Leere Wahlkampf-Arena

Trump mit besorgniserregenden Aussagen zu Corona-Tests - dann rechnet er mit Deutschland ab

Donald Trump greift bei Wahlkampfrede Deutschland an und macht angeblichen „Scherz“ zu Corona-Tests. Weit weniger Anhänger als angekündigt hörten zu.

  • Donald Trump hat nach drei Monaten Corona-Pause wieder den Wahlkampf aufgenommen.
  • Bei einer Rede in Tulsa waren weit weniger Zuhörer anwesend als angekündigt.
  • Neben Kritik gegen Deutschland machte Trump auch eine bedenkliche Aussage zu Corona-Tests.

Donald Trump* hatte für seine erste Wahlkampfrede nach der Corona-Unterbrechung fast eine Million Menschen für die Veranstaltung in Tulsa angekündigt. Sein Wahlkampfteam* hatte von rund 100.000 Anhängern gesprochen. Für diejenigen, die keinen Platz finden, war eine Ansprache Trumps vor der Arena geplant. Diese wurde aber gestrichen - denn in der 19.000 Menschen fassenden Arena blieben sogar viele Plätze leer. Trump ist bekannt dafür, es mit genauen Zahlen nicht so genau zu nehmen. 

Donald Trumps Rede: Er erwähnte George Floyd mit keinem Wort

Nicht ein einziges Mal erwähnte er während der eineinhalbstündigen Rede den bei einem Polizeieinsatz ermordeten Schwarzen George Floyd*. Über Rassismus und Polizeigewalt ging es in seiner Wahlkampfrede* nur, als er die Demokraten angriff. Wenn sie „an die Macht kommen, dann werden die Randalierer das Sagen haben und niemand wird mehr sicher sein“, erklärte der US-Präsident. „Sie wollen unser Erbe zerstören, damit sie ihr neues Unterdrückungsregime an seiner Stelle durchsetzen können.“ Ihr Plan sei, den Polizeibehörden die Finanzierung zu entziehen und diese auflösen. Die Polizei aufzulösen ist keine Forderung der Demokraten im US-Kongress.

Amtsvorgänger Obama schießt unterdessen ein weiteres Mal Giftpfeile in Richtung des 74-Jährigen. Trump erwägt indes eine TikTok-Sperre.

Donald Trump macht besorgniserregende Aussagen zu Corona - und bringt seine Anhänger in Gefahr

120.000 Corona-Tote gibt es aktuell in den USA, mit Abstand die meisten weltweit. Während seiner Rede lobte Trump jedoch seinen „phänomenalen Job“ im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie. Zu den hohen Zahlen sagte Trump, er habe seine Mitarbeiter gebeten, weniger Coronavirus -Tests durchzuführen, damit die Infektionszahlen in den USA nicht noch weiter steigen. Denn diese seien „ein zweischneidiges Schwert.“ Testet man in diesem Ausmaß, werde „man mehr Menschen finden, man wird mehr Fälle finden, also habe ich meinen Leuten gesagt: ‚Verlangsamt bitte die Tests.‘“ Aus dem Weißen Haus hieß es auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, der US-Präsident* habe „offensichtlich gescherzt“.

Dass er die Pandemie nicht ernst nimmt, zeigt sein eigenes Verhalten im Wahlkampf: Gesundheitsexperten warnen, dass Wahlkampfauftritte die Verbreitung des Virus enorm begünstigt, da tausende Menschen teilnehmen. Joe Biden wartet aus diesem Grund noch ab. Im Fall der Veranstaltung in Tulsa bestand sogar ein akutes Risiko für die Anhänger: Sechs Mitarbeiter des Wahlkampfteams waren vor dem Auftritt positiv getestet worden.

Die Verantwortung für die Gesundheit seiner Zuhörer gab Trump einfach an diese weiter: Besucher der Veranstaltungen mussten sich einverstanden erklären, dass die Organisatoren im Falle einer Covid-19-Infektion nicht haftbar gemacht werden können. Sowohl Trump als auch viele der Anhänger trugen keinen Mund-Nasen-Schutz.

Donald Trump kritisiert Deutschland in Wahlkampfrede

Seine Kritik gegen Deutschland erneuerte Trump bei der Rede. Er bestätigte die Ankündigung, fast 10 000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen. Der Grund: Deutschland schulde der Nato „eine Billion Dollar“ wegen zu geringer Verteidigungsausgaben in den vergangenen 25 Jahren. 

Zudem kritisierte Trump erneut die geplante Ostsee-Pipeline Nord-Stream 2, die Gas von Russland nach Deutschland bringen soll. „Wir sollen Deutschland vor Russland beschützen“, sagte der US-Präsident unter Applaus. „Aber Deutschland zahlt Russland Milliarden Dollar für Energie, die aus einer Pipeline kommt, einer brandneuen Pipeline.“

dpa/tk

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Rubriklistenbild: © AFP / NICHOLAS KAMM

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