ist bisher von 139 aktiven Fällen der als höher ansteckend geltenden Mutante auszugehen. Das Bundesland intensiviert aktuell die Suche nach Infektionsfällen. So sollen neben dem ohnehin schon erweiterten Testangebot alle 84.000 Einwohner des besonders betroffenen Bezirks Schwaz einen PCR-Gurgeltest nach Hause bekommen. Allen Betrieben des Bezirks Schwaz würden gratis Testungen der Mitarbeiter angeboten, hieß es vonseiten des Landes. Aktuell sinkt die Zahl der insgesamt aktiv positiven Fälle von Corona-Infizierten in Tirol aber weiter. Am Donnerstag wurden 1050 Fälle gemeldet, nach 1088 am Vortag.

Corona-Krise in Tirol: Markus Söder will Grenzschließungen nicht ausschließen

Update vom 11.02.2021, 08.11 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus eine Schließung der Grenze zu Tschechien nicht ausgeschlossen. „Sollte Tschechien nicht in der Lage sein, seine Notmaßnahmen zu verlängern, dann muss auch klar sein, dass Tschechien ein Mutationsgebiet ist und dann muss auch die Grenzschließung ein Thema sein“, sagte Söder am Mittwochabend im ZDF-“heute-journal“.

Das gelte auch für Österreich. „Wir sind bei Österreich sehr verunsichert“, sagte Söder. Die Regierung in Wien habe im von der südafrikanischen Virusvariante stark betroffenen Bundesland Tirol Quarantänemaßnahmen verhängt. „In Tirol, so hört man, interessiert das niemanden“, sagte Söder. „Ich bin schon besorgt, dass da ein zweites Ischgl droht.“

Wenn die Gebiete als Mutationsgebiete definiert würden, gäbe es kaum noch Reisemöglichkeiten, sagte Söder. Bereits jetzt sei der Grenzübertritt von nach Tschechien nur noch zur Arbeit möglich.

Markus Söder (CSU) schließt im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus eine Schließung der Grenze zu Tschechien nicht aus.

Corona-Mutation aus Südafrika verbreitet sich in Tirol - Bayern wird nervös

Erstmeldung vom 10.02.2021, 18.54 Uhr: Innsbruck – Im Bundesstaat Tirol in Österreich verbreitet sich die Mutation des Coronavirus, die zuerst in Südafrika gefunden wurde, weiter. Dabei gibt es leicht widersprüchliche Zahlen. Während die österreichische Regierung Anfang der Woche von 293 bestätigten Fällen sprach – davon 140 aktive Fälle – geht die Tiroler Landesregierung von niedrigeren Zahlen aus.

Die Tiroler Landesregierung meldete am heutigen Mittwoch (10.2.2021) insgesamt 165 bestätigte Fälle mit der neuen Coronavirus-Mutation. Zusätzlich gebe es allerdings weitere 15 Fälle, in denen das Virus-Erbgut erst teilweise untersucht sei, die aber sehr wahrscheinlich ebenfalls auf die neue Mutation zurückgehen. Dazu kommen noch 250 Fälle, die bei einer ersten PCR-Analyse verdächtig aussahen.

Nach den bisherigen Erfahrungen werde sich der Großteil dieser Fälle bestätigen, so die Mitteilung. Wäre das der Fall, gäbe es insgesamt 430 Fälle mit der neuen Mutation, 48 mehr als am vergangenen Donnerstag. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um den größten bekannten Ausbruch mit der neuen Mutation außerhalb von Südafrika selbst.

Coronavirus-Mutation in Tirol: Ausreisende brauchen Test

Die Mutation, die zuerst in Südafrika entdeckt worden war, gilt als ansteckender als die bisher verbreitete Variante. Außerdem deuten erste Untersuchungen darauf hin, dass der Impfstoff von Astrazeneca nicht so gut gegen die Mutation hilft. Südafrika hat daher die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff gestoppt*.

Ab Freitag müssen Menschen, die das österreichische Bundesland Tirol verlassen wollen, einen negativen Test auf das Coronavirus aufweisen. Ausgenommen ist die Region Osttirol, die nicht direkt an den Rest von Tirol grenzt, sowie Kinder. Das Testergebnis darf nicht älter als 48 Stunden sein.

Innsbruck: Wegen der Coronavirus-Mutation in Tirol dürfen Erwachsene nur noch mit negativem Test ausreisen.

Wie der österreichische Innenminister laut Medienberichten ankündigte, werden die Einhaltung der Regeln engmaschig kontrolliert. Das gelte sowohl für die Bundesstraßen und Landesstraßen, die Flughäfen und die Bahnstrecken. Es drohten bis zu 1450 Euro Strafe für alle, die sich nicht daran halten.

Coronavirus-Mutation in Tirol: Söder schließt Grenzschließungen nicht aus

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Plattner sagte zu der neuen Regel: „Das ist eine Maßnahme, die ist effizient, aber für die Bevölkerung zumutbar, weil wir uns in Tirol verhalten können und bewegen können wie bis jetzt.“ Im Bezirk Schwaz, in dem die meisten Coronavirus-Fälle mit der neuen Mutation aufgetreten sind, soll mehr getestet werden. „Wir appellieren an die Bevölkerung von Schwaz, dass die Testungen als eine persönliche Verpflichtung gesehen werden“, sagte Plattner.

Auch in Bayern breitet sich wegen der Mutation des Coronavirus Nervosität aus. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte dem Münchner Merkur, man werde auf deutscher Seite die Grenzkontrollen massiv verstärken. „Mit Grenzkontrollen und Schleierfahndung wird das dichter kontrolliert. Sollte die Gefahr wachsen, dürfen auch Grenzschließungen zu Tirol kein Tabu sein.“(Friederike Meier) *fr.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Erich Spiess/dpa

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